Neue Hoffnung im Kampf gegen Augenerkrankungen

Laserstrahl und künstliche Linsen: Ärzte können bei vielen Augenerkrankungen mit neuen Behandlungsmethoden helfen. Der Traum vom jugendlichen Sehen aber bleibt in vielen Fällen unerfüllt.
Laserstrahl und künstliche Linsen: Ärzte können bei vielen Augenerkrankungen mit neuen Behandlungsmethoden helfen. Der Traum vom jugendlichen Sehen aber bleibt in vielen Fällen unerfüllt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Chirurgen tüfteln immer ausgefeiltere Verfahren aus, um Augenkrankheiten zu operieren. Doch nicht jede Behandlung ist für jeden Patienten geeignet.

Düsseldorf.. Wenn die Augen schwächer werden oder sich trüben, wünscht sich jeder, wieder sehen zu können wie in der Jugend. Chirurgen tüfteln heute immer ausgefeiltere Methoden aus, um dieses Ziel zu erreichen. Experten stellten bei einer Tagung in Düsseldorf neue Möglichkeiten vor, Menschen zu helfen, die unter Grauem oder Grünem Star leiden oder (auch als Erwachsene noch) schielen.

Das können künstliche Linsen

Eine der häufigsten Augenoperationen ist diejenige beim Grauen Star (Katarakt). Dabei wird die trüb gewordene Linse gegen ein Kunststoffimplantat ausgetauscht – eine Aktion, die in Deutschland pro Jahr 650 .000 bis 800. 000 Mal und meist ambulant geschieht. Die Auswahl der Kunstlinsen ist inzwischen enorm. Professor Gerhard K. Lang von der Uni-Augenklinik Ulm, ehemaliger Präsident des Weltkongresses der Augenheilkunde, führt aus: „95 Prozent der Patienten erhalten heute eine monofokale Linse, mit der scharfes Sehen in einem Bereich – entweder in der Ferne oder in der Nähe – möglich ist.“

Inviduelle OP-Methoden Wer rund 800 Euro dazu zahlt, kann eine sogenannte Premium-Linse mit zusätzlichem Nutzen bekommen. Man kann beispielsweise Kontraste mit ihrer Hilfe besser sehen. Lang ergänzt: „Für drei Prozent der Patienten sind torische Linsen eine Möglichkeit, einen durch eine Hornhautverkrümmung verursachten Astigmatismus (Stabsichtigkeit) auszugleichen.“ Rund zwei Prozent der Patienten entscheiden sich nach seinen Worten für Multifokallinsen, um nicht nur etwas gegen den Grauen Star, sondern auch gegen die Alterssichtigkeit zu unternehmen und wieder auf unterschiedliche Entfernungen scharf zu sehen.

Individuell geplante Eingriffe

Augenexperte Lang: „Sogar eine Kombination aus torischer und multifokaler Optik ist bei modernen Linsen möglich, so dass für jeden Patienten die individuell optimale Lösung gefunden werden kann.“ Er schränkt jedoch ein: „Sehen wie in der Jugend“ sei anschließend nicht immer möglich. Der Grund: „Andere Augenkrankheiten, die die Sehkraft schwächen, bestehen auch nach der Kataraktoperation weiter.“ Trotz der Standardisierung einiger Abläufe ist dieser Eingriff nach Langs Worten keine Routine.

Bei der Auswahl der passenden Linse spielen das Alter, die allgemeine Gesundheit der Augen sowie die Erwartungen des Patienten eine Rolle. Der Augenchirurg: „Nicht alles, was heute technisch möglich ist, ist für jeden sinnvoll.“

Verfahren weiterentwickelt

Das Glaukom (Grüner Star) ist eine Augenkrankheit, bei der die Nervenfasern langsam absterben. Meistens steckt dahinter ein hoher Druck im Augeninneren. Er entsteht durch das Kammerwasser, das Nährstoffe enthält sowie die Form des Auges aufrechterhält. Wenn im Abflusssystem für das Kammerwasser ein zu hoher Widerstand entsteht, steigt der Druck. Mit Glaukomoperationen wollen Mediziner erreichen, dass dieses Wasser das Auge auf einem neuen Weg verlässt. Dafür steht inzwischen eine Vielfalt von Operationstechniken zur Verfügung.

Gesundheit „Das Ziel ist es, den Augeninnendruck möglichst gut zu kontrollieren und gleichzeitig die Nebenwirkungen und Risiken gering zu halten“, sagt Professor Franz Grehn von der Uni-Augenklinik Würzburg. Um dies zu erreichen, ist etwa das Standardverfahren der Trabekulektomie (von Griechisch „ektomé“ = Herausschneiden) weiterentwickelt worden. Ursprünglich wird dabei eine Öffnung in die vordere Augenkammer angelegt, durch die das Kammerwasser unter die Bindehaut abfließt – die Augenchirurgen sprechen vom Sickerkissen.

Beraten lassen

Inzwischen geht es spezialisierten Medizinern darum, schonender zu behandeln und beispielsweise einen Abflusskanal (den sogenannten Schlemm’schen Kanal) für das Kammerwasser durchlässiger zu machen. Dann spricht man von einer Kanaloplastik. Implantate, die dabei helfen, das Wasser abzuleiten, werden nach Worten von Franz Grehn nur in schweren Fällen und bei Patienten eingesetzt, die schon mehrere Male operiert werden mussten. Seine Empfehlung: Sich von einem erfahrenen Operateur zur passenden Technik beraten lassen. „Dabei gilt es, das Alter des Patienten, die Dauer der Glaukomerkrankung oder weitere bestehende Krankheiten wie Diabetes oder Katarakt zu berücksichtigen“, sagt der Experte.

Schmerzen durch Schielen

Manchmal ist schlicht vom „Silberblick“ die Rede – dabei ist das Schielen, in der Fachsprache „Strabismus“ genannt, alles andere als harmlos. Denn wenn beide Augen nicht auf dasselbe Objekt ausgerichtet sind, hat das schlimme Auswirkungen: „Sie reichen von Doppelbildern über Kopfschmerzen bis zur Unfähigkeit zum räumlichen Sehen“, sagt Professor Klaus Rüther, Augenarzt in Berlin und Experte für Operationen an den Augenmuskeln. Seine Patienten haben häufig große Probleme, weil sie verspottet werden und es ihnen schwer fällt, mit anderen Menschen Blickkontakt aufzunehmen. Ein Eingriff ist nicht nur bei Kindern (dann meist vor der Einschulung) ratsam, sondern laut Rüther auch bei Erwachsenen, die zum Beispiel nach Unfällen oder durch Lähmungserscheinungen am Augenmuskelnerv schielen.

Bei der Operation wird die Bindehaut geöffnet und das Auge in gewissem Umfang gedreht, so dass der Chirurg den zu behandelnden Muskel erreichen kann. „Einfache Eingriffe können bei erwachsenen Patienten auch unter lokaler Betäubung ausgeführt werden“, sagt Rüther. Zwar treten laut dem Spezialisten anschließend in der Regel stärkere Schmerzen auf als bei anderen Augenoperationen und die Augen müssen oft nachuntersucht werden. Doch die Effekte der OP können sehr erleichternd sein, Rüther nennt Beispiele: „Nicht nur Doppelbilder schwinden, auch eine Kopfzwangshaltung, die häufig als Folge des Schielens auftritt, verbessert sich oder ist gänzlich verschwunden. Ebenfalls lässt sich das beidäugige räumliche Sehen – zumindest teilweise – wiederherstellen.“