Mit diesen Sonderleistungen kassieren Ärzte schamlos ab
05.02.2012 | 16:09 Uhr 2012-02-05T16:09:00+0100
Berlin. IGeL-Leistungen, die Patienten selbst zahlen müssen, sind ein Milliarden-Geschäft für die Ärzte. Doch manche dieser Untersuchungen gelten zumindest als fragwürdig. Zu diesem Schluss kommt der IGeL-Monitor, den die Krankenkassen ins Internet gestellt haben.
Für die Mediziner sind sie ein Milliardengeschäft – und für die Patienten teuer und oftmals unnötig. 1,5 Milliarden Euro geben die Bürger pro Jahr für Individuelle Gesundheits-Leistungen (IGeL) beim Arzt aus, die die Kassen nicht bezahlen.
Eingeführt wurden sie in den 90-er Jahren. Kostensenkungen im Gesundheitssystem drückten die Einkommen der Ärzte, die IGeL-Dienste sollten die Verluste auffangen. Seitdem ist der Markt explodiert. Aus 90 Leistungen sind bis zu 350 geworden . Ein neues Portal „www.igel-monitor.de“ zeigt nun, welche IGeL nützlich sind und welche nicht. Es liefert eine Übersicht über Studien und führt durchschnittliche Preisspannen auf.
"Es gibt keine IGeL-Leistung, die notwendig ist", sagt ein Gesundheitsökonom
Doch der Präsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, hält die Bewertungen für „methodisch fragwürdig“ und verweist auf die „lückenhafte Datenbasis“. Die Wirksamkeit müsse „vor dem Hintergrund des individuellen Behandlungsfalls betrachtet werden“, sagte Montgomery dieser Mediengruppe.
„Es gibt keine IGeL-Leistung, die notwendig ist“, kontert der Gesundheitsökonom Gerd Glaeske. Die Patienten sollten sehr zurückhaltend sein, wenn sie eine Extraleistung angeboten bekämen und eine Zweitmeinung einholen.
„Tendenziell positiv“
Diese Leistungen sind laut IGeL-Monitor „tendenziell positiv“:
Akupunktur zur Migräneprophylaxe: Sie soll vor Migräneschüben schützen und Schmerzen lindern. Studien haben ergeben, dass Akupunktur ebenso hilfreich sein kann wie Medikamente. Glaeske sieht den generellen Nutzen – wie auch bei anderen IGeL – nicht als erwiesen an. Kosten: 25 bis 60 Euro je Sitzung plus Beratung.
Lichttherapie gegen Winterdepression: Sie kostet sieben bis 13 Euro je Sitzung. Einige Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Therapie depressive Beschwerden besser lindert als eine Scheinbehandlung.
„Unklar“
Hier ist der Nutzen laut IGeL-Monitor „unklar“:
Bach-Blütentherapie: Sie soll seelische Störungen und organische Krankheiten beheben. Studien besagen, dass die bis zu 200 Euro teure Therapie nicht besser wirkt als eine Placebo-Behandlung.
Biofeedback-Therapie bei Migräne: Die Entspannungs-technik soll Migräne lindern, indem Patienten lernen, unbewusste Körpervorgänge zu steuern – so dass etwa die Blutgefäße enger werden. Tests haben ergeben, dass die Therapie gleichviel nützt wie eine Placebo-Behandlung. Sie kostet acht bis 20 Euro je Sitzung.
„Tendenziell negativ“
Diese IGeL sind „tendenziell negativ“:
Augeninnendruck-Messung zur Früherkennung des Grünen Stars: Sie ist eine der häufigsten IGeL und kostet zehn bis 22 Euro. Studien warnen, dass man mit der Messung den Grünen Star nicht zuverlässig vorhersagen oder diagnostizieren kann. Falsche Befunde können zu unnötigen Untersuchungen und Behandlungen führen. Glaeske hält sie allenfalls im Einzelfall für sinnvoll. Der Bundesverband der Augenärzte hat sich davon distanziert – falls sie ohne weitere Tests angeboten wird.
PSA-Test: Diese häufig verkaufte IGeL für 28 bis 45 Euro soll Prostatakrebs früh erkennen. Manche Studien halten den Test für nützlich, andere nicht. Alle Erhebungen warnen aber vor unnötigen Behandlungen mit teils erheblichen Risiken.
