Frühjahrsmüdigkeit - was tun, wenn man sich schlapp fühlt?

Draußen tobt das Leben, doch der Mensch ist müde. Ein Fall von Frühjahrsmüdigkeit.
Draußen tobt das Leben, doch der Mensch ist müde. Ein Fall von Frühjahrsmüdigkeit.
Foto: Getty
Was wir bereits wissen
Wenn die Natur erwacht, wird manch ein Mensch eher schläfrig. Ob es die Frühjahrsmüdigkeit wirklich gibt, ist aber unter Wissenschaftlern umstritten.

Essen.. „Oh Mann, bin ich wieder müde – das ist bestimmt die Frühjahrsmüdigkeit.“ Solche Sätze fallen häufig, wenn der Winter uns den Rücken kehrt und die Tage länger und heller werden.

Es gibt Menschen, die auf diesen Umschwung mit Befindlichkeitsstörungen reagieren. Das sind Empfindungen, die in der Regel keinen Krankheitswert haben, sondern eher mit diffusem Unwohlsein beschrieben werden können. Müdigkeit, Kopfschmerz und Kreislaufprobleme, alles Symptome, die eine sogenannte Frühjahrsmüdigkeit auslösen kann.

Jahreszeitenwechsel Warum manch ein Körper so reagiert, lässt sich mit verschiedenen Erklärungsansätzen begründen. Eine besondere Rolle bei der Müdigkeit spielt gleichwohl unser Hormonhaushalt. Das „Schlafhormon“ Melatonin ist im Winter, wenn die Tage kürzer sind, bei uns erhöht. Melatonin stellt unser Körper selbst her. Die Zirbeldrüse, eine kleine Hirnregion, schüttet es bei Dunkelheit aus. Das ist der Grund, warum wir abends müde werden.

Nimmt das Licht zu, sinkt der Melatoninspiegel

Hemmend wirkt hingegen Licht auf die Produktion des Botenstoffs. Im Frühjahr gibt es mehr Licht – damit geht der Melatoninspiegel runter und das Serotonin und Dopamin hoch. Beide Hormone sorgen unter anderem für Motivation und Glücksgefühle.

„Dazwischen mag es noch bei einigen etwa ein bis zwei Wochen einen Überhang an Melatonin geben“, sagt der Hormonspezialist Professor Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Das könne dazu führen, dass empfindliche Menschen wenige Tage etwas müder seien als normal. So ganz überzeugt klingt Schatz dabei nicht. Dass die Frühjahrsmüdigkeit ein verbreitetes Phänomen sei und der Grund für diverse Probleme, könne er nicht bestätigen. „Vielmehr zeigt sich im Frühjahr etwas, das vorher nicht zutage gefördert wurde“, so der Endokrinologe. Gemeint ist damit, dass gesundheitliche Probleme wie Depressionen oder auch lavierte, also getarnte Depressionen, die Ursache für Antriebslosigkeit und Müdigkeit sein könnten. „Wenn draußen alles aufblüht, andere Menschen viel rausgehen, gute Laune haben, dann fällt es einfach stärker auf, wenn jemand muffelig drauf ist.“

Eisenmangel kann zu Dauermüdigkeit führen

Hält die Müdigkeit länger an, sollte man in jedem Fall andere körperliche Ursachen ausschließen. Die Ursachensuche ist bei chronischer Müdigkeit nicht gerade einfach, weil es sehr viele verschiedene Gründe geben kann. So kann ein verschleppter Infekt oder ein Eisenmangel zu Dauermüdigkeit führen. Für die Anamnese beim Arzt ist es wichtig, dass der Betroffene selbst eine Art Müdigkeitstagebuch führt. Darin sollte zum Beispiel notiert werden, wann die Müdigkeit besonders auffällt, ob sie tageszeitenabhängig ist oder vielleicht mit der Einnahme von bestimmten Medikamenten zusammenhängen könnte. Auch der Schlaf an sich sollte gut beobachtet werden: Gibt es bestimmte Uhrzeiten, zu denen man nachts aufwacht, oder fällt dem Partner auf, dass man schnarcht?

Verzicht Müde sein ist nervig und vielleicht auch unangenehm gegenüber anderen Menschen, wenn das ständige Gähnen hinzukommt. Heute will man vital und fit wirken, nicht schlapp. Ob es die Frühjahrsmüdigkeit wirklich gibt, das ist in der Wissenschaft umstritten. Blickt man auf das Jahr mit seinen vier Jahreszeiten, so fällt auf: Im Winter soll die Winterdepression für die Müdigkeit verantwortlich sein, im Frühjahr die Frühjahrsmüdigkeit, im Sommer langt die Hitze zu und im Herbst, da kommt der Herbstblues. Es scheint, als suchten die Menschen als erstes nach den greifbaren Ursachen – und was ist da erst mal naheliegender als das Wetter.

Klar zu sein scheint, dass es wetterfühlige Menschen gibt, die empfindsamer als andere auf klimatische Veränderungen reagieren. Langanhaltende Beschwerden sollten jedoch immer medizinisch abgeklärt werden. Die Frühjahrsmüdigkeit zeigt sich – wenn überhaupt – jedenfalls nur kurz: Als kleiner Stolperstein auf dem Weg ins Frühjahr.