Infektionsgefahr durch Hygienemängel in vielen Kliniken

Hände desinfizieren - in Kliniken ein so selbstverständlicher wie wichtiger Vorgang. Doch in vielen Krankenhäusern gibt es Hygienemängel.
Hände desinfizieren - in Kliniken ein so selbstverständlicher wie wichtiger Vorgang. Doch in vielen Krankenhäusern gibt es Hygienemängel.
Foto: Imgao Stock&People
Was wir bereits wissen
In zahlreichen Krankenhäusern von Nordrhein-Westfalen leiden Patienten unter akuten Hygienemängeln. Das dokumentiert eine landesweite Recherche unserer Redaktion. Danach besteht in vielen Kliniken ein erhöhtes Risiko für Infektionen mit multiresistenten Keimen.

Essen.. Unserer Redaktion liegen rund 300 Hin­weise auf konkrete Missstände in NRW-Kliniken vor: Berichte, Dokumente, eidesstattliche Versicherungen, Fotos. Sie stammen von medi­zinischem Personal, Patienten und Angehörigen. Betroffene beschreiben „katastrophale hygienische Zustände“. Blutbefleckte Fußböden, dreckige Bettwäsche, zu wenige und verschmutzte Sanitärbereiche seien keine Ausnahme.

Das Klinikpersonal diene oft eher der Verbreitung als der Vermeidung von Keimen. „Ärzte, Schwestern und Pfleger ohne Mundschutz und Handschuhe“ sind nach übereinstimmenden Berichten auch auf Isolierzimmern anzutreffen. ­Per­sonalnot verschärfe die Lage. Die Lei­stungen des Reinigungspersonals gelten weithin als „erschreckend“.

Viele Kliniken weichen konkreten Fragen aus

Wir haben 48 Krankenhäuser mit den Vorwürfen konfrontiert. Es handelt sich um Kliniken in Bad ­Berleburg, Bochum, Bottrop, Dinslaken, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gladbeck, Hagen, Hamm, Herne, Krefeld, Marl, Mülheim, Oberhausen, Schwelm, Siegburg, Unna und Wuppertal. Die befragten Kliniken repräsentieren rund 21.000 Betten, in denen rund 750.000 Patienten jährlich stationär behandelt werden. Rund eine ­Million Menschen jährlich werden in den Häusern ambulant versorgt.

eBook Einige Kliniken bestätigten Hygieneverstöße. Viele wichen konkreten Fragen aus. Andere antworteten gar nicht. Wieder andere verwiesen auf Gesundheitsämter. Das Essener Gesundheitsamt räumt Probleme ein. Der Personalbedarf an Ärzten und Pflegern sei „teilweise ungedeckt“. Der Informationsfluss zum MRSA-Keimstatus beim Transport infizierter Patienten sei „verbesserungs­würdig“. Krankentransporteure berichten, nach MRSA-Touren würden Fahrzeuge nicht immer gereinigt.

In Dortmund steigt die Zahl der Infektionen mit dem multiresistenten Keim VRE. 2013 verzeichnete das Knappschaftskrankenhaus 35 Erkrankungen, 2011 dagegen nur zwei VRE-Fälle. „Alle Krankenhäuser bestätigen, dass es grundsätzlich eine Zunahme an VRE sowie ­anderen resistenten Keimen gibt“, sagt Annette Düsterhaus, Leiterin des Dortmunder Gesundheitsamtes.