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Inka-Mumie

Immunproteine offenbaren Lungenentzündung bei einem vor 500 Jahren gestorbenen Mädchen

27.07.2012 | 11:45 Uhr
Immunproteine offenbaren Lungenentzündung bei einem vor 500 Jahren gestorbenen Mädchen
An einer Inka-Mumie konnte in einem neuen Verfahren eine Infektion nachgewiesen werden. (Symbolbild)Foto: gettythinkstock

San Francisco.  Forscher haben bei einer 500 Jahre alten Mumie Krankheitserreger entdeckt, die für eine akute Infektion verantwortlich gewesen sind, so das Fachmagazin "PloS ONE". Die neue Methode eröffnet ganz neue Möglichkeiten zur Forschung und ist auch für die kriminaltechnische Untersuchung von Bedeutung.

Zum ersten Mal haben Forscher bei einer jahrhundertealten Mumie eine akute Infektion nachgewiesen. Demnach litt das 15-jährige Inka-Mädchen, dessen Relikte auf einem Andengipfel entdeckt worden waren, an einer Lungenentzündung, möglicherweise sogar an Tuberkulose. Indizien für die Infektion lieferte dabei nicht allein der Erreger der Krankheit, sondern die Immunreaktion der Mumie, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "PloS ONE" berichten.

Sie hatten Genaktivität und Proteine der Mumie analysiert und dabei gezielt nach Anzeichen für eine aktive Abwehrreaktion gesucht. Ein Erreger könne im Körper anwesend sein, auch ohne dass dies gesundheitliche Folgen habe. Erst wenn man nachweise, dass das Immunsystem auf diesen Erreger aktiv reagiere, habe man einen echten Beleg dafür, dass dieser Mensch vor seinem Tod tatsächlich krank war, sagen die Forscher.

Neue Methode hilft bei der Lösung von Kriminalfällen

"Bisher war es unmöglich zu sagen, ob ein in einem alten Gewebe entdeckter Krankheitserreger aktiv war oder inaktiv", erklärt Erstautorin Angelique Corthals von der City University of New York. Mit dieser Studie hätten Wissenschaftler mit Hilfe modernster genanalytischer Methoden erstmals auch die Immunreaktion des vor langer Zeit verstorbenen Patienten angeschaut. "Diese Methode öffnet ganz neue Möglichkeiten, einige der größten Rätsel der Geschichte zu lösen", sagt Corthals. So könne man nun beispielsweise genauer untersuchen, warum die Grippe von 1918 so verheerende Folgen hatte.

Aber auch in Kriminalfällen lasse sich zukünftig besser feststellen, ob beispielsweise ein im Körper gefundener Erreger tatsächlich die Todesursache gewesen sei.

Inka opferten die Kinder einst der Erdgöttin

Die Forscher hatten zwei von drei Mumien untersucht, die 1999 auf dem Andengipfel Llullaillaco in Argentinien gefunden worden waren. Der sieben Jahre alte Junge und das 15-jährige Mädchen waren vor rund 500 Jahren von den Inka zu Ehren der Erdgöttin Pachamama geopfert worden.

Kälte und Trockenheit haben ihre Körper bis heute nahezu unversehrt konserviert. Für ihre Analysen entnahmen die Wissenschaftler den heute in einem Museum im argentinischen Salta aufbewahrten Mumien Speichel- und Blutproben. Zunächst suchten die Forscher in den Proben nach DNA-Spuren von Krankheitserregern. In denen des Mädchens fanden sie das Erbgut von Erregern der Gattung Myobacterium. Zu dieser Bakteriengruppe gehören neben dem Erreger der Tuberkulose auch einige, die Lungenentzündungen hervorrufen.

Veränderungen in der Lunge

Anschließend analysierten die Forscher die Proteine in den Mumienproben und suchten besonders nach Eiweißen, die das Immunsystem im Falle einer akuten Infektion ausschüttet. "Wir haben bei dem Mädchen zwei Gruppen von Proteinen entdeckt, die auf eine schwere Entzündung der Lunge hindeuten", schreiben Corthals und ihre Kollegen. Weitere Proteine seien Anzeiger für eine Infektion der Atemwege gewesen.

Als die Forscher die Lunge des Mädchens durchleuchteten, fanden sie dort Veränderungen, die ebenfalls auf eine Lungenentzündung hindeuteten. Alles spreche dafür, dass das 15-jährige Mädchen zum Zeitpunkt seiner Opferung krank war und an einer Lungenentzündung litt, vielleicht verbunden mit einer Infektion der oberen Atemwege, sagen die Forscher. Der Junge hingegen sei offenbar gesund gewesen. Bei ihm habe man keinerlei Anzeichen für eine akute Infektion festgestellt. (dapd)



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