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Studie

Kinder bekommen oft zu rasch Antibiotika

15.02.2012 | 15:01 Uhr
Kinder bekommen oft zu rasch Antibiotika
Oft ist die Einnahme von Antibiotika unnötig.Foto: ddp

Gütersloh.   Kindern in Deutschland wird oft viel zu vorschnell Antibiotika verschrieben. Häufig sind diese gar nicht angebracht und erhöhen unnötig die Bildung resistenter Keime. Wie schnell ein Kind Antibiotika verschrieben bekommt hängt aber auch davon ab, in welcher Region Deutschlands es lebt. Eine neue Studie stellte nun deutliche regionale Unterschiede in der Verschreibungspraxis fest.

Kindern in Deutschland werden einer Studie zufolge oft zu rasch Antibiotika verschrieben. Jedes zweite Kind im Alter zwischen drei und sechs Jahren (51 Prozent) habe 2009 ein solches Medikament erhalten, ergab der am Mittwoch veröffentlichte "Faktencheck Gesundheit", den die Universität Bremen im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh durchführte. Dabei gab es große regionale Unterschiede: So erhielten Kinder im Nordosten Deutschlands doppelt so häufig Antibiotika wie Kinder in Süddeutschland.

Antibiotika um Eltern zu beruhigen

Besonders oft werden Antibiotika der Untersuchung zufolge bei akuter Mittelohrentzündung, fiebriger Erkältung und Grippe eingesetzt. In vielen Fällen könne man allerdings auf die Einnahme dieser Arzneimittel verzichten, sagte der Studienleiter, Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Bremer Universität, im ARD-"Morgenmagazin". Denn es handele sich häufig um Virusinfekte - Antibiotika wirken aber in der Regel nur gegen Bakterien. Oft verschrieben Ärzte Kindern Antibiotika, um die Eltern zu beruhigen, erklärte Glaeske.

Den Zahlen zufolge, denen Versichertendaten der Krankenkasse Barmer GEK zugrundeliegen, werden Kindern deutlich mehr Antibiotika verordnet als Erwachsenen. So erhielten 2009 33 Prozent der Erwachsenen ein Antibiotikum, bei Kindern und Jugendlichen zwischen null und 18 Jahren waren es 38 Prozent. Am häufigsten wurden Antibiotika in Sachsen-Anhalt, im Saarland und in Thüringen verschrieben, am seltensten in Schleswig-Holstein, Bremen und Baden-Württemberg. Allerdings wurden auch innerhalb einzelner Bundesländer große Unterschiede registriert.

Unnötige Einnahme erhöht Gefahr von Resistenz

Laut der Studie unterscheiden sich die Verschreibungen von Antibiotika auch zwischen den Facharztgruppen erheblich. "Bei nicht eitrigen Mittelohrentzündungen, bei denen Antibiotika laut Leitlinien nur in Ausnahmefällen angezeigt sind, verordneten 33 Prozent der Hausärzte Antibiotika, aber nur 17 Prozent der Kinderärzte und 9 Prozent der HNO-Ärzte. Bei Lungenentzündung, wo die Verordnung von Antibiotika angezeigt ist, waren es 80 Prozent der Kinderärzte, aber nur 66 Prozent der Hausärzte", erklärte Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte der Bertelsmann-Stiftung.

Bei zu häufiger und unnötiger Einnahme von Antibiotika besteht die Gefahr, dass die Mittel keine Wirkung mehr zeigen, wenn sie wirklich notwendig sind. Bereits jetzt stellen gegen Antibiotika resistente, bakterielle Erreger in Krankenhäusern ein großes Problem dar. (dapd)

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Kommentare
15.02.2012
18:54
Kinder bekommen oft zu rasch Antibiotika
von justuser | #3

Jeder, der einen Pharmareferenten kennt, weiß doch genau, was für lukrative Angebote den Ärzten gemacht werden, wenn die nur genug von ihrem Zeugs "verkaufen" oder ihr Produkt an den Mann bringen, anstatt von der Konkurenz!

Das ist ein Provisionsgeschäft, genauso wie Versicherung oder windige Finanzprodukte von seiner "vertrauensvollen" Hausbank. Nur mit noch unausgewogeneren Machtgefüge!

Frau Müller, die 20 Jahre lang ihr Medikament bekommen hat mit dem sie super klar kam, bekommt plötzlich ein Anderes! "Frau Müller, nehmen Sie das mal, das hat den gleichen Wirkstoff und ist genauso gut hat aber noch die Vorteile...blablabla"...Die Frau besorgt "Aber Herr Doktor, ich kam doch all die Jahre so gut klar mit dem Medikament..."..."Frau Müller glauben Sie mir..." wenn die so schon anfangen!

Warum wohl? Weil die Pharmareferenten ihnen die Bude einrennen und mit "Boni" drohen, wenn die plötzlich ihr Produkt verkaufen, die immer höher wird je mehr sie es verschreiben. Da kommen die Kinder mit ihren "Kinderkrankheiten" vielen Ärzten schon ganz recht.

Das alleine schon, wenn der Patient von dem Medikament nicht überzeugt ist, der Plazebo Effekt das Medikament völlig unwirksam machen kann, wissen viele Schulmediziner nicht (dann sollten sie sich aber schnell mal weiterbilden) Oder es ist ihnen schlicht und ergreifen sche.ß egal!

Hier zu schreiben: Das die Ärzte nur Antibiotika verschreiben um die Eltern zu beruhigen, lässt die Eltern so blöde aussehen, das ist schon unverschämt und implementiert im Umkehrschluß, der Arzt weiß es besser und würde nieee aus wirtschaftlichen Gründen handeln.

Und noch eins wenn er es besser wüsste und das Antibiotikum tatsächlich nur der Beruhigung der Eltern halber verschreiben würde, hätte er seinen Beruf verfehlt!
Ein nicht wirksames oder unötiges Medikament wissentlich zu verschreiben, geht je nach Schwere schon in den bereich Körperverletzung

Wie wärs denn mal zur Beruigung, mit den Eltern / Patienten ausführlich zu Reden und sich ein Bißchen Zeit zu nehmen, als nach zwei Minuten schon den Rezptbloch zu zücken!

15.02.2012
16:39
Kinder bekommen oft zu rasch Antibiotika
von soulseeker | #2

#1 - da hast du vollkommen recht. Viele Ärzte haben von Mikrobiologie/Bakterien und deren Stoffwechsel kaum Ahnung ... da habe ich als Biologe selber schon haarsträubendes erlebt.

15.02.2012
16:14
Kinder bekommen oft zu rasch Antibiotika
von justuser | #1

"Antibiotika um Eltern zu beruhigen"

Wenn ich das schon wieder lese, geht mir echt die Hutschnur hoch!

Die dummen Bürger, die dummen Eltern sind natürlich wieder dafür verantwortlich!
Wie immer und überall.

Davon dass viele Ärzte zum Teil gar keine richtige Ahnung haben oder dass sie an einer sinnvollen Behandlung schlicht und ergreifend zu wenig verdienen, der Gedanke kam wohl nie?.

Von dem Einfluss der Pharmalobby möchte ich gar nicht erst sprechen...

Das wurde in keinem der Berichte (Zeitung, Radio, Fernsehen) thematisiert, oder überhaupt nur mal darüber nachgedacht.

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