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Pflege

Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen

18.01.2012 | 19:00 Uhr
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
Pflegende Angehörige von Demenz-Kranken sollen finanziell entlastet werden.Foto: dapd

Berlin.   Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will mit seiner Pflege-Reform die häusliche Pflege stärken und pflegende Angehörige entlasten. Der am Mittwoch vorgestellte Entwurf sieht unter anderem auch dann finanzielle Unterstützung vor, wenn Demenzkranke keine Pflegestufe haben.

Die Koalition will die Leistungen für Demenzkranke ab dem 1. Januar 2013 deutlich erhöhen und die pflegenden Angehörigen entlasten. Das geht aus dem Gesetzentwurf zur Pflege-Reform hervor, den Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Mittwoch vorgestellt hat.

So bekommen Demenzkranke in Pflegestufe 0 , die zu Hause von Pflegediensten betreut werden, künftig 225 Euro im Monat. Bislang gab es in dieser Stufe kein Geld. Wer in Pflegestufe I ist, erhält 215 Euro zusätzlich und so bis zu 665 Euro. Sehr hilfsbedürftige Menschen – sie sind in Stufe II – können mit 150 Euro extra und damit 1250 Euro rechnen.

120 Euro Pflegegeld trotz Pflegestufe 0

Daneben steigt das Pflegegeld, das Familien zusteht, wenn sie ihre Angehörigen betreuen. Bei Pflegestufe 0 gibt es künftig 120 Euro. In Pflegestufe I steigt der Satz um 70 Euro auf 305 Euro. Wer in Pflegestufe II ist, kann mit 85 Euro mehr und damit bis zu 525 Euro kalkulieren – oder noch mehr. Denn schon länger können die Betroffenen in allen Pflegestufen einen Betreuungszuschlag von 100 beziehungsweise 200 Euro bei den Pflegekassen beantragen, um Demente zu betreuen. Davon machen bislang aber nur wenige Gebrauch.

Insgesamt sollen die höheren Sätze 500 000 Demenzkranken zugutekommen. Daneben möchte die Koalition den Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen mehr Wahlfreiheiten gewähren. So sollen sie künftig auch Zeitkontingente mit den Pflegediensten vereinbaren können. Wenn man eine Kurzzeitpflege in Anspruch nimmt, soll das Pflegegeld künftig nicht wegfallen, sondern zur Hälfte weitergezahlt werden.

Kritik vom Deutschen Pflegerat - „Tropfen auf den heißen Stein“

Für die Verbesserungen wird der Pflegebeitrag für die Arbeitnehmer 2013 um 0,1 Prozentpunkte steigen. Dies soll 1,1 Milliarden Euro in die Pflegekasse spülen. Darüber hinaus rechnet Bahr zunächst nicht mit weiteren Beitragserhöhungen. Bis „mindestens 2015“ sei die Pflege „solide finanziert“. Noch offen ist die Frage, wie die Koalition die private Pflegevorsorge, die sie aufbauen will, fördern will.

Massive Kritik an Bahrs Plänen kam vom Deutschen Pflegerat. Das Geld für die höheren Pflegesätze sei ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte Präsident Andreas Westerfellhaus der WAZ.

Daniel Freudenreich


Kommentare
19.01.2012
10:36
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
von wohlzufrieden | #3

Mehr Geld für die Demenzkranke? Der Düsseldorfer Landtag wollte sich doch gerade erst 500 Euro mehr genehmigen. Aber, gerät ja leicht in Vergessenheit...

19.01.2012
00:46
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
von timtim81 | #2

ich glaube auch das diese sogannte reform nur ein tropfen auf den heißen stein ist, mal abgesehen davon das ein teil der pflege völlig unberücksichtigt bleibt, nähmlich die stationäre pflege....mann mann mann, ich könnte echt kotzen!!! die arbeitsbedingungen sind so ******** geworden die letzen jahre, hier sollte ENDLICH auch mal eine reform gamacht werden....die bezahlung und arbeitsbedingungen müssen sich erheblich verbessern, sonst sehe ich wirklich schwarz.....aber wie es halt so ist findet ein wirkliches umdenken wahrscheinlich erst dann statt wenn die ersten offenkundig im ganz großen stil aufgrund von mangelnder pflege ums leben kommen, und zwar so häufig in kurzer zeit das man es nicht mehr als einzelfall abtun kann.... dann heißt es plötzlich wieder " oh mein gott wie schrecklich, hätten wir das doch nur früher gewusst, warum hat keiner was unternommen???" jaja, ich sehe es schon kommen.....und davon abgesehen sollte dieses BÜROKRATENPACK vom MDK abgeschafft werden.....immer wenn die in ein Heim kommen und eine kontrolle durchführen rennen alle vorgesetzen panisch durchs Haus als ob die verdammte gestapo eine razzia durchführen würde.....der mdk ist immer nur am meckern über die mängel in den heimen, achtet dabei viel zu viel auf die dokumentation (wie gesagt: BÜROKRATENPACK!!), aber sich mal aktiv in die politik einmischen und dafür sorgen das sich politisch was in der richtung bewegt? "nö, wir kontrollieren ja nur im auftrag der krankenkassen..." bin echt mal gespannt wie sich das ganze noch entwickelt....

