Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Rauchentwöhnung

Gewichtszunahme nach Rauchentzug nicht schlimm

13.03.2013 | 08:45 Uhr
Jede zweite Raucherin und jeder vierte Raucher haben sich Gedanken über einen Entzug gemacht.Foto: Frank Vinken

Chicago.  Viele Raucher wollen mit dem Rauchen nicht aufhören, weil sie Angst davor haben, immens zuzunehmen und dadurch ihr Herz-Kreislauf-System stärker zu belasten. US-Forscher geben hier Entwarnung und raten dennoch zur Entwöhnung. Auch Diabetiker können die Zigarette unbedenklich zur Seite legen.

Zum Ärger vieler Raucher ist der dauerhafte Abschied von der Zigarette häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden. Die gute Nachricht: Das zusätzliche Gewicht hat keine nachweisbare negative Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System. Das Risiko einer solchen Erkrankung halbiert sich durch den Rauchstopp dennoch. Das berichten US-Mediziner im Fachjournal "JAMA" (doi: 10.1001/jama.2013.1644).

Wer mit dem Rauchen aufhört, verbessert damit in vielerlei Hinsicht seine Gesundheit. Von den wenigen Nebenwirkungen bereitet die häufig damit einher gehende Gewichtszunahme den meisten angehenden Nichtrauchern Sorge. Übergewicht ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ob dadurch die positiven Effekte des Rauchstopps auf das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung eingeschränkt werden, war bislang nicht geklärt.

Nach Entzug durchschnittlich 2,7 Kilo zugenommen

Die Medizinerin Carole Claire vom Massachusetts General Hospital in Boston und ihre Kollegen werteten die Daten von 3.251 Studienteilnehmern aus, die durchschnittlich über 25 Jahre begleitet und alle vier Jahre befragt wurden. Dauerhafte Nichtraucher hatten in den vier Jahren seit der letzten Befragung durchschnittlich ein halbes Kilo zugelegt. Teilnehmer, die bei der vorherigen Befragung berichteten, mit dem Rauchen aufgehört zu haben, hatten seitdem durchschnittlich mehr als fünf Mal so viel - 2,7 Kilo - zugenommen.

Schockbilder auf Zigaretten

Lag der Abschied von der Zigarette noch länger zurück, hatte sich das Gewicht der Teilnehmer in den letzten vier Jahren um 0,9 Kilo erhöht. Bei Diabetespatienten, die in der jüngeren Vergangenheit mit dem Rauchen aufgehört hatten, betrug die Zunahme 3,6 Kilo. Diabetespatienten, deren Abschied von der Zigarette länger zurück lag, zeigten keine Gewichtsveränderung seit der letzten Befragung.

Im Zeitraum der Untersuchung traten 631 Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Trotz der Gewichtszunahme waren ehemalige Raucher nur halb so oft betroffen wie aktive Raucher. Von den Menschen ohne Diabetes hätten die, die mit dem Rauchen aufhörten, ein 50 Prozent verringertes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehabt, berichtet Seniorautor James Meigs vom Massachusetts General Hospital. Keine der Gewichtszunahmen habe diese Risikoverringerung verändert. Ob der Abschied von der Zigarette vier Jahre oder deutlich länger zurück lag, war praktisch unerheblich.

Auch Diabetespatienten profitieren vom Rauchstopp

Ähnliches beobachteten die Forscher auch für die Gruppe der Diabetespatienten - allerdings war die Gruppe zu klein, um eine statistisch signifikante Aussage abzuleiten. "Wir können jetzt ohne Zweifel sagen, dass es einen sehr positiven Effekt auf Herz-Kreislauf-Risiken hat, mit dem Rauchen aufzuhören", resümiert Meigs. Das gelte gleichermaßen für Patienten mit und ohne Diabetes, und auch dann, wenn sie wie in dieser Studie moderat zunehmen.

In einem begleitenden Kommentar heißt es in JAMA, dass jede zweite Raucherin und jeder vierte Raucher sich Gedanken über eine mögliche Zunahme nach dem Entzug machten. Die neue Erkenntnis könne zwar nicht die Bedenken hinsichtlich des Aussehens beseitigen, hilfreich sei sie aber allemal. (dapd)


Kommentare
Aus dem Ressort
Was Patienten bei Verdacht auf Behandlungsfehler tun können
Gesundheit
Für ein fatales Versehen nach einer Schönheits-OP müssen jetzt eine Mainzer Klinik, ein Arzt und eine Medizinstudentin haften. Wenn Patienten glauben, ihr Arzt habe einen Fehler gemacht, sollten sie wissen, wie sie sich wehren können. Hier erhalten Sie die wichtigsten Informationen.
Hattinger Klinikärzte implantieren zwei winzige Herzmonitore
Medizin
In der Klinik Blankenstein wurden zwei Patienten moderne Monitore implantiert, die so winzig sind wie nie und den Herzrhythmus überwachen. Die Geräte sind auch für Patienten mit Schwindelanfällen interessant und können sogar ambulant eingesetzt werden - wenn die Krankenkassen denn zahlen würden.
Pflegereform - womit Patienten und Angehörige rechnen können
Gesundheit
Die Pflegesätze sollen ab Januar 2015 um vier Prozent steigen. Auch die Zuschüsse für Hilfsmittel werden angehoben, außerdem ändern sich manche Regelungen für pflegende Angehörige. Die Reformpläne im Überblick.
Hohe Feinstaubbelastung in deutschen Städten
Umwelt
Laut Umweltbundesamt zeichnet sich an zahlreichen Messstellen in Deutschland schon jetzt ab, dass die Grenzwerte für Feinstaub in diesem Jahr überschritten werden. Die winzigen Partikel in der Luft können beim Einatmen die Gesundheit gefährden. Experten fordern daher weitere Maßnahmen.
Senioren sollten Gymnastik im Wasser machen
Aquafitness
Schwerelos Trainieren: Gymnastikübungen im Wasser wirken leichter und schonen die Gelenke. Deswegen bietet sich Aquafitness für Senioren besonders an. Kurse für Wassergymnastik lassen sich in vielen Sportvereinen, Fitnessclubs und Volkshochschulen finden.
Umfrage
Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?

Viele Kommunen kämpfen mit Privatfirmen um Altkleider. Was machen Sie mit Ihren abgelegten Sachen?

 
Fotos und Videos