Legal Highs - Schüler in Lebensgefahr nach Drogenkonsum

Legal Highs: Die als Kräutermischungen, Badesalz oder Lufterfrischer getarnten Drogen schätzen Experten wegen ihrer unberechenbaren Wirkung als sehr gefährlich ein.
Legal Highs: Die als Kräutermischungen, Badesalz oder Lufterfrischer getarnten Drogen schätzen Experten wegen ihrer unberechenbaren Wirkung als sehr gefährlich ein.
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Was wir bereits wissen
Drei Schüler hat der Konsum von "Legal Highs"-Drogen fast den Tod gebracht. Synthetische Drogen sind hoch riskant und verbreiten sich immer stärker.

Nienburg/Berlin.. Drei Männer zwischen 17 und 19 haben den Konsum künstlicher Drogen beinahe mit ihrem Leben bezahlt. Die Männer seien am Montagabend hilflos in der Nähe eines Supermarktes in Nienburg an der Weser beobachtet worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Sie wurden sofort ins Krankenhaus gebracht.

Anfangs schwebten die drei demnach in Lebensgefahr. Die jungen Männer - Teilnehmer eines Berufsschullehrgangs aus Celle - hatten nach ersten Ermittlungen sogenannte Legal Highs konsumiert, unter dem Namen "King Kong" und "Devil Eye" vertriebene Kräutermixturen. Legal Highs sind als Kräutermischungen, Badesalz oder Lufterfrischer getarnte Drogen, die Experten wegen ihrer unberechenbaren Wirkung als sehr gefährlich einschätzen.

1032 Drogentote bundesweit im vergangenen Jahr

Wie am Dienstag Bundeskriminalamt und Bundesregierung in Berlin mitteilten, greifen immer mehr Menschen in Deutschland zu hochgefährlichen künstlichen Drogen wie Crystal Meth oder Legal Highs. Auch Ecstasy liegt bei den Konsumenten offenbar wieder deutlich stärker im Trend.

Insgesamt starben im vergangenen Jahr 1032 Menschen wegen ihres Drogenkonsums - drei Prozent mehr als im Vorjahr, wie Bundeskriminalamt und Bundesregierung am Dienstag in Berlin mitteilten. Vor zehn Jahren waren es noch 1385 Drogentote. Die Zahl der Toten wegen Legal Highs und anderer synthetischer Rauschmittel stieg binnen eines Jahres von 5 auf 25 im Jahr 2014. Rauschmittel

Zahl der Drogenabhängigen gestiegen

Bei den Konsumenten, die erstmals als Konsument harter Drogen aufgefallen sind, gab es 2014 den größten Anstieg bei Ecstasy mit 2096 Fällen (plus 42 Prozent). Bei Crystal gab es ein Plus von 14 Prozent auf 3138. Bei Amphetamin stieg die Zahl der Erstauffälligen um 381 auf 11.356. Unterm Strich wurden trotz Rückgängen bei Heroin, Kokain und Crack mehr Menschen erstmals drogenauffällig.

"Im vergangenen Jahr starben leider drei Minderjährige durch illegale Drogen", teilte die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) weiter mit. Pro Jahr gebe es im Vergleich zu den Zahlen bei den harten Drogen rund 110.000 Menschen, die infolge von Tabak sterben, sowie rund 75.000 infolge von Alkohol, wie Mortler sagte.

"Synthetische Drogen haben eine immer größere Bedeutung"

Bei den Rauschgifttoten handelt es sich zu 85 Prozent um Männer. Der Altersdurchschnitt der Drogentoten stieg auf rund 38 Jahre an. Die Haupttodesursache war nach wie vor eine Überdosis Heroin, oft in Verbindung mit anderen Stoffen.

Der Chef des Bundeskriminalamtes, Holger Münch, sagte: "Synthetische Drogen haben eine immer größere Bedeutung." Die Bedeutung pflanzlicher Drogen sinke dagegen - mit Ausnahme von Cannabis. Besondere Sorgen bereiten der Regierung und der Polizei Crystal und neue psychoaktive Substanzen, sogenannte Legal Highs. Das sind meist als Kräutermischungen im Internet angebotene synthetische Cannabinoide, die oft wegen leichter molekularer Veränderungen nicht unter bereits ausgesprochene Verbote fallen. Drogenpolitik

Drogenbeauftragte kündigt Gesetz zu synthetischen Drogen an

Mortler kündigte für dieses Jahr ein neues Gesetz an, nach dem künftig alle diese Substanzen genereller als illegal eingestuft werden können. Es werde eine "mutige Lösung" geben, sagte sie. BKA-Chef Münch berichtete, dass die Polizei immer wieder auf ganze Gruppen von Konsumenten stoße, die sich durch diese Legal Highs vergiftet haben. Die Symptome reichten von Übelkeit, Erbrechen und Herzrasen bis hin zu Orientierungsverlust und Tod.

Mortler sagte, Crystal habe sich mittlerweile deutlich über die Grenzregionen zu Tschechien hinaus ausgebreitet, wo die Droge vielfach in kleinen Rauschgiftküchen hergestellt wird. So habe Crystal längst auch die Hauptstadt Berlin erreicht. Zusätzliche Mittel zur Vorbeugung seien bereitgestellt worden. (dpa)