1 Antwort
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
von Harke4711 | #2-1

sehr schön !

18.01.2012
22:01
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
von loewe4908 | #1

Die Erhöhung der Gelder sind doch nur eine Augenwischerei. Solange die Begutachtung von Demenzkranken durch den Medizinischen Dienst nicht anderes geregelt wird und überhaupt ersteinmal das Erlagen der Pflegestufen eine manchmal unüberwindliche Hürde ist (man ist auf Gedeih und Verderb den Damen und Herren des MD ausgeliefert, wo mit Sicherheit Sympathie eine Rolle spielt), wird sich nicht viel ändern.
Ich spreche aus Erfahrung. Meine Mutter als Betreuerin eines anfänglich Demenzkranken hat enorme Schwierigkeiten bei einer nun deutlichen Verschlechterung eine Erhöhung der Pflegestufe zu bekommen. Sie muss die Minuten zählen für Pflege und hauswirtschaftliche Hilfe. Zählen Sie mal die MInuten, wenn man den ganzen Tag hinterherlaufen muss, damit kein Unsinn angestellt wird. Das der Kranke den ganzen Tag mehr oder minder beaufsichtigt werden muss, dieses wird vom Gesetzgeber nicht berücksichtigt. Es fängt ja schon damit an, daß der Demenzkranke irgendwann nichts mehr alleine erledigen kann. Vom Einkaufen bis zum Arztbesuch etc..Wenn dann auch noch andere Krankheiten dazukommen, ist irgendwann schnell die Grenze der Belastbarkeit erreicht und der Betreuer, der kein eigenes Leben mehr hat, bricht dann zusammen.
Auch wenn wir als Kinder praktische wie seelische Hilfe geben, muß man wohl ehrlich sein, können wir uns nicht in die reale tägliche Situation hinversetzen.

1 Antwort
Mehr Geld für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen
von Beate2 | #1-1

"Denn schon länger können die Betroffenen in allen Pflegestufen einen Betreuungszuschlag von 100 beziehungsweise 200 Euro bei den Pflegekassen beantragen, um Demente zu betreuen. Davon machen bislang aber nur wenige Gebrauch."
Das ist alles Augenwischerei. Dieses Geld dient einzig und allein, die pflegebedürftige Person in einer Tagesbetreuung betreuen zu lassen. Den betreuenden Angehörigen steht dieses Geld nicht zu, wenn sie keine Tagesbetreuung in Anspruch nehmen. Und 200 Euro reichen kaum, um für 4 Tage (je 7.45 h) im Monat (rund 30 h) eine Tagesbetreuung bei schwerer Demenz in Anspruch zu nehmen. Pflegende Angehörige pflegen beispielsweise die pflegebedürftige Person 16 h täglich an rund 30 Tagen im Monat für 525 Euro (Stufe II) ab 2013, d.h. für 1,16 Euro/h (525 / (16 * 30 - 30)). Alternativ kann man dann einen Pflegedienst in Anspruch nehmen. Der bekommt dann 1250 Euro. Da der nicht für 1,16 Euro arbeitet, sondern eher um die 40 Euro/h verlangt, kann sich jeder ausrechnen, wann der nicht mehr kommt (nach rund 32 h ist finito). Dann sind die Angehörigen wieder gefordert - ohne einen Cent.
Die ganzen Pflegereformen fördern lediglich die Pflegedienste, nicht die betreuenden Angehörigen. Diese sind nicht mal krankenversichert. Und wenn sie mit der dementen Person spazieren gehen, vielleicht auch mal auf den Friedhof (!) und die Betreuerin stürzt, dann zahlt auch nicht in Unfallversicherung, weil spazierengehen nicht zur Mobilität gemäß der Pflege gehört.
Es wäre schön, wenn die Medien mal die Bevölkerung richtig aufklären würden. Hier war heute nur ein kleiner Fehler (siehe oben). Die Berichte in den anderen Medien gestern waren nur falsch, was das Betreuungsgeld für Angehörige betrifft - auch die Tagesthemen der ARD

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