„Negativ“
Diese IGeL gelten laut Monitor als „negativ“:
Ultraschall der Eierstöcke: Der Test für neun bis 22 Euro soll Krebs früh erkennen. Eine Studie von 2011 hat ergeben, dass mit Ultraschalltest gleich viele Frauen an Eierstockkrebs sterben wie ohne. Zudem seien Frauen durch Fehlalarm beunruhigt und gesunde Eierstöcke entfernt worden.
Toxoplasmose-Test bei Schwangeren: Er kostet 14 bis 16 Euro und soll prüfen, ob sich werdende Mütter mit dem Erreger der Toxoplasmose infiziert haben. Dieser kann den Fötus schwer schädigen. Doch ein erster Test zieht weitere nach sich. Gegebenenfalls eine Fruchtwasseruntersuchung. Sie kann zu Fehlgeburten führen.
Der IGeL-Monitor ist ein Angebot der Krankenkassen. Er hat 24 Leistungen überprüft. Davon stuft er den Nutzen bei zwei Angeboten als „tendenziell positiv“ ein, bei jeweils sieben als „unklar“ oder „tendenziell negativ“ und bei vier als „negativ“. Zu einigen IGeL gibt es keine Einordnung.
14:26
Es muss doch niemand diese Leistungen in Anspruch nehmen . Wenn man sich nicht sicher ist,dann eben die Krankenkasse fragen.
14:16
Dieser Artikel ist extrem schlecht recherchiert und es wundert mich dass er hier erscheint. Z.B. ist die Effektivität von Biofeedback bei Migräne so hoch, dass die Kopfschmerzgesellschaft diese Methode als die effektivste nichtmed. Therapie anerkannt hat. Was Plazeboeffekte angeht sollte man mal in Medikamentenstudien schauen, manch einer wäre erschrocken wie wenig pharmakologische Nutzen manche Medis haben. Den Autoren des Artikels kann ich echt nur empfehlen besser und seriöser zu rechrechieren.
12:15
"...Arzte kassieren ab...!", wen wunderts? Setzt doch das Verständnis für Heilbehandlung durch niedergelassene Ärzte da an, wo freies Unternehmertum anfängt. Schließlich sollen Leistungen nicht nur kostendeckend, sondern gewinnbringend sein. Oder würden Sie einen Kiosk eröffnen, der nichts abwirft? Genauso gewinnorientiert verstehen sich unsere Landtagsabgeordnete, die sich im Augenblick ein kleines Zubrot durch zusätzliche 500 Euro einverleiben wollen. Wer wird zur Kasse gebeten, wer bezahlt am Ende (?): der allzu hilflose Klient. Dazu eine Erläuterung aus Wikipedia zum Begriff Klient: "Ein Patronage-System ist ein typisches Merkmal von Gesellschaften, denen es an staatlicher Autorität mit einem funktionierenden Rechtssystem mangelt und in denen daher kein Rechtsschutz möglich ist. In der neueren Zeit tritt es in abgeleiteter Form unter anderem in Europa auf, so hat sich etwa in Sizilien die Mafia daraus entwickelt. Bei Staatszerfall ist eine solche Erscheinung häufig".
12:14
Wer die kauft wird bei einem ordentlich arbeitenden Apotheker namentlich erfasst.
Schon erstaunlich für eine wirkungslose "Medizin" bei der noch nicht einmal ein einziges Molekül in die Flüssigkeit eingeführt wird.
Ansonsten ist auch nicht nachvollziehbar warum Liebesperlen von DHU bei denen die Wahrscheinlichkeit ein Wirkmolekül zu erwischen kleiner ist als ein Lottogewinn, in der Apotheke verkauft werden müssen oder sogar in Deutschland verboten sind, während andere Liebesperlen, die mit Farbstoffen und Geschmacksverstärkern sicherlich mehr gefährliche Stoffe enthalten an jedem Kiosk gehandelt werden fürfen.
11:44
Zitat: "Der IGeL-Monitor ist ein Angebot der Krankenkassen."
Also ein Angebot von denen, die sich im Falle einer positiven Bewertung dieser Leistungen fragen lassen müssten, warum sie die Kosten dafür nicht übernehmen...
Noch Fragen zur Glaubwürdigkeit?
Ich will damit nicht sagen, dass diese Zusatz-Leistungen alle sinnvoll sind, aber wenn sowas bewertet wird, dann doch bitte von einer unabhängigen Instanz und nicht von einer, die an einem bestimmten Ergebnis stark interessiert sein muss...