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Transplantations-Skandal

Klinik in Göttingen glaubt an weitere Transplantations-Täter

20.07.2012 | 19:09 Uhr
Ein ehemaliger Oberarzt an der Göttinger Uniklinik wird verdächtigt, Krankendaten gefälscht zu haben, um ausgewählten Patienten schneller eine Spenderleber zu verschaffen.Foto: dapd

Essen.   Ein früherer Oberarzt der Göttinger Uniklinik soll gegen Geld Krankendaten manipuliert haben, um Patienten schneller Organe mit Organen versorgen zu können. Die Klinik glaubt an weitere Täter, der Skandal könnte sich also ausweiten.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Ein ehemaliger Oberarzt an der Göttinger Uniklinik wird verdächtigt, Krankendaten gefälscht zu haben, um ausgewählten Patienten schneller eine Spenderleber zu verschaffen. Auch gegen zwei Mitarbeiter eines Unternehmens für medizinische Dienstleistungen aus NRW wird in dem Zusammenhang ermittelt. Es könnte sich um einen der größten Skandale um Organtransplantation in Deutschland handeln. Was die betroffene Göttinger Uniklinik dazu sagt, wie Organspenden organisiert werden und was ein Transplantationsmediziner fordert:

Die Göttinger Uniklinik

Der unter Verdacht stehende Transplantationsmediziner war früher an der Universitätsklinik Regensburg tätig. Im Oktober 2008 trat er seinen Dienst an der Uniklinik Göttingen an, die er, als die Vorwürfe bekannt wurden, nach einem Auflösungsvertrag im Dezember 2011 wieder verließ. In Göttingen arbeitete er als Oberarzt in leitender Funktion, galt als „hervorragender Operateur“, so Klinik-Sprecher Stefan Weller.

Transplantations-Skandal
Sorge um Organspende-Bereitschaft

Am Uniklinikum Göttingen deutet sich ein Skandal ungeahnten Ausmaßes an: Der Leiter des dortigen Transplantationszentrums soll Patientendaten gefälscht haben, um ihnen schneller ein neues Organ zu verschaffen. Nun sorgen sich Politiker um Spendenbereitschaft der Bürger.

Dass der Arzt laut "Süddeutscher Zeitung" schon 2005 dadurch negativ aufgefallen war, dass er eine für die Uniklinik Regensburg bestimmte Leber mit nach Jordanien zur Transplantation nahm, habe man in Göttingen nicht gewusst, betonte Weller. Martin Siess, Leiter der Universitätsmedizin Göttingen, glaubt, dass noch weitere Personen in den Organ-Skandal verwickelt sein könnten. „Es wurde sehr gezielt manipuliert. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass das eine Person alleine war.“ Das Göttinger Transplantationszentrum hat 24 Betten, beschäftigt 14 Ärzte und 18 Pflegekräfte.

Die Lebertransplantation

12 000 Menschen stehen bundesweit auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2011 warteten 2119 Schwerkranke deutschlandweit auf eine Leber. Damit hoffen dreimal so viele Menschen auf eine neue Leber, wie Transplantate vermittelt werden können. Patienten mit chronischem oder akutem Leberversagen können nur durch eine Transplantation überleben.

Die Transplantationsgesellschaft

Professor Wolf Bechstein, Präsident der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG), ist „erschüttert“ über das, was in Göttingen geschehen sein soll. Wer als Arzt Menschen bei einer Transplantation bevorzuge, müsse sich im Klaren sein, dass er andere Schwerkranke damit benachteilige, betonte der Direktor der Klinik für Chirurgie an der Uniklinik Frankfurt/Main.

Unter Umständen komme ein Organ für einen anderen dann zu spät, weil dieser die Wartezeit nicht überlebe. Laut Bechstein wollen sich die deutschen Lebertransplantations-Zentren künftig freiwillig unangekündigten Kontrollen unterziehen. Der Transplantationsmediziner ist außerdem für die Einführung eines Vier-Augen-Prinzips bei der Übermittlung der Laborwerte eines Patienten, der auf eine Leber wartet.

„Aus den Werten ermittelt die Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant nämlich die gesundheitliche Prognose für den Patienten“ – und damit dessen Platz auf der Warteliste.

Die DTG hat sich als wissenschaftliche Gesellschaft das Ziel gesetzt, die Transplantationsmedizin in organisatorischer, klinischer und wissenschaftlicher Hinsicht zu fördern.

Die Organspende

Organspende

Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Koordinierungsstelle für die Organspende in Deutschland. Sie organisiert alle Schritte des Organspende-Ablaufs von der Mitteilung eines möglichen Spenders in einer Klinik bis zur Übergabe der Organe an die Transplantationszentren. Die Transplantationszentren geben die Patientendaten weiter an die Organ-Vermittlungsstelle Eurotransplant (ET) im niederländischen Leiden. Dort werden für jedes Organ gemeinsame Wartelisten der ET-Mitgliedsländer Deutschland, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Österreich, Slowenien, Kroatien und Ungarn geführt.

Bei der Organ-Vermittlung stehen die Dringlichkeit und die Erfolgsaussicht einer Transplantation im Vordergrund.

