Das aktuelle Wetter NRW 5°C
Forschung

Neue Behandlungsmethode für Patienten mit diabetischer Nervenerkrankung

21.06.2012 | 15:19 Uhr
Für Patienten mit der diabetischen Nervenerkrankung gibt es Hoffnung. Forscher erproben einen neuen Behandlungsansatz.

Heidelberg.   Forscher des Universitätsklinikums Heidelberg konnten die Entstehung der diabetischen Nervenerkrankung mit einem aggressiven Stoffwechsel-Abfallprodukt, dem Stoff Methylglyoxal, in Verbindung bringen. Dadurch konnte ein neuer Behandlungsansatz gefunden werden um die Belastung des Methylgloyoxal herabzusetzen.

Die diabetische Nervenerkrankung ist eine schmerzhafte Begleiterscheinung bei Diabetes . Häufig äußert sie sich in anhaltenden Schmerzen in Füßen und Waden. Bislang versuchte man, den Schmerz therapeutisch mit einem medikamentösen Eingreifen ins Nervensystem zu behandeln. Diese Therapie ist allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.

Nun ist es einem Forscherteam des Universitätsklinikums Heidelberg gelungen, die Nervenerkrankung mit einem aggressiven Stoffwechsel-Abfallprodukt in Verbindung zu bringen. Der Stoff heißt Methylglyoxal und entsteht beim Abbau von Blutzucker. Bindet er an Nervenzellen an, wird der Schwellenwert für Schmerz herabgesetzt. Folge ist eine chronische Überempfindlichkeit der schmerzleitenden Nerven. Auch Schäden an Blutgefäßen und Nieren lassen sich durch vermehrte Ablagerung giftiger Stoffwechsel-Abfälle erklären.

Therapieansatz mit weniger Nebenwirkungen

"Selbst bei Patienten, deren Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist, oder schon vor Ausbruch der Erkrankung sammeln sich solche schädlichen Stoffe im Körper an", so der Erstautor einer Publikation zum Forschungsthema (siehe Kasten), Dr. Thomas Fleming. Für den Abbau des nervenschädigenden Methylglyoxals ist ein Eiweiß zuständig.

In Nervenzellen allerdings ist es per se schwächer aktiv, bei einer Diabetes-Erkrankung ist die Tätigkeit des schützenden Stoffes noch weiter gedrosselt. Wissenschaftler um Professor Dr. Angelika Bierhaus und Professor Dr. Peter P. Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I und Klinische Chemie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, haben im Tierexperiment zwei Vorgehensweisen getestet, um die Belastung mit Methylglyoxal herabzusetzen: Einmal testeten sie ein Medikament, das den giftigen Stoff blockiert, zum zweiten verabreichten sie gezielt Glyoxalasen, also die Eiweiße, die das Gift abbauen.

In beiden Fällen scheint das Schmerzempfinden erfolgreich heruntergesetzt zu werden. Sollte sich die neuen Ergebnisse in der Forschungsphase bewähren, gäbe es vielleicht bald eine Alternative zur bislang üblichen Behandlung der diabetischen Nervenerkrankung. Weltweit beteiligten sich 16 Forschungseinrichtungen an diesem Projekt. (mp)

Leben mit Diabetes

 



Kommentare
Aus dem Ressort
Rückenyoga dehnt und stärkt auf sanfte Art
Gesundheit
Nach unten gekehrter Hund ja, Kamel nein - beim Rückenyoga gelten ganz spezielle Regeln. Die wichtigste von ihnen lautet: Nie in den Schmerz hineinarbeiten! Wer das beherzigt, kann wenig falsch machen.
So kommen Sie mit der richtigen Hautpflege durch den Winter
Gesundheit
Raus aus der trockenen Heizungsluft, rein in die klirrende Kälte. Im Winter macht unsere Haut einiges mit, und das lässt sie uns spüren. Sie wird trocken und spröde, empfindlich und rau. Die Erneuerung der oberen Schicht verlangsamt sich, Renovierungsarbeiten dauern länger. Ein Experte gibt Tipps.
Test für Ebola-Impfstoff vielversprechend angelaufen
Ebola
Amerikanische Wissenschaftler haben gemeinsam mit einem Pharmahersteller einen neuen Ebola-Impfstoff erfolgreich getestet. Das Immunsystem der 20 erwachsenen Probanden habe auf das Mittel "VRC 207" gut reagiert. Es basiert auf einem abgeschwächten Schimpansen-Virus.
"Pille danach": Je schneller, desto besser
Gesundheit
Viele Frauen kennen die Notlage: Sie hatten Sex - freiwillig oder erzwungen - und brauchen nun dringend die "Pille danach". Aber wie kommen sie so schnell wie möglich an das Medikament?
Bei Verdacht auf Schlaganfall ist schnelle Hilfe gefragt
Gesundheit
Beim Verdacht auf einen Schlaganfall sollte sofort der Rettungsdienst (Rufnummer 112) alarmiert werden. Je eher ein Schlaganfall behandelt wird, desto besser lassen sich Folgeschäden vermeiden. Auch Kinder können einen Schlaganfall erleiden.
Umfrage
Das Bundesverwaltungsgericht hat der Sonntagsarbeit engere Grenzen gesetzt. Wie finden Sie das?
 
Fotos und Videos