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Drogenbericht

Konsum der "Zombie-Droge" Crystal Meth nimmt in Deutschland zu

28.05.2013 | 16:09 Uhr

Lissabon.  Modedrogen verbreiten sich in Europa rasant. Allein 2012 sind in Europa laut der EU-Drogenbeobachtungsstelle 73 neue Partydrogen registriert worden. Auch der Konsum vom Methamphetamin Crystal Meth nehme zu - vor allem in Tschechien und der Slowakei. Mittlerweile spricht die EU aber auch von Anzeichen für einen "problematischen" Konsum in Deutschland.

Europas Drogenexperten schlagen Alarm: Obwohl der Konsum klassischer Rauschmittel wie Heroin, Kokain oder Cannabis in Europa zum Teil zurückgeht, überschwemmen neue Designerdrogen den Kontinent. 2012 seien in den Ländern der Europäischen Union 73 bis dahin unbekannte, künstlich hergestellte Substanzen entdeckt worden, teilte die EU-Drogenbeobachtungsstelle EBDD mit - alle fünf Tage eine neue also. Das sei die höchste Zahl von neu gemeldeten Drogen in einem Jahr, hieß es im Europäischen Drogenbericht. Er wurde am Dienstag in Lissabon veröffentlicht.

Während EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström fast schon resignierend das "nicht zu stoppende Angebot" neuer Drogen beklagte, betonte EBDD-Direktor Wolfgang Götz: "Das Drogenproblem ist im Wandel begriffen, es ist dynamischer, komplexer, und es stellt in vielerlei Hinsicht noch größere Herausforderungen." Die oft sehr jungen Konsumenten spielten ein gefährliches Spiel. Sie seien in gewisser Weise "Versuchskaninchen", da man noch sehr wenig über die langfristigen Gesundheitsfolgen der Modedrogen wisse, warnte Götz.

Was Crystal aus Menschen macht

Die schlimmsten unmittelbaren Folgen des Konsums synthetischer Drogen, der häufig in Horrortrips endet, sind bekannt: Kontrollverlust, Herzrasen, Wahnvorstellungen bis hin zu Selbstmordgedanken, Selbstverstümmelungen und Aggressionen.

Auch Anzeichen für problematischen "Crystal Meth"-Konsum in Deutschland

Die Modedrogen werden oft als Badesalz, Duftpulver oder Kräutermischungen getarnt vor allem im Internet verkauft und tragen coole Namen wie "Extreme Summer" oder "Ice". Die Drogen tauchen immer wieder unter neuen Produktnamen auf. Die Mehrheit der Designerdrogen ahmen die Wirkung von Cannabis nach und sind mal als Pillen, mal als Pulver auf dem Markt.

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Crystal Meth ist auf dem Vormarsch, ein Rauschgift, das nicht nur den Körper zerstört. Zu Besuch bei Mike, einem Dealer. In seiner Zweizimmerwohnung in Duisburg empfängt er seine Kunden. Was die Droge aus Menschen macht, kann man auch am Dealer selbst sehen.

Auch Stars wie die Sängerinnen Fergie (Black Eyed Peas) und Pink räumten bereits ein, sie hätten schon mit Aufputschmitteln wie dem Methamphetamin Crystal Meth schlimmste Erfahrungen gemacht. Das als "Zombie-Droge" bekannte weiße Pulver werde in den USA und Asien von Millionen und in Europa traditionell vor allem in Tschechien und der Slowakei konsumiert. In jüngerer Zeit habe man aber auch in Deutschland Anzeichen für "problematischen Methamphetaminkonsum" registriert, so die EBDD.

Der bisherige Rekord neuer Drogen (49) in Europa aus dem Jahr 2011 wurde 2012 gleich um rund 50 Prozent übertroffen. 2008 waren noch lediglich 13 neue Substanzen gemeldet worden. Diese Zahl kletterte danach rapide auf 24 (2009), 41 (2010) und 49. Seit Einrichtung eines Frühwarnsystems im Jahr 1997 wurden EBDD und Europol inzwischen fast 300 neue Substanzen gemeldet, die unter anderem auch in Fernost hergestellt werden und die Wirkung herkömmlicher Drogen nachahmen.

Die Lage ist ernst

Verbote, wie sie etwa vergangene Woche von der Bundesregierung für 26 Stoffe auf den Weg gebracht wurden, helfen bei künstlichen Rauschmitteln oft nicht wirklich. Der Grund: Bereits eine leichte Änderung der Molekularstruktur durch die Drogenköche kann eine neue Substanz entstehen lassen, für die ein bestehendes Verbot nicht mehr greift.

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Um Drogen über das Internet zu vertreiben, nutzen Kriminelle eine perfide Masche: Sie tarnen synthetische Rauschmittel als Kräutermischung oder Badesalz. Um das Betäubungsmittelgesetz zu umgehen, wird die chemische Struktur der Drogen geringfügig verändert - die Wirkung bleibt jedoch gleich.

Mit Blick auf den Drogenbericht stellte die EBDD eine Forderung auf: Aufgrund der sich rasant verbreitenden Designerdrogen müssten die Strategien und Praxismodelle hinterfragt werden. Denn die Lage ist ernst. Allein zwei in den vergangenen Monaten im Rahmen einer Risikostudie untersuchte Substanzen - das verbotene Amphetamin 4-MA und die legal vermarktete chemische Substanz 5-IT - wurden in Verbindung mit dem Tod von 40 bis 50 jungen Europäern gebracht. "Dabei werden diese Substanzen bisher nicht einmal in großen Mengen konsumiert", hob EBDD-Direktor Götz hervor. (dpa)



Kommentare
30.05.2013
06:52
Schon Hitler nahm es
von ulrics | #8

man sieht ja was draus wurde.

