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Duogynon

Klage gegen Duogynon-Schwangerschaftstest abgewiesen

05.07.2012 | 17:29 Uhr
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Klage gegen Duogynon-Schwangerschaftstest abgewiesen
Protest gegen den Hersteller des Schwangerschaftstests Duogynon. Eine Klage vor dem Berliner Landgericht wurde abgewiesen.Foto: dapd

Berlin.  Vor dem Berliner Landgericht ist die Klage eines behinderten Mannes abgewiesen worden, der Ansprüche gegen den Hersteller des Schwangerschaftstests Duogynon geltend machen wollte. Der Lehrer, der 1976 mit Missbildungen der Blase und Harnröhre geboren wurde, hatte 50.000 Schmerzensgeld gefordert.

Das Berliner Landgericht hat die Klage eines Behinderten gegen die Bayer Pharma AG wegen Missbildungen durch das Hormonpräparat Duogynon abgewiesen. Der Lehrer, dessen Mutter während der Schwangerschaft Duogynon genommen hatte und der 1976 mit schweren Missbildungen der Blase und Harnröhre geboren wurde, hatte 50.000 Schmerzensgeld und Schadenersatz gefordert. Das Landgericht wies seine Klage am Donnerstag durch Urteil zurück. In der mündlichen Verhandlung erklärte es zuvor, die Ansprüche des Klägers seien verjährt.

Ob das bis 1980 als Schwangerschaftstest verwendete Duogynon tatsächlich die Behinderung des Lehrers verursacht hat, spielte in dem Prozess keine Rolle. "Ob je ein Schadenersatzanspruch bestand, hat dieses Gericht nicht zu entscheiden", sagte Zivilrichter Holger Matthiessen. Er legte in der mündlichen Verhandlung dar, dass für ab 1978 verabreichte Arzneimittel strengere Haftungsregeln gelten. Der Kläger könne aber nur im Jahr 1975 oder 1976 durch Duogynon geschädigt worden sein und sich lediglich auf das Bürgerliche Gesetzbuch stützten. "Spätestens 2006 ist ein Schaden verjährt gewesen", sagte Matthiessen.

Duogynon-Hersteller wird Vertuschung von Nebenwirkungen vorgeworfen

Der Richter wies auch den Einwand zurück, der Hersteller habe in den 70er und 80er Jahren die Forschung zu Gefahren von Duogynon unzulässig beeinflusst und dadurch selbst rechtzeitige Schadenersatzklagen verhindert. Seit den 60er Jahren sei auch in der Öffentlichkeit intensiv über Duogynon diskutiert worden. "Auch 1995 oder 2004 hätte mit ähnlicher Begründung eine Klage erhoben werden können", sagte er.

Dougynon wurde von der Schering AG hergestellt, die 2006 von Bayer übernommen wurde. Der Prozessvertreter des Klägers warf Schering vor, die fruchtschädigende Wirkung von Duogynon stets vertuscht zu haben. "Man kann nicht jahrzehntelang dafür sorgen, dass nichts ans Licht kommt und dann sagen: Pustekuchen, jetzt ist alles verjährt", bemängelte Rechtsanwalt Jörg Heynemamm.

Kläger sagt, bei ihm hätten sich 350 Duogynon-Opfer gemeldet

Für die Bayer Pharma AG sagte Rechtsanwalt Henning Moelle, Duogynom sei vom Bundesgesundheitsamt und vielen weiteren Behörden geprüft worden. Auch ein dreijähriges staatsanwaltliches Ermittlungsverfahren habe schon in den 80er Jahren erhobene Vorwürfe nicht bestätigen können.

Der klagende 36-jährige Lehrer Andre Sommer äußerte sich "sehr enttäuscht" über das Urteil. Sein Anwalt kündigte an, man werde auf jeden Fall Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen. Sommer war vor eineinhalb Jahren bereits mit einer Auskunftsklage gegen Bayer Pharma in Sachen Duogynon an der Verjährungshürde gescheitert.

Bei Sommer haben sich nach dessen Angaben über das Internet mittlerweile 350 Opfer des Hormonpräparats gemeldet. Zum Teil handele es sich um Menschen, die mit Missbildungen geboren worden seien, nachdem ihre Mutter die Schwangerschaft mit Duogynon getestet habe, sagte er. Zum Teil handele es sich auch um Frauen, deren missgebildete Kinder nach der Geburt gestorben seien. Ein Dutzend Duogynonopfer protestierte zu Beginn des Prozesses vor dem Gerichtsgebäude gegen die Verjährung ihrer Ansprüche. (dapd)

Kommentare
06.07.2012
11:13
Klage gegen Duogynon-Schwangerschaftstest abgewiesen
von joergel | #3

Nicht nur das die Klage zu spät erfolgt ist, die Verjährungsfristen sind schließlich bekannt. Es gibt auch bis heute keinen medizinischen oder wissenschaftlichen Beweis dafür, das dieses Medikament für die Mißbildungen verantwortlich ist.

Der wäre aber in einem Verfahren notwendig um Schadenersatz oder Schmerzengeld zu verlangen. Die Kläger stützen sich allein auf die Tatsache, das einige der Frauen die Duogynon genommen haben, später mißgebildete Kinder zur Welt gebracht haben.

Da fehlt einfach der konkrete Nachweis, denn bei Mißbildungen kommen viele andere Ursachen in Frage und sie treten auch bei Babys auf, deren Mütter gar keine Medikamente während der Schwangerschaft eingenommen haben...

05.07.2012
19:39
Klage gegen Duogynon-Schwangerschaftstest abgewiesen
von Frankfurter | #2

Deutsche Gerichte müssen sich auch an Gesetze halten. Wenn also in dem o.g. Fall die Ansprüche nach 30 !! Jahren verjährt sind, und wenn jetzt schon 36 Jahre vergangen sind hat das Gericht überhaupt keine Möglichkeit als die Klage ab zu weisen.
Ganz egal ob jetzt die Entscheidungen von Gerichten angeblich "politisch koloriert und nicht mehr rational " sind.

05.07.2012
17:56
Klage gegen Duogynon-Schwangerschaftstest abgewiesen
von Hastalamuertesiempre | #1

Paranoia ist ein geistiger Zustand welcher der Realität noch am nächsten kommt.

Manchmal frage ich mich, ob es Einbildung ist, dass die deutschen Gerichte mittlerweile ihre Entscheidungen politisch koloriert und nicht mehr rational fällen.

Eines ist sicher: Das Kapital hat wieder einmal gewonnen und die Opfer des Produkts eines Pharma-Konzerns haben das Nachsehen.

Verjährung, der Zauberstab von Pharma Potter!



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