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Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst

07.08.2012 | 19:31 Uhr
Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst
Jedes vierte Herz und mehr als jede dritte Leber werden direkt vermittelt - deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.Foto: dapd

Berlin.  Die Krankenhäuser in Deutschland wählen die Empfänger von Spenderorganen immer häufiger selbst aus. Damit steigt die Sorge, dass bei der Organvergabe Manipulation im Spiel sein könnte. Auch Ärzte finden diese Entwicklung bedenklich. Sie fordern: Der Sonderfall dürfe nicht zur Regel werden.

Die Krankenhäuser in Deutschland wählen die Empfänger von Spenderorganen immer häu­figer selbst aus . Damit steigt die ­Sorge, dass bei der Organvergabe Manipulation im Spiel sein könnte.

So werden inzwischen jedes vierte Herz und gut 37 Prozent aller ­Lebern direkt vermittelt. Vor zehn Jahren waren es jeweils weniger als zehn Prozent. Dies geht aus der Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage des Abgeordneten Harald Terpe (Grüne) hervor.

Besonders deutlich ist der Anstieg in NRW. Das belegen Zahlen der Organvermittlungsstelle Eurotransplant, die der WAZ Mediengruppe vorliegen. Wurden im Jahr 2002 nur 14 Lebern im „beschleunigten Verfahren“ weitergegeben, waren es 2011 bereits 125 – das war jede zweite Leber.

Eurotransplant vermittelt Organe in sieben europäische Staaten

Im Normalfall vermittelt Eurotransplant Organe in sieben Staaten Europas. Transplantationszentren können Organe aber an der offiziellen Warteliste vorbei in Eigenregie vergeben, wenn drei andere Kliniken – bei Nieren fünf – nicht zugreifen. Dies kann passieren, wenn der Spender alt oder krank und das Organ damit schwer vermittelbar ist.

Eugen Brysch von der Patientenschutzorganisation Deutsche ­Hospiz Stiftung sieht in der ­beschleunigten Vergabe jedoch eine „Einflugschneise“ für Manipulation. „Ich befürchte, dass Organspender kränker dargestellt wurden, als sie es tatsächlich waren“, sagte Brysch zur WAZ Mediengruppe . Anders könne er sich den ­starken Anstieg nicht erklären.

Zunahme bei der schnellen Vermittlung irritiert Ärzte

Die Zunahme bei der schnellen Vermittlung irritiere erheblich, sagte der Präsident der Bundesärzte­kammer, Frank Ulrich Montgomery, dem Tagesspiegel. Der Sonderfall dürfe nicht zur Regel werden.

„Die Manipulations-Risiken sind der Bundesregierung seit mindestens 2009 bekannt“, erklärte Terpe – mit Blick auf eine Studie des Iges-Instituts für das Gesundheitsministerium. Der Report sprich von einer „Manipulations-Anfälligkeit“ vor ­allem bei Lungen- und Herztransplantationen. „Die Regierung hat bislang nichts unternommen, um mehr Transparenz beim so genannten beschleunigten Verfahren zu schaffen und die Missbrauchsan­fälligkeit zu reduzieren“, so Terpe.

Das Gesundheitsministerium aber sieht vorerst keinen Handlungsbedarf und begründet den ­Anstieg mit den immer älter werdenden Spendern – und damit mehr schwer vermittelbaren Organen.

 

Daniel Freudenreich

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Kommentare
08.08.2012
13:45
Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst
von wimmel | #14

Das ist mir hier zu albern :-))

08.08.2012
12:43
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08.08.2012
12:14
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08.08.2012
11:44
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Name von Moderation entfernt | #11

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08.08.2012
11:24
Ihren Spendenausweis,...
von Cebulon | #10

...lieber Ex-Leser | #9, sollten Sie nicht Schreddern!

Denn gerade der Mangel an Spenderorgane ist die Ursache dessen was geschehen ist.

