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Krankenhäuser setzen auf Luxus wie im Hotel

02.03.2012 | 18:54 Uhr
Krankenhäuser setzen auf Luxus wie im Hotel
Lounge-Atmosphäre im Essener Huyssen-Stift. Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool

Essen.  Immer mehr normale Krankenhäuser rüsten einzelne Stationen zu Luxusabteilungen auf. Service und Preise entsprechen einem Hotel-Standard. Mit den Einnahmen wird auch der reguläre Betrieb finanziert.

Und plötzlich klackt es nicht mehr. Mit dem ersten Schritt über die Schwelle zur Luxusstation absorbiert der Teppichboden die Krankenhaus-Atmosphäre. Der Patient tritt aus dem Altbau des ev. Huyssenstift in den Anbau und damit ein in klassisches Hotelambiente aus gedämpften Geräuschen, dem Geruch frisch gemahlenen Kaffees und Angestellten in schicken Westen. Wären da nicht dieser verräterische weiße Kittel der Dame am Check-in-Schalter und der einsame Tropf an der holzvertäfelten Wand . . .

Der Luxus hat Einzug gehalten in die kalte Welt deutscher Krankenhäuser. Und das nicht mehr nur in schicke Privatkliniken, sondern auch in Unikliniken, Bergarbeiterkrankenhäuser und selbst in kirchliche Hospitäler wie dieses. Das Essener Huyssenstift hat vor einem halben Jahr seine 15 Millionen Euro teure „Komfortstation“ eröffnet, und die 90 Zimmer sind „seit dem ersten Tag ausgebucht“. Sagt Horst Defren, Geschäftsführer der Kliniken Essen-Mitte. Dazu gehören das Huyssen­stift und das Knappschafts-Krankenhaus Steele. Dort hat Defren 2009 einen „Versuch“ mit 26 Luxusbetten gestartet. Heute sagt er: „Sie müssen das anbieten, um mehr Patienten zu gewinnen.“

Ob privat, kirchlich oder staatlich – die Kliniken stehen in einem knochenharten Wettbewerb, gerade im Ruhrgebiet. Ein Beinbruch, ein Herzkatheter oder eine Schilddrüsen-OP – für jeden Eingriff gibt es feste Pauschalen. Wer am Preis nicht drehen kann, hat nur zwei Chancen, den Umsatz zu steigern: Er muss der Konkurrenz „Kunden“ abringen und versuchen, ihnen mehr als nur Standard zu verkaufen. Luxusstationen bringen beides: Mehr Patienten und Zusatzeinnahmen durch Aufpreise.

Zimmer zu Hotelpreisen

83 Euro kostet ein Tag im Edel-Doppelzimmer, 158 Euro das Einzelzimmer, Hotelpreise eben. Dafür steht ein Schreibtisch im klimatisierten Zimmer, Safe, Minibar, drahtloser Internetanschluss und was sonst so dazugehört. Wer aufstehen kann, wird in der Lounge am Buffet frühstücken und seine Besucher zum Kaffeeklatsch in die Sofaecke lotsen. Entworfen hat die Lounge ein Lufthansa-Architekt. „Die können das besser, für meine Klinik-Architekten war das nichts“, sagt Defren.

Privatkassen zahlen den Luxus, doch die Station „Folkwang“ mit Original-Kunstwerken an den Wänden ist keine reine Privatangelegenheit. Natürlich gibt es auch hier die einfliegenden Scheichs und Russen, doch jeder Fünfte ist Kassenpatient und zahlt selbst.

Der Klinikluxus ist ein recht junges Phänomen, das in keiner Statistik auftaucht, doch es vergeht kein Jahr, in dem nicht eine neue Edelstation im Ruhrgebiet eröffnet wird. Allein in Essen haben fünf Kliniken aufgerüstet, auch in Herne, Bochum, Velbert und anderen Städten lässt sich stilvoll genesen. „Das ist ein Trend, auf den die Kliniken seit einigen Jahren setzen“, sagt die Deutsche Krankenhausgesellschaft, „der Wettbewerb um die Patienten wird immer härter“, sagt die Krankenhausgesellschaft NRW.

In Dortmund zieht das Knappschafts-Krankenhaus gerade nach. Es bildet mit der Klinik am Park in Lünen das „Klinikum Westfalen“. Und weil dort die 23 Komfortbetten ständig belegt sind, wird in Dortmund nun aus einer alten Station mit 70 Betten eine 40-Betten-Komfortklasse. Eine kaufmännische Entscheidung: „Wir haben in Lünen 30 Prozent Patienten hinzugewonnen. Gleichzeitig sind die Liegezeiten kürzer geworden, weil die Patienten schneller genesen“, sagt Geschäftsführer Andreas Schlüter.

Es rechnet sich

In Dortmund wird das Doppelzimmer 70 Euro und das Einzelzimmer 140 Euro kosten. Schlüter überschlägt grob: Pro Jahr könnten bei 40 Betten nach Abzug der Kosten rund 800 000 Euro übrigbleiben. Geld, das etwa in neue medizinische Geräte investiert werden könnte, von denen auch die Kassenpatienten profitieren würden. „Das rechnet sich auf jeden Fall“, sagt Schlüter.

Das ganze blühende Luxusmodell kann aber überhaupt nur funktionieren, weil laut Umfragen drei von vier Patienten bei planbaren Operationen heute selbst entscheiden, wo sie hingehen. Sie suchen und finden im Internet Klinik-Bewertungen und sehen dort, wie oft ein Haus welche OP durchführt. Kleine Häuser spezialisieren sich deshalb.

Das Essener Huyssenstift etwa hat die verlustreiche Geburtshilfe abgeschafft, ist aber für seine Onkologie bekannt. Die Lüner Klinik am Park lockt Patienten mit ihrer Orthopädie. Die medizinische Qualität sei entscheidend, sagt Geschäftsführer Schlüter, aber: „Es gibt auch den Fußball-Fan, der am Samstag Bundesliga auf Sky gucken will. Der Professor fand das nicht so lustig, aber die Leute wollen den Komfort, wenn sie schon ins Krankenhaus müssen.“

Luxus in der Klinik – irgendwie passt das trotzdem besser auf die Düsseldorfer Kö als in Bergarbeiter-Kliniken und kirchliche Spitäler. „Ja, diese Debatte musste ich im Aufsichtsrat mit den Kirchenvertretern führen“, sagt Huyssenstift-Manager Defren. Am Ende überzeugte seine ökonomische Prophezeiung: „Wenn wir das nicht machen, wenn wir uns nicht am Markt orientieren, verschwinden wir.“

Stefan Schulte

Kommentare
04.03.2012
18:39
Krankenhäuser setzen auf Luxus wie im Hotel
von olly52 | #9

Es ist mir ein Rätsel warum dieser Artikel unter der Rubrik „Gesundheit“ veröffentlicht wurde. Aus meiner Sicht sollten alle Artikel, die unsere...
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Krankenhäuser setzen auf Luxus wie im Hotel
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2012-03-02 18:54
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