Mehr Fälle von Augengrippe in Deutschland

Die Augen jucken, Bindehaut und Lymphknoten schwellen an. Die Augengrippe wird zusehends zum Problem für mehr und mehr Menschen.
Die Augen jucken, Bindehaut und Lymphknoten schwellen an. Die Augengrippe wird zusehends zum Problem für mehr und mehr Menschen.
Foto: NRZ
Das Robert-Koch-Institut in Berlin hat bekanntgegeben, dass die Zahl der Fälle von Augengrippe im vergangenen Jahr stark angestiegen sei. Das Institut ließ außerdem verlauten, dass die Dunkelziffer weiterer ungemeldeter Fälle nicht absehbar sei. Gründe für den rapiden Anstieg konnten bisher keine gefunden werden.

Leipzig.. Es beginnt plötzlich mit einer Augenrötung und einer Schwellung von Bindehaut und Lymphknoten. Die Augen jucken und brennen und es fühlt sich an, als sei ein Fremdkörper darin. Eine durch Adenoviren ausgelöste Augenentzündung, auch "Augengrippe" genannt, ist nicht nur sehr unangenehm, sondern auch hoch ansteckend.

Mediziner registrieren in Deutschland seit einiger Zeit einen Anstieg der gemeldeten Fälle. Immer wieder kommt es zu regionalen Ausbrüchen mit zahlreichen Krankheitsfällen wie zuletzt unter anderem in Wuppertal. Eine eindeutige Erklärung dafür haben die Experten bislang nicht. Seit 2011 werden in Deutschland gehäuft Ausbrüche der infektiösen Bindehaut- und Hornhautentzündung registriert. Während in den Vorjahren überwiegend nur sporadische Erkrankungen auftraten, kam es im Winter 2011/2012 gleich zu drei großen Ausbrüchen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen.

Viele Erkrankungen werden nicht an das Amt gemeldet

2011 meldeten die Behörden insgesamt 674 Fälle. Im vergangenen Jahr waren es nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin bereits mehr als 2040 Fälle. Viele Erkrankungen werden allerdings gar nicht an die Gesundheitsämter gemeldet. "Es ist nach wie vor unklar, warum es zu solch einer Häufung von Ausbrüchen gekommen ist", sagt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher.

Ausgangspunkt seien häufig Augenarztpraxen und Augenkliniken gewesen. Nach Ansicht der Gesellschaft für Virologie (GfV) könnten "Fehler und Nachlässigkeiten" bei der Hygiene in den Praxen und Kliniken zu der großen Zahl von Krankheitsfällen beigetragen haben. Die Viren werden zumeist nicht nur durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, sondern auch über verunreinigte Untersuchungsinstrumente, Augentropfen und Handtücher.

Ärzte warnen vor überzogenen Ängsten

Womöglich habe aber auch der derzeit vorherrschende Adenovirus-Typ 8 besonders krankmachende Eigenschaften, erklärten die Virologen. Mirko Kösterke vom Landeszentrum Gesundheit in Nordrhein-Westfalen warnt indes vor überzogenen Ängsten. Möglicherweise seien die Bürger angesichts der Berichte über steigende Fallzahlen einfach nur "sensibler" geworden und gingen eher zum Arzt als früher. Diese wiederum lassen womöglich mehr Fälle vom Labor bestätigen, was sich dann in der Statistik niederschlägt.

Adenoviren sind für eine Vielzahl von Krankheiten verantwortlich. Sie können unter anderem Durchfall-Erkrankungen, Infektionen der Atemwege, Mandelentzündungen oder eben Augenentzündungen hervorrufen. Die weltweit verbreiteten Erreger sind äußerst widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse und bei Zimmertemperatur wochenlang stabil. Zudem ist ein Patient in der Regel in den ersten zwei Wochen ansteckend, schleppt das Virus also recht lange mit sich herum.

Adenoviren sitzen in der Tränenflüssigkeit

Meist unbewusst reiben sich die Betroffenen die Augen, weil es juckt und brennt. In der Tränenflüssigkeit sitzen Milliarden von Adenoviren, die dann über die Hände auf alle möglichen Gegenstände geschmiert oder beim nächsten Handschlag weitergegeben werden können, so dass sich wiederum andere Menschen anstecken. Fast immer heilt die Infektion vollständig aus. Als Spätfolge der sogenannten Keratokonjunktivitis epidemica kann es aber auch zu Hornhauttrübungen kommen, die das Sehvermögen langfristig beeinträchtigen können. Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Behandelt werden können nur die Symptome, etwa mit Augentropfen oder -salbe.

"Um sich zu schützen, gibt es nur eins: Hygiene, Hygiene, Hygiene", sagt Mirko Kösterke. Dazu gehört gründliches Händewaschen. Erkrankte sollten zudem Handtücher, Waschlappen und Kosmetika separat benutzen. Handtücher sollten bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden. Öffentliche Schwimmbäder oder Saunen sind natürlich tabu, bis die Infektion ausgeheilt ist. (afp)