Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Studie

Nach Herzinfarkt treten häufig Depressionen auf

16.01.2013 | 14:45 Uhr
Patienten, die einen Herzinfarkt überlebten, erkranken häufig an Depressionen.Foto: Getty

Luxemburg.  In den ersten sechs Monaten nach einem Herzinfarkt besteht für Patienten ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken, so eine Studie der Universität Luxemburg. Die Ergebnisse können wichtige Hinweise für Nachsorge und Betreuung der Patienten geben.

'Überlebende eines Herzinfarkts erkranken in den ersten sechs Monaten nach ihrem Herzinfarkt dreimal häufiger an Depressionen als Menschen ohne Herzerkrankung. Ohne Behandlung verschlechtert sich die Prognose und führt zum Beispiel zu weiteren kardialen Ereignissen und möglicherweise auch zum Tod. Die Ursachen für das häufige Auftreten von Depressionen nach Herzinfarkten sind noch unklar', so die Stellungnahme von Prof. Claus Vögele, Erstautor einer Studie, die den Zusammenhang von persönlicher Einstellung und Depressionen nach einem Herzinfarkt unter die Lupe nahm.

Claus Vögele ist Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg. Die 36 Teilnehmer der dort durchgeführten Untersuchung waren Patienten , die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Zu drei Zeitpunkten im ersten halben Jahr nach dem Herzinfarkt wurden die Probanden mit Hilfe von Fragebögen zu ihren allgemein krankheitsbedingten Symptomen, zu Beruf und Familie befragt. In strukturierten Interviews wurde jeweils ihr Grad der Depressivität erhoben.

Erste Studie ihrer Art

Ergänzend sollten die Versuchsteilnehmer auch über ihre ganz persönlichen Strategien im Umgang mit dem Herzinfarkt berichten. Dazu gehörten zum Beispiel Angaben darüber, ob sie viel über den Infarkt nachgrübelten und ob und wie sie das Gefühl der Bedrohung durch die Erkrankung regulieren konnten.

Die Studie gehört zu den ersten ihrer Art. Aus den Auswertungen der Untersuchungen geht hervor, dass Patienten, bei denen das Gefühl der Bedrohung nach einem erlittenen Infarkt überwiegt, eher zu Depressionen neigen. Darunter kann wiederum der körperliche Heilungsprozess leiden.

Wichtige Wegweiser zur Genesung

Menschen hingegen, die sich auf ihre Gesundung konzentrieren und Unterstützung von Familie und Freunden erbitten, haben eine wesentlich geringere Neigung, nach dem Herzinfarkt depressiv zu werden. Die Ergebnisse aus der Studie sind wichtige Wegweiser. Sie zeigen an, mit welcher Art Unterstützung Patienten am ehesten eine positive und vor allem möglichst angstfreie Einstellung zu dem erlittenen Infarkt und dem zukünftigen Leben entwickeln können.

Prof. Vögele, der an der Universität Luxemburg eine Forschungsgruppe zu Selbstregulation und Gesundheit leitet, sieht den Rahmen der Anwendung der Erkenntnisse beispielsweise in einer gezielten psychologischen Betreuung: 'Psychologische Hilfe in der Zeit direkt nach dem Infarkt, zum Beispiel in den ersten beiden Wochen, kann Patienten vor einer Depression schützen und so zu einer erfolgreichen Genesung beitragen.' (mp)

So bleibt das Herz gesund

 


Kommentare
Aus dem Ressort
Ebola - Einer der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt
Epidemie
In Guinea ist im vergangenen März die erste Ebola-Epidemie ausgebrochen und wütet seither in Westafrika. Das Ebola-Virus ist besonders gefürchtet, denn es gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Je nach Ausbruch sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten daran.
Wissen gegen Flugangst ist oftmals die beste Medizin
Seminare
In letzter Zeit häufen sich die Nachrichten über Flugzeugunfälle. Bei vielen Menschen steigert das die Flugangst, fördert es die Urängste des Menschen zutage. Aus der Sicht von Fachleuten hilft besonders Wissen den Menschen weiter. Aus unbekannten Faktoren sollten bekannte Faktoren gemacht werden.
Schnaps und Gänseblume lindern Juckreiz bei Mückenstichen
Insekten
Mückenstiche gehören zu den nervigsten Randerscheinungen des Sommers. Wer nachts bei vollem Licht zu lange das Fenster offen gelassen hat, kämpft am nächsten Morgen möglicherweise mit juckenden Stichen. Die Naturheilkunde kennt dagegen jedoch den einen oder anderen Trick.
Vorsicht bei Medikamenten gegen Sodbrennen walten lassen
Magensäure
Sodbrennen kann durch verschiedene Gründe hervorgerufen werden. Medikamente können da Abhilfe leisten. Doch nicht alle Medikamente sollten einfach nach Bedarf eingenommen werden. Ideal ist die Einnahme von Arzneimittel zwischen den Mahlzeiten. Der Speisebrei bindet die Säure und lindert das Brennen.
Herpes – wenn Bläschen gefährlich werden
Virus
90 Prozent der Bevölkerung tragen das Herpes-Virus in sich, schätzen Experten. Wenn es aktiv wird, entwickeln sich meist Bläschen am Mund. Aber auch das Auge kann befallen sein. Spezialisten erklären, was man am besten dagegen unternimmt.
Umfrage
Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

Die Ebola-Seuche breitet sich in Westafrika weiter aus. Ein erster Patient könnte möglicherweise in Hamburg behandelt werden. Macht Ihnen Ebola Sorgen?

 
Fotos und Videos