Immer der große Anteil derer, der in Existenznot geratener Menschen zu einer kleinen wohlhabenden Schicht, verleiht Geld und Gut, wer es denn besitzt, zu einem solch einer Macht. Korruption und ogranisierte Kriminalität sind auch immer Auswüchse von Armut. In Indien verkaufen gesunde Menschen ein Organ um leben zu können und befleißigen damit einen schwunghaften illegalen Organhandel. Orgnisationen, wie die Mafia, entstehen immer in Strukturarmen Gebieten, wie im Süden Italiens, oder in Russland zur Zeit des Umbruchs, wo jeglicher Mittelstand fehlt.

Also besser eine Regelung finden, die für genügend Spenderorgane bereithält, als den Spenderausweis schreddern. Allerdings ist da der Gesetzgeber gefragt.

08.08.2012
10:23
Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst
von Ex-Leser | #9

Was ich bei der "Berichterstattung" sämtlicher Medien vermisse, ist die Aussage, ob die Ärzte eine finanzielle Gegenleistung bekommen haben, damit sie Ihre Patienten vorziehen.

Oder hat der Arzt einfach so manipuliert, daß kritische Patienten, welche nicht in das typische Auswahlverfahren passten, dann doch irgendwie passten.

Kann aber auch sein, daß ich das einfach überlsen habe, oder daß man sofort von die "Finanzspritze" für die Ärzte ausgeht.

Nun gut, solltte sich wirklich herausstellen, daß man Organ kaufen kann, werde ich meinen Spenderausweiß wohl schreddern.
Im Falle des Falles sollen meine Angehörigen entscheiden, ob man mich ausschlachtet und wer wieviel zu zahlen hat, vielelicht finanziert sich so ja die Beerdigung.
:-(

08.08.2012
09:59
Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst
von charitylaird | #8

Haste was biste was. Dieser alte Spruch scheint sich mal wieder zu bestätigen! Haste merh, biste auch mehr und dann kommste schneller an ein neues Organ. Und der Pöbel kann ruhig krepieren, da ist es nicht schade drum. Offensichtlich sind wir schon wieder soweit, Geld regiert die Welt, obwohl, war es eigentlich jemals anders?

08.08.2012
09:31
Was ist ...
von Partik | #7

... eigentlich mit den künstlich krank laborierten Empfängern der Organe? Wussten die davon, ober haben die sogar noch gesagt bekommen, sie seien kurz vor dem Tode?

Beides wäre natürlich ein starkes Stück. Insgesamt hinterlässt aber auch das einen schalen Geschmack, wenn man bedenkt, dass sich der ein oder andere Empfänger sicher wurden wird, warum er bei halbwegs stabilisierter Gesundheit ein Organ bekommt, während nebenan der todkranke Nachbar ohne Organ stirbt ...

08.08.2012
09:27
Eigentlich ...
von Partik | #6

... müsste das allein beim Wort "Spende" jedem klar sein, wie der Hase laufen wird.

Wo es etwas umsonst gibt, finden sich sofort eine gewisse Menge an Nassauern ein, die aus der Spende ihren persönlichen Vorteil ziehen wollen.

Spontan erinnert mich das an die vielen nicht registrierten und auch insgesamt nicht besonders gut überwachten, fragwürdigen Spendensammler mit ihren Klingeldosen in der weihnachtlichen Fußgängerzone.

Interessant dürfte allerdings das Vorgehen werden, wenn jetzt, wie zu erwarten, die Spendenbereitschaft deutlich absinkt. Müssen jetzt die künstlich krank gemachten Vordrängler nur deutlich mehr bezahlen, oder kommen jetzt wirklich die dringlichsten Fälle zuerst dran?

08.08.2012
09:20
Furcht vor Manipulation bei Organspenden wächst
von B.Schmitz | #5

Für mich stand schon immer fest, wer Geld hat kauft sich ein Organ. In meinen Augen sind Menschen die eine bestimmte Position haben bei einer bestimmten Summe käuflich. Das einzige gerechte ist, dass Menschen mit Geld sich nicht ein Leben kaufen können, sondern nur eine Verlängerung ihres Lebens.Das die Korruption sich immer weiter ausbreitet müsste doch wohl jedem klar sein.

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