Gefährliche Blutsauger - das müssen Sie über Zecken wissen

Zecken fangen klein an und werden immer größer, je mehr Blut sie aufsaugen. Foto: dapd
Zecken fangen klein an und werden immer größer, je mehr Blut sie aufsaugen. Foto: dapd
Foto: ddp images/Michael Urban
Was wir bereits wissen
Im Spätsommer werden die Zecken richtig aktiv und suchen frisches Blut. Lavendelöl soll die Tiere abschrecken. Stechen sie doch zu, ist Vorsicht geboten. Man sollte sie beispielsweise nicht mit Öl oder Klebstoff ersticken, raten Experten.

Berlin.. Wenn man die Fotos so richtig schön vergrößert, wird aus dem winzigen Spinnentier ein furchteinflößendes „Monster“. Zecken brauchen Blut zum Überleben. Sie warten im Wald, auf Wiesen, in Parks, Freibädern, Spielplätzen oder im heimischen Garten auf Tiere oder Menschen. Sie sitzen an Zweigen und Gräsern, meist in Kniehöhe.

Haben die Parasiten einen sogenannten Wirt gefunden, an den sie sich geheftet haben, suchen sie nach der richtigen Hautpartie, stechen zu und saugen. Wenn sie nicht entdeckt werden, saugen sie je nach Entwicklungsstadium drei bis sieben Tage. Dabei können sie Krankheitserreger übertragen und Infektionen auslösen – Borreliose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Was Sie wissen müssen.

Der Herbst steht vor der Tür. Was bedeutet das für die Gefahr von Zeckenstichen?

Die Zecken sind vor allem im Frühjahr, Spätsommer und Herbst aktiv. Im Sommer – es sei denn, er ist so feucht wie in diesem Jahr – erstarren sie etwas. „Sie versuchen dann in der Regel, einfach zu überleben“, sagt Dr. Tomas Jelinek, Facharzt für Infektiologie und Leiter des Berliner Centrums für Reise- und Tropenmedizin.

Im Spätsommer und Herbst suchen die Zecken dagegen jede Gelegenheit, Wirte zu finden, um die Art zu erhalten. Ohne frisches Blut überleben viele den Winter nicht, auch wenn die Tiere sehr genügsam sind und Jahre ohne Wirt auskommen können. Generell gilt: Zecken können ab einer Lufttemperatur von sieben Grad aktiv sein.

In welchen Regionen und Ländern sind die Parasiten aktiv?

Zecken gibt es weltweit. Überall in gemäßigten Klimazonen auf der Nordhalbkugel und in Australien, so das Zentrum für Reisemedizin, können sie Borreliose übertragen. „Das FSME-Virus dagegen tritt regional auf, vor allem in Süddeutschland, aber auch in einzelnen Landkreisen von Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen.

In diesem Jahr ist ein Kreis im Saarland dazu gekommen“, sagt Tomas Jelinek. Darüber hinaus gibt es FSME in Teilen von Österreich, der Schweiz, in Skandinavien und Osteuropa. In zehn Jahren, rechnen Experten, könne es zu FSME-Einzelfällen in den meisten deutschen Bundesländern kommen.

Wie häufig übertragen Zecken Infektionen?

FSME ist eine meldepflichtige Infektion. Pro Jahr werden zwischen 400 und 600 Fälle registriert. Borreliose ist nur in Ostdeutschland meldepflichtig. Hier gibt es keine gesicherten Zahlen, die Schätzungen schwanken erheblich, „zwischen 20 000 und 200 000“, so Tomas Jelinek. Er hält die Schätzung von 60 000 für die wahrscheinlichste.

An welchen Körperstellen beim Menschen stechen Zecken bevorzugt zu?

Bauchnabel, Achseln, hinter den Ohren, in der Leistengegend, in Kniekehlen, bei Frauen unter der Brust, bei kleinen Kindern auch auf dem Kopf. Die Zecken suchen diese Stellen aus zwei Gründen: Dort ist es warm, und dort riecht es gut. Weil Zecken auch beim Tier warme und gut riechende Stellen suchen, wächst für Zecken-Männchen an diesen Stellen auch die Chance, eine Partnerin zu finden. Jelinek: „Die männlichen Zecken suchen eher Sex als Blut.“

Kann ich mich gegen Zecken schützen?

„Sie sind anders als Mücken, stechen nicht sofort zu, sondern wandern mitunter stundenlang auf dem Wirt umher“, sagt Jelinek. Damit Zecken nicht auf die Menschenhaut gelangen, sollten Wanderer festes Schuhwerk und lange, dichte Hosen tragen. Auch das Einschmieren belieber Hautpartien mit Zecken-Abwehrmitteln (Repellentien) macht Sinn.

„Sie können den Zecken so das Leben schwer machen. Am besten helfen natürliche Stoffe wie Citronella und Lavendelöl“, so Jelinek. Nach einer Wanderung oder einem Spaziergang sollte die Kleidung auf Zecken untersucht werden – sie sind nur 2,5 bis 3,5 Millimeter groß. Auch Haustiere sollten regelmäßig abgetastet werden. Zecken können beim Streicheln der Tiere auf den Menschen übergehen.

Was muss ich beim Entfernen einer Zecke beachten?

Die weitverbreitete Ansicht, Zecken sollten am besten herausgedreht werden, sind laut Naturschutzbund (Nabu) falsch. Es sollten auch weder Klebstoff, noch Öl oder Cremes benutzt werden, um die Zecken zu ersticken, weil die Tiere im Todeskampf Viren (FSME) und Bakterien (Borreliose) in das Blut abgeben könnten.

Die sicherste Methode: Die Zecke möglichst dicht an der Haut mit einer Pinzette oder Zeckenzange packen und vorsichtig ziehen. Der Hinterleib des Tieres sollte dabei auf keinen Fall gequetscht werden.

Ein weiteres Instrument: die so genannte Safe-Card, eine Scheckkarte mit zwei ausgestanzten Schienen, mit der sich alle Zeckenstadien leicht fassen und entfernen lassen. Safe-Cards sind für etwa 2,50 Euro pro Stück in Apotheken oder im Zoohandel erhältlich. Ist die Zecke entfernt, sollte die Einstichstelle desinfiziert werden.