Jutta Bublies und Daniel Freudenreich



Kommentare
23.07.2012
10:57
Klinik in Göttingen glaubt an weitere Transplantations-Täter
von Boisfeuras | #7

Bei diesen Machenschaften wird einem Angst und Bange. Ob genauso getrickst wird, um einen Patienten für "tot" zu erklären und auszunehmen, wenn dringend Organe von einem Transplanteur für zahlungskräftige Patienten gebraucht werden?

22.07.2012
18:56
Es wird Geld verdient, womit man Geld verdienen kann!
von thehater | #6

Das war schon immer so und wird auch immer so bleiben! Das ganze Leben strebt der Mensch nach Reichtum und Wohlstand. Es beginnt schon in der Schule, wo wir trainiert werden in diesem Sys zu Funktionieren! Aus Krankeiten, alternde Menschen, Angst, Lebensmittelknappheit, Wasser, Tierhandel....usw, wird Geld gemacht! Diese Liste kann man endlos fortfahren! Der Mensch ist verdorben und daher sind solche Meldungen auch kein Skandal sondern die Triebfeder seines Schaffens! Wenn er es dann genug Reichtümer angehäuft hat ist er immer noch nicht satt und will noch mehr. Das perfide daran ist, dass wir sogar noch zu ihnen hinauf schauen und ihnen Respekt zollen: "Sie haben es geschafft"! Alles hat seinen Preis, selbst eine neue Leber!

22.07.2012
18:05
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Name von Moderation entfernt | #5

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22.07.2012
03:07
Klinik in Göttingen glaubt an weitere Transplantations-Täter
von frosstrubin | #4

Der Kanzler Li Si meldete dem göttlichen Kaiser Ying Zhèng daß der Beamte Shou bestechlich sei. Ying Zhèng ließ die Bürger, welche Shou bestochen hatten vor dem Thron erscheinen. Sie bestätigten ihre Bestechungen. Darauf ließ ihnen der Kaiser beide Hände abschlagen. Den Beamten Shou aber setzte er in ein höheres Amt ein.
Li Si lächelte und lobte die Weisheit des Kaisers: Es ist richtig die Hand zu bestrafen, die Anlaß zur einer Straftat gab. Warum aber erhebst Du den Bestechlichen in hohe Würden.
Ying Zhéng verkündete: Shou wird weiter bestechlich sein, denn die Bürger haben den guten Beamten verdorben. Nun aber wird er mir meine bestechlichen Beamten zeigen.

22.07.2012
00:28
Schon vergessen ? Scheinbar gibt es ein System dahinter.
von Schlaumischlumpf | #3

Es ist doch alles noch gar nicht so lange her. In dem aktuellen Artikel wird so erzählt, als gab es solchen Fälle noch nicht.
Komisch, ich habe da irgendiwe andere Erinnerungen.
http://www.sueddeutsche.de/panorama/skandal-um-star-chirurg-geld-oder-leben-1.527120

In den 70er Jahren hat man in dem Film COMA mit solchen Vorgängen unter der Rubrik HORRORFILM; Leute ins Kino geholt. http://www.die-besten-horrorfilme.de/horror/film946-Coma.csp Heute muss keiner mehr für solche Filme ins Kino gehen, wie wir feststellen, reicht heute der Blick in die Zeitung für diesen real gewordenen Horror.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/schulden-50-jaehriger-pakistaner-will-niere-verkaufen-a-636602.html
Ab in den Knast mit solch korrupten Gesindel und weg mit der Approbation auf Lebenszeit (Ärzte kriegen ihren Dr. Titel bereits für eine lächerliche Hausaufgabe innerhalb von nur einem Jahr).

1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #3-1

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21.07.2012
14:59
Warum überrascht mich diese Meldung nicht !
von exminer | #2

Weil der Mensch an sich ein sehr unvollkommenes Wesen von Natur aus ist.
Genau wie die Bankster unreguliert ihrem Streben nachgehen können, genau so
gibt es auf dem Gebiet Medizin Grauzonen.
Was wir sehen ähnelt der Sichtbarkeit eines Eisberges und man muß sich nur der Mühe unterziehen etwas tiefer in die Materie einzudringen.
Aber das ist inzwischen auf fast allen Gebieten verbreitet und diese Abweichungen
vom Sollzustand sind im Grunde nicht verwunderlich, verwerflich ist die Duldung
solcher Zustände. Selbstverpflichtungen zu einem fairen Verhalten bedingt
einen anderen Menschentyp als der der zur Zeit hier wandelt.
Und nun, ein schönes Wochenende.

20.07.2012
22:11
Klinik glaubt an weitere Täter
von ellerw1 | #1

Das ist der Hammer schlecht hin. Übrigens, dem Barschel hat man in seinen Interviews nachweisen wollen, das er lügt. Anhand seiner Augenblinzelei. Jetzt gerade im ZDF-Interviews der Dr. Axel Rahmel blinzelt auch wie doof. Hat sogar etwas länger die Lider geschlossen gehabt. Da steckt ein Netzwerk dahinter. Meine Meinung!

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