Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Studie

Krankenhausärzte sollten Patienten länger wiederbeleben

06.09.2012 | 11:45 Uhr
Krankenhausärzte sollten Patienten länger wiederbeleben
Zur Wiederbelebung bei Herzstillstand wird meist ein Defibrillator eingesetzt.Foto: Getty Images

London.   Bei einem Herzstillstand müssen Betroffene so schnell wie möglich wiederbelebt werden. Eine Studie belegt jetzt: Dauern die Reanimationsversuche länger, als im Krankenhaus üblich, steigen die Überlebenschancen der Patienten. Frühere Untersuchungen hatten gegenteilige Ergebnisse erbracht.

Wiederbelebungsversuche bei Patienten mit Herzstillstand sollten laut einer neuen Studie länger vorgenommen werden als in Krankenhäusern häufig üblich. Der am Mittwoch in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichten Untersuchung zufolge steigt die Überlebenswahrscheinlichkeit von Patienten mit Herzstillstand bei 25-minütigen Reanimationsbemühungen um zwölf Prozent im Vergleich zu Patienten, bei denen Ärzte nur 16 Minuten lang versuchen, das Herz wieder in Gang zu bringen.

Standardisierte Methoden

Für ihre Studie werteten die Forscher um den Kardiologen Zachary Goldberger von der Universität Washington Daten von mehr als 64.000 Patienten aus 435 US-Krankenhäusern aus, bei denen Herzdruckmassagen angewendet oder Defibrillatoren eingesetzt wurden. Sie stellten dabei fest, dass in Krankenhäusern unterschiedlich lange versucht wird, einen Patienten mit Herzstillstand wiederzubeleben, bevor er für tot erklärt wird. Der Durchschnitt liegt bei 20 Minuten.

Die Methoden für eine Herz-Lungen-Wiederbelebung seien recht standardisiert, schreiben die britischen Experten Jerry Nolan und Jasmeet Soar in einem Kommentar zu dem "Lancet"-Artikel. Die Empfehlungen über die Dauer der Wiederbelebungsversuche seien dagegen weniger präzise.

Jeder fünfte Patient überlebt

Der Präsident der französischen Gesellschaft für Anästhesie und Reanimation Professor Dan Benhamou sagt, bei jüngeren Patienten würden die Wiederbelebungsversuche häufig länger durchgehalten. Frühere Untersuchungen hatten nahe gelegt, dass längere Wiederbelebungsversuche die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Patienten mit Herzstillstand nicht vergrößern. Studien-Autor Goldberger weist dies zurück: "Unsere Ergebnisse legen nahe, dass eine Verlängerung der Wiederbelebung um zehn oder 15 Minuten das Ergebnis verbessern könnte."

Der Studie zufolge steigt auch das Risiko von Patienten nicht, Hirnschädigungen in Folge eines Sauerstoffmangels zu erleiden, wenn ihr Herz erst nach längerer Wiederbelebung wieder schlägt. In Industriestaaten überlebt jeder fünfte in ein Krankenhaus eingelieferte Patient einen Herzstillstand. (AFP)



Kommentare
Aus dem Ressort
Latente Schilddrüsenunterfunktion bleibt oft unbemerkt
Blutwert
Der TSH-Wert ist bei einer latenten Schilddürsenunterfunktion leicht erhöht. Dies ist jedoch in den meisten Fällen kein Grund zur Beunruhigung, da der Körper trotzdem genug Schilddrüsenhormone produziert. Eine Therapie ist nicht in jedem Fall notwendig. Oft normalisiert sich der Wert von selbst.
Der stacheliger Schönheitsspender Aloe vera schützt Zellen
Pflanzenheilkunde
Die Kosmetikindustrie besinnt sich auf uralte Schönheitsgeheimnisse zurück. Dass Aloe vera mit vielen Vitaminen reichhaltig pflegt, wussten bereits ägyptische Königinnen wie Nofretete und Kleopatra. Vor allem hat sich Aloe in den letzten Jahr bei der Bekämpfung von Sonnenbrand einen Namen gemacht.
Wie "Ärzte auf Zeit" an Kliniken Personallöcher stopfen
Krankenhäuser
Weil sie viele Stellen nicht mehr besetzt kriegen, lassen Krankenhäuser immer häufiger Honorarärzte einspringen – und bezahlen diese sogar besser als die Stammkräfte. Die von Agenturen vermittelten Honorarärzte sind inzwischen nicht mehr aus den Hospitälern wegzudenken.
Forscher fordern Rezeptpflicht für Paracetamol
Medikamente
Forscher warnen erneut vor einem zu sorglosen Umgang mit rezeptfreien Schmerzmitteln. Laut einem Medienbericht setzen sie sich dafür ein, dass Paracetamol rezeptpflichtig wird. So sollte das Medikament in der Schwangerschaft nur bei dringender Notwendigkeit angewendet werden.
Greenpeace findet schädliche Chemikalien in Kinderstiefeln
Verbraucher
Aldi, Lidl, Rewe und Tchibo werden von Greenpeace stark kritisiert. Nach Auffassung der Umweltschützer achten die Verbrauchermärkte zu wenig auf den Schadstoffgehalt der von ihnen verkauften Kinderbekleidung. Tests hätten gezeigt, dass in mehr als der Hälfte der geprüften Produkte umwelt- und...
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

 
Fotos und Videos