Menschen im Ruhrgebiet müssen länger auf Therapie warten

Im Ruhrgebiet warten psychisch Erkrankte offenbar doppelt so lange auf eine Therapie wie in anderen deutschen Großstädten.
Im Ruhrgebiet warten psychisch Erkrankte offenbar doppelt so lange auf eine Therapie wie in anderen deutschen Großstädten.
Foto: Kerstin Kokoska / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wer im Ruhrgebiet an Depressionen oder Angstzuständen leidet, wartet offenbar doppelt so lange auf eine Therapie wie in anderen deutschen Großstädten. Ursache ist laut Psychotherapeutenkammer NRW ein Versorgungsengpass: Es gebe in der Region schlicht zu wenig Therapeuten mit Kassenzulassung.

Düsseldorf.. Psychisch Erkrankte warten im Ruhrgebiet doppelt so lange auf eine therapeutische Behandlung wie in anderen deutschen Großstädten. Grund für die mit 17 Wochen überdurchschnittlich lange Wartezeit sei der Mangel an psychotherapeutischen Praxen mit Kassenzulassung, teilte die Psychotherapeutenkammer NRW am Mittwoch in Düsseldorf mit.

Insgesamt würden in Nordrhein-Westfalen 1600 psychotherapeutische Praxen fehlen, sagte Monika Konitzer, Präsidentin der Psychotherapeutenkammer NRW. Auf 100.000 Einwohner kämen im Ruhrgebiet rund 11 Psychotherapeuten, während es in anderen Großstädten fast 39 seien.

Für das Ruhrgebiet gilt im Bedarfsplan eine niedrige Sonderregelung

Die Zahlen entsprechen dem Bedarfsplan, den der Gemeinsame Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen bereits 1999 erarbeitet hatte. Deutschland ist darin in neun verschiedene Kreistypen aufgeteilt, für Großstädte wird darin zum Beispiel ein höherer Bedarf an Psychotherapeuten angenommen als für ländliche Gebiete.

Psychotherapie Für das Ruhrgebiet wurde eine Sonderregion geschaffen. Dort werde grundsätzlich ein viel niedrigerer Bedarf an Psychotherapeuten angenommen als in anderen deutschen Großstädten, sagte Konitzer. "Das ist eine absurde Annahme, für die es keine fachliche Begründung gibt", kritisierte sie.

Die Psychotherapeutenkammer fordert zusätzliches Geld für neue Praxen

Die Krankenkassen müssten zusätzliches Geld für neue Praxen bereitstellen, um eine ausreichende flächendeckende Versorgung sicherzustellen, forderte Konitzer. Zurzeit erarbeitet der Gemeinsame Bundesausschuss in Berlin neue Bedarfspläne. (dapd)