Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Aids

Immer mehr Menschen in Unganda verzichten auf Verhütung

09.06.2013 | 05:45 Uhr
Immer mehr Menschen in Unganda verzichten auf Verhütung
Die Uganderin Bessie: Kondome benutzt die 23- Jährige nicht. Sie reagiert allergisch auf Latex.Foto: dpa

Kampala.  Lange galt Uganda als Musterbeispiel in der Aids-Bekämpfung. Die Zahl der Neuinfektionen konnte vor Jahren drastisch gesenkt werden. Aber nun haben die Menschen die Angst verloren. Viele glauben, die Krankheit sei mittlerweile heilbar - und verzichten auf Kondome.

"Ich habe jedes Jahr mindestens drei verschiedene Sexualpartner." Die hochgewachsene Bessie spricht Klartext. Bisher war noch keiner dabei, der ihr einen Heiratsantrag machte - deshalb sucht die Uganderin weiter. Kondome benutzt die 23-Jährige trotz ihres regen Sexuallebens nicht, weil sie allergisch auf Latex reagiert. "Ich bekomme dann Ausschlag am ganzen Körper", sagt sie. Hat sie keine Angst vor Aids? Schließlich war Uganda lange eines der am schlimmsten von der Viruskrankheit betroffenen Länder Afrikas. "Die Kondom -Allergie macht mir mehr Sorgen", erklärt Bessie. "Außerdem bin ich nicht infiziert."

Dieses sorglose und gleichzeitig lebensgefährliche Verhalten ist in dem ostafrikanischen Land mittlerweile weit verbreitet. Aids -Experten machen sich Sorgen, dass alle bisher erzielten Erfolge im Kampf gegen die Epidemie bald zunichte sein könnten. Die Menschen sind zu dem Lebensstil zurückgekehrt, den sie vor dem Auftreten des Virus' hatten: "Ungeschützter Sex ist wieder an der Tagesordnung", teilte die staatliche "Uganda Aids Commission" (UAC) kürzlich mit.

Epideme erreichte in den 1990er-Jahren Höhepunkt

Die Zahlen sprechen für sich: In den 1990er-Jahren erreichte die Epidemie in Uganda ihren Höhepunkt, rund 18 Prozent der Bevölkerung war mit HIV infiziert. Viele starben, weil keine Medikamente erhältlich waren. Durch ehrgeizige und kostenintensive Aufklärungsprogramme der Regierung und internationaler Organisationen konnte die Zahl auf erstaunliche 5 Prozent im Jahr 2000 gesenkt werden. "Abstinenz, Treue und Kondome", lautete die Botschaft. Heute liegt der Anteil der HIV-Positiven wieder bei 7,3 Prozent. 1,4 Millionen Menschen in Uganda tragen das HI-Virus in sich - das sind 200.000 mehr als zur Jahrtausendwende.

Wenn der Trend anhalte, werde es in den nächsten fünf Jahren mehr als 700.000 Neuinfektionen geben, schätzt die UAC. "Jeden Tag kommen mehr Patienten", berichtet auch der Arzt Dickson Wabwire, der das 20 Kilometer östlich von Kampala gelegene Mukono Gesundheitszentrum leitet. Die ganze Einstellung der Leute in puncto Aids habe sich verändert, sagt er. "Ich werde oft gefragt: "Warum soll ich ein Kondom benutzen? Soll ich ohne Kinder sterben?"

  1. Seite 1: Immer mehr Menschen in Unganda verzichten auf Verhütung
    Seite 2: Therapie kann lediglich den Ausbruch verhindern

1 | 2



Kommentare
09.06.2013
22:50
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Aus dem Ressort
Was Wanderer mit Herz-Kreislauf-Problemen beachten sollten
Herzerkrankungen
Wer Probleme mit dem Herz-Kreislauf hat, kann trotzdem auf Wandertour in die Berge gehen. Probleme tauchen erst zwischen 2500 und 3500 Metern Höhe auf. Wer keine Herzschwäche hat, kann problemlos weiterwandern. Trotzdem sollten sich betroffene Wanderer erst einmal in den Bergen akklimatisieren.
Was gegen Osteoporose vorbeugt
Knochen
Damit Osteoporose vorgebeugt und die Knochen gestärkt werden, sollte man täglich mindestens eine hablbe Stunde an der frischen Luft Sonne tanken. Außerdem ist eine ausgewogene Ernährung, die viel Kalzium enthält wichtig. Dieses befindet sich in Gemüse und Milchprodukten. Sport fördert außerdem.
Wie Schwangere ihren Arbeitsalltag gut meistert
Vorbeugung
Viele Frauen leiden am Anfang ihrer Schwangerschaft unter Übelkeit. Gerade auf der Arbeit kann es dazu kommen. Wichtig ist es die Mahlzeiten in kleine Portionen aufzuteilen. Viel Flüssigkeit und ein gesundes Maß an Bewegung sind außerdem wichtig und helfen besonders gut bei Kreislaufproblemen.
Immer mehr Menschen wegen Osteoporose in Behandlung
Statistik
Im vergangenen Jahr wurden in NRW 14.000 Menschen wegen Osteoporose behandelt. Das sind 2,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zu 2006 ist das sogar eine Steigerung von rund 22,4 Prozent. Rund zwei Drittel aller Patienten waren weiblich.
Erste Periodenblutung - Eltern sollten früh aufklären
Tipps
Beim Thema erste Periodenblutung sollten Eltern rechtzeitig mit der Aufklärung beginnen, da dieses Thema für viele junge Mädchen mit Scham und Ekel besetzt ist. Ein guter Indikator: Brustwachstum und Schambehaarung können erste Vorboten für die erste Regel sein.
Umfrage
Der Streik der Lokführer erhitzt weiter die Gemüter. Bahn und Gewerkschaft werfen sich gegenseitig verantwortungsloses Verhalten vor. Wie sehen Sie das?

Der Streik der Lokführer erhitzt weiter die Gemüter. Bahn und Gewerkschaft werfen sich gegenseitig verantwortungsloses Verhalten vor. Wie sehen Sie das?

 
Fotos und Videos