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Medikamenten-Tests in der DDR werden in Berliner Charité untersucht

08.06.2013 | 08:45 Uhr
Medikamenten-Tests in der DDR werden in Berliner Charité untersucht
Bundesbeauftragter Roland Jahn (r.) lud zu einer Diskussionsrunde zu Pharmatests in der DDR ein.Foto: dpa

Berlin.  Das Forschungsprojekt, das die Arzneimitteltests des Westens an DDR-Patienten aufarbeiten wird, soll in der Berliner Charité stattfinden. Bundesbeauftragter Roland Jahn fordert zudem Firmen und DDR-Mediziner zur Mitarbeit auf. Ziel ist es, die Hintergrundinformationen ans Licht zu bringen.

Die einen hofften, dass die Medikamente ihr Leben retten. Es gab aber auch ungeklärte Todesfälle. Massenhaft wurden neue Arzneimittel aus dem Westen an DDR-Patienten getestet. Das Kapitel deutsch-deutscher Vergangenheit soll nun aufgearbeitet werden.

Das Thema schmerzt auch nach mehr als 20 Jahren: Bis 1990 ließen westdeutsche Pharma-Firmen im großen Stil Medikamente in der DDR testen. Sie bezahlten mit Millionen von D-Mark. Nicht immer wussten die Erkrankten offenbar Bescheid über die Testteilnahme. Und es gab Todesfälle, deren Ursache bislang nicht geklärt werden konnte. Die DDR habe ihre Bürger für Devisen verkauft, lautet ein Vorwurf.

Geschäfte mit der Diktatur

Noch bevor nun dazu das lange erwartete Forschungsprojekt an der Berliner Charité startet, lud der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, am Donnerstagabend in Berlin zu einer Diskussion unter dem Motto "Geschäfte mit der Diktatur". Vertreter von Pharmafirmen hätten die Einladung abschlägig beschieden, hieß es bei der Jahn-Behörde.

Die Berliner Charité wird die Tests nun untersuchen. Das auf zweieinhalb Jahre angelegte Projekt unter Leitung des Medizinhistorikers Volker Hess soll am 15. Juni starten. Das Bundesinnenministerium übernimmt rund 70 Prozent der Finanzierung.

Obwohl das Problem seit 1991 bekannt sei, werde erst jetzt der erste Schritt zur Aufarbeitung getan, sagte Jahn. Diese müsse aber gesamtdeutsch geschehen. Er forderte sowohl Firmen als auch DDR-Mediziner zur Mitarbeit auf. Es gehe nicht darum, Ärzte zu verdammen, die in den Zwängen des DDR-Gesundheitssystems gesteckt hätten. Doch auch die Frage nach der persönlichen Verantwortung stehe im Raum, sagte der frühere DDR-Oppositionelle.

Professor Hess vom Institut für Medizingeschichte der Charité wird mit seinem Team in den nächsten zweieinhalb Jahren Stasi- und Patientenakten sichten, in Archiven der Pharmafirmen suchen, im Bundesarchiv Papiere des DDR-Gesundheitsministerium einsehen und Augenzeugen befragen.

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    Seite 2: Warum in der DDR?

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Kommentare
08.06.2013
20:30
Medikamenten-Tests in der DDR werden in Berliner Charité untersucht
von Flugk | #3

14.01.09 in WDR Lokalzeit Duisburg und in WAZ online (Sozialamt Duisburg)
Prof. Oberender ( Uni Bayreuth), Prof. für Volkswirtschaft,
plädiert dafür, dasAlg2 Empfänger zur Sicherung ihrer Grundversorgung als Organspender fungieren sollen.

08.06.2013
18:22
Medikamenten-Tests in der DDR werden in Berliner Charité untersucht. Heute geht das so:
von wohlzufrieden | #2

Langzeitarbeitslose für interessante Tätigkeit gesucht. Bedingung: Sofort Abreise fertig, möglichst Single. Förderung durch die Arbeitsagentur jederzeit möglich, Vorkenntnisse oder eine Rückfahrkarte sind nicht nötig...

08.06.2013
09:15
Medikamenten-Tests in der DDR werden in Berliner Charité untersucht
von wohlzufrieden | #1

Ja, und wo es jetzt die DDR, offiziell, nicht mehr gibt, sind wir die Versuchskaninchen...

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