29.05.2013
16:06
Konsum der
von Dr.Seltsam | #7

@fragender123

Entschuldigung, aber das ist Unsinn..
Es gibt bei illegalen Drogen, genau wie bei Alkohol, einen Unterschied zwischen Konsum und Missbrauch.
Würden Sie jedem, der Freitag Abends 4 Bier trinkt ein ernstes psychologisches Problem attestieren?
Genauso verhält es sich auch mit illegalen Drogen.
Ohne jetzt Risiken verharmlosen zu wollen, es gibt jede Menge erwachsene Menschen, die einen völlig unproblematischen Konsum, auch harter Drogen, praktizieren.
Drogenkonsum ist viel älter, als die gesellschaftlichen Probleme, die Sie skizzieren.

Wenn Drogenkonsum zum Drogenproblem wird (einschließlich Alkohol), ist das eher ein ganz individueller Ursachencocktail.
Über die konkreten Gründe und Ursachen, evtl. genetischer Prädisposition, streiten noch immer Psychologen und Verhaltensforscher.

29.05.2013
12:45
Ich kenne niemanden, der...
von Wurzelputz | #6

...die Wirkung von Drogen, Alkohol, Zigaretten, Fast Food usw. und die Auswirkungen auf seinen Körper nicht kennt.
Es wird billigend in Kauf genommen. Fertig!

Ich für meinen Teil komme mir schon komisch vor, ich habe noch nie Betäubungsmittel probiert, starkes Rauchen aufgegeben und Allohol schmeckt mir nicht, da benötige ich auch die Wirkung nicht. Das ich noch nie Nutella gegessen habe macht mich zum Sonderling. Ist mir auch egal!

29.05.2013
10:57
Die Drogen verändern sich...
von fragender123 | #5

...doch die Ursachen des Drogenproblems bleiben dieselben. Sie heißen Armut, Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit, mangelnde bis völlig fehlende berufliche wie soziale Aufstiegsmöglichkeiten, Stigmatisierung, Seilschaftenbildung sprich: Vetternwirtschaft, zunehmende Soziale Kälte, Neoliberalismus und Kapitalismus.

Wer im Alltag nur grau, schwarz und negativ sieht und nicht stabil genug ist, erliegt der Versuchung durch die Drogen. Für eine kurze Zeit gibts dann genau das Hochgefühl das sich einstellt wenn man beruflich wie sozial Erfolg hat.

Der Preis dafür ist ungemein höher, doch das wird billigend in Kauf genommen weil man dieses System für alternativlos hält.

Ist es nicht, aber so lange das nicht verstanden wird, so lange wird das Drogenproblem gegenwärtig sein und weiter an Schärfe zunehmen.

29.05.2013
10:44
Früher gab es immer mehr Aufklärungskampagnen...
von Ismet | #4

wieso heute nicht mehr?
Wieso wird nicht in den Kindergärten, Schulen und Unis, Betrieben, Bahnhöfen sowie in den Medien wie Internet, Zeitungen und sonstigen Einrichtungen vor Drogen gewarnt?
Auf den Zigarettenpackungen steht ja auch das Rauchen tötet usw.

Die Aussage das es auch mal "Cool ist NEIN zu sagen" was Drogen angeht, sollte auch über den Äther laufen...

Bei AIDS wurde das ja auch mit Erfolg praktiziert das man Kondome beim Verkehr nutzen sollte!
Ich halte von einer Liberalisierung jedenfalls nicht so viel, aber das ist nur meine Subjektive Meinung.

28.05.2013
22:43
Konsum der
von Dr.Seltsam | #3

@1 Pucky

Es gibt durchaus andere Sichtweisen.
Kaum ein Mensch würde diesen Dreck konsumieren, wenn z.B. Kokain in pharmakologischer Qualität, legal und zu angemessenen Preisen erhältlich wäre.
Die restriktive Drogenpolitik dient lediglich unseren Moralvorstellungen.
Die Verbote lösen keine Probleme, ganz im Gegenteil.
Sie fördern organisierte Kriminalität, fördern die Verelendung der Konsumenten und kosten Steuer- und Beitragszahlern ein Vermögen.
Bislang haben die Erfahrungen in Ländern mit liberalerer Drogenpolitik gezeigt, dass die Zahl der Konsumenten nicht steigt.
Im Umkehrschluss, die Verbote schrecken niemanden ab.
Vielleicht sollte man so langsam mal umdenken?

1 Antwort
Konsum der
von Pucky2 | #3-1

Ihren Ansatz beim Drogenproblem würde ich für Haschisch zustimmen, aber nicht für Kokain oder gar Crystal Meth. Die Folgen und Risiken des Konsums sind schon andere... auch bin ich der Meinung, dass Drogenkonsum für Heranwachsende auch zu gefährlich ist, als dass man den Konsum zu sehr legalisieren darf.

Die jetzige dt. Regelung ist klar unlogisch, da Tabak und Alkohol frei zugänglich ist, andere relativ harmlosere Drogen aber gleich verteufelt werden.

28.05.2013
17:53
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.05.2013
16:42
Konsum der
von Pucky2 | #1

man muss Druck auf Tschechien ausüben, dass die laxe Drogenpolitik dort ein Ende hat... Crystal Meth ist viel zu gefährlich. Das ist eine andere Kategorie, als mal eben in den Niederlanden sich ne Tüte bauen. In Sachsen und in Bayern ist Crystal Meth schon zur Seuche geworden und die Bundesregierung macht nichts und sucht nicht mal das Gespräch mit Prag.

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