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Unfall

Immer mehr psychische Erkrankungen nach Verkehrsunfällen

29.07.2012 | 08:45 Uhr
Viele Autofahrer leiden nach einem Unfall unter einer psychischen Erkrankung.

Berlin.  Nach einem Unfall leiden viele Verkehrsteilnehmer unter psychischen Schwierigkeiten. Solche Folge-Erkrankungen können bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Allerdings ist eine eindeutige Diagnose häufig schwierig. Denn ernsthaft Erkrankte und reine Simultanten sind nicht immer klar zu unterscheiden.

Durch einen Unfall verletzte Verkehrsteilnehmer haben immer häufiger auch psychische Schwierigkeiten . 'Solche Erkrankungen nach Verkehrsunfällen sind eindeutig auf dem Vormarsch', bestätigt Michael Burmann von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Konkrete Zahlen gibt es für Deutschland noch nicht. Doch schon 2001 stellte eine britische Untersuchung bei 1.441 Unfallopfer fest, dass rund 17 Prozent der Betroffenen ein Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) entwickelt haben. Das ist eine schwere seelische Erkrankung, unter der vor allem Soldaten nach Kriegseinsätzen oder Entführungsopfer leiden.

Seelisches Leiden

Begünstigt wird PTBS, wenn die Betroffenen gleichzeitig ihre Lebenssituation sehr negativ beurteilen, finanzielle Probleme haben oder sich ungerecht behandelt fühlen. Vielfach können die Unfallopfer nicht mehr arbeiten. Ein Blick in die Rentenstatistik beweist, dass in Deutschland seelische Erkrankungen mittlerweile die Hauptursache für einen vorzeitigen Jobausstieg sind.

So hat sich der Anteil der Erwerbstätigen in den letzten 14 Jahren mehr als verdoppelt. Während der Anteil laut Deutscher Rentenversicherung 1993 noch bei 15 Prozent lag, erreichte er im vergangenen Jahr mit 41 Prozent einen neuen Höchststand. Und der Anteil an Simulanten? Betroffen sind nun im zunehmenden Maße die jährlich rund 400.000 Verkehrsunfallopfer. Löst der Verkehrsunfall ein seelisches Leiden aus, muss der Unfallgegner, also in der Regel ein Kfz-Haftpflichtversicherer, für den Schaden aufkommen.

Schwierige Diagnose

Derzeit tobt hinter den Kulissen ein Streit zwischen Versicherer, Anwälten und Medizinern, wie Psychoschäden nach Verkehrsunfällen sauber erkannt und in ihrem Ausmaß bestimmt werden können. Grund: Schon kleine Verkehrsunfälle können bei stark beanspruchten Personen eine seelische Erkrankung auslösen. Scheinbar sind zudem immer wieder Opfer betroffen, die lediglich durch einen Auffahrunfall ein leichtes Schleudertrauma erlitten haben.

Grundsätzlich ist es nicht ausgeschlossen, dass ein kleiner Unfall, eine große Wirkung entfaltet. Vielfach ist dann keinerlei Körperverletzung feststellbar. Indizien für einen Psychoschaden sind laut Prof. Rolf Schneider, Chefarzt der Neurologischen Klinik in Aschaffenburg, eine starke Desorientierung direkt nach dem Unfall sowie anhaltende Angstzustände, Phantomschmerzen oder schwere Erschöpfung. Die Diagnose ist aber äußerst schwierig.

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