Mundgeruch nicht auf eigene Faust mit Lösungen behandeln

Peinlich? Muss es nicht. Gegen Mundgeruch kann etwas unternommen werden.
Peinlich? Muss es nicht. Gegen Mundgeruch kann etwas unternommen werden.
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Viele Menschen haben Mundgeruch. In der Regel merken sie dies nicht selber und ihre Mitmenschen trauen sich nicht, das Thema anzusprechen.

Essen.. Jeder kennt den penetranten Knoblauch- oder Zwiebelgeruch, der auch am nächsten Tag unseren Mitmenschen unangenehm auffällt. Da ist die Überwindung nicht groß, dem Freund zu sagen, dass er eine ordentliche „Knofifahne“ hat. Es ist nicht verletzend, weil es vergeht. Anders verhält es sich mit einem ständigen Mundgeruch, in der Fachsprache Halitosis genannt. Hier würden sich manche Menschen wünschen, dass ihnen mal jemand sagt, dass da was nicht stimmt.

„Das ist immer noch ein Tabuthema. Aber Freunde und Verwandte tun wirklich Gutes, wenn sie einem sagen, dass man penetrant aus dem Mund riecht“, sagt Zahnarzt Dr. Peter Gehlhar von der Zahnklinik im Rü-Karree in Essen. Das Problem ist nämlich: Unseren eigenen Atem nehmen wir nicht wahr.

Die Ursache

Die Ursachen für Mundgeruch sind vielfältig, aber „bei 80 bis 85 Prozent der Patienten mit Mundgeruch, liegt die Ursache auch tatsächlich im Mund“, sagt Dr. Sebastian Michaelis. Der Zahnarzt ist Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Halitosis der deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund und Kieferheilkunde. Dennoch würden viele Patienten erst sehr spät auf dem Zahnarztstuhl landen. „Nicht selten wurde schon der Magen gespiegelt oder die Mandeln herausgenommen“, sagt auch sein Kollege Gehlhar.

Zahnpflege Es sei bei vielen Ärzten noch nicht angekommen, dass ein schlechter Atem in den wenigsten Fällen vom Magen her rührt. Erkrankungen aus dem Hals-Nasen-Ohren-Bereich sind dagegen schon häufiger die Ursache – aber durch eine genaue Diagnostik schnell auszumachen. „Bei einer Halitosis rieche ich den Schwefel“, so Peter Gehlhar. Die flüchtigen Schwefelverbindungen riechen unangenehm faulig bis ranzig. Sie entstehen dadurch, dass anaerobe Bakterien, also Bakterien die keinen Sauerstoff zum Leben brauchen, organisches Material wie Essensrückstände in der Mundhöhle zersetzen.

Jeder von uns hat diese Bakterien im Mund, aber nicht bei jedem Menschen sind diese Verbindungen wirklich riechbar. Die Menge der Bakterien macht es aus. „Zahn- und Zahnfleischerkrankungen sind oftmals für eine Halitosis verantwortlich – aber auch ein Zungenbelag, der nicht entfernt wird“, sagt Sebastian Michaelis.

Zu häufigen Übeltätern gehören eine Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates), Karies oder andere Entzündungen an Zahnfleisch oder Mundschleimhaut.

Die Diagnose

„Erst Diagnose, dann Behandlung“, sagt Zahnmediziner Michaelis noch mal ganz deutlich. Es bringe nichts, auf eigene Faust den Mund mit aggressiven Lösungen zu fluten – für die Mundflora sei dies auf Dauer sogar schädlich. Den Geruch unverfälscht wahrnehmen zu können, ist die erste Säule in der Diagnostik. „Deswegen bekommen unsere Patienten auch zunächst die Info, dass sie vor der Untersuchung bestimmte Lebensmittel weglassen“, so Michaelis. Knoblauch, Zwiebeln oder Tabak verfälschen das Ergebnis. Der Zahnarzt inspiziert die Mundhöhle, schaut, ob Erkrankungen erkennbar sind. Auch der Speichelfluss ist aussagekräftig. Ein trockener Mund begünstigt eine Halitosis.

Mit einem speziellen Messgerät kann die ausgeatmete Menge an Schwefelverbindungen ermittelt werden. „Wir machen die Messung zu unterschiedlichen Tageszeiten, um Schwankungen zu erfassen“, sagt Sebastian Michaelis.

Die Mundhygiene

Die Behandlung einer Halitosis hängt natürlich ganz individuell von der Ursache ab. Ist die „Wurzel des Übels“ behandelt, geht es darum die Mundhygiene auf einen Status zu heben, der es den „schlechten“ Bakterien schwer macht. Eine professionelle Zahnreinigung sei, so bestätigen es beide Zahnärzte, unabdingbar. Die Häufigkeit variiert und hängt ganz vom Patienten ab. Sebastian Michaelis empfiehlt sie im Durchschnitt zwei Mal jährlich. Bei Risikopatienten und starker Halitosis auch häufiger.

Gesundheit Mit speziellen Spüllösungen kann die Bakterienzahl minimiert werden. Hier spiele aber der richtige Wirkstoff eine große Rolle. Viele Spülungen übertünchen den Geruch kurzfristig, aber wirken nicht gegen die richtigen Bakterien. Sie helfen nur vorübergehend. „Ganz wichtig ist aber vor allem das Einbeziehen der Zunge beim Zähneputzen“, sagt Peter Gehlhar. Es gibt verschiedene Modelle: Zungenschaber aus Metall, aus Plastik oder Zungenbürsten. Wichtig ist, dass die Utensilien hygienisch gereinigt werden, ansonsten verteilen sich die Bakterien wieder. Die Reinigung der Zunge sollte außerdem den Abschluss der Mundpflege bilden. Viele Menschen leiden beim Zungenreinigen unter einem Würgereiz: Dagegen hilft es, die Augen zu schließen und die Zunge mit einem Papiertuch nach vorne zu ziehen und festzuhalten.

Hier gibt es Hilfe

Einige Zahnarztpraxen bieten eine spezielle Halitosis-Sprechstunde an. Unter www.ak-halitosis.de/ansprechpartner, sind viele Ansprechpartner aufgeführt.