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Fragen und Antworten zu resistenten Krankenhauskeimen

04.11.2011 | 11:45 Uhr
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Fragen und Antworten zu resistenten Krankenhauskeimen
Die Probleme mit multiresistenten Keimen in deutschen Krankenhäusern häufen sich.Foto: imago

Leipzig.  Der Tod von drei Neugeborenen in einem Bremer Krankenhaus hat die Gefahr von Krankenhauskeimen erneut verdeutlicht. Doch wie gefährlich sind die Erreger wirklich? Und welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es es? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Keimfreie Krankenzimmer, sterile Instrumente und saubere Hände: Wer im Krankenhaus behandelt wird, erwartet in der Regel hohe Hygienestandards. Dennoch infizieren sich jährlich hunderttausende Menschen in deutschen Krankenhäusern mit gefährlichen Keimen.

Tausende sterben daran, wie nun drei Neugeborene in einem Bremer Krankenhaus . Bakterien, die gegen Antibiotika weitgehend unempfindlich sind, sind ein zunehmendes Problem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altenheimen.

Um welche Erreger geht es?

In den meisten Fällen handelt es sich um den Methillicin-resistenten Staphylococcus aureus - kurz MRSA. Der Bakterienstamm kann schwere bis tödliche Infektionen verursachen und ist gegen die meisten Antibiotika wie Penicillin unwirksam. Sogenannte Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) können gefährliche Darmkrankheiten auslösen. Hinter einer ESBL-Infektion, die auch für den Tod der Frühchen in Bremen verantwortlich ist, stecken resistente Enterobakterien, die zur normalen menschlichen Darmflora gehören, für Kranke und Schwache aber eine Gefahr sind.

Wie viele Menschen infizieren sich?

Exakte Daten zur Häufigkeit von Krankenhausinfektionen in Deutschland fehlen. Es wird geschätzt, dass sich jedes Jahr rund 400.000 bis eine Million Menschen bei einem Klinikaufenthalt infizieren. Vorsichtige Schätzungen gehen von 7500 bis 15.000 Todesfällen aus. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) beziffert die jährlichen Todesfälle durch Klinikinfektionen hingegen auf bis zu 40.000.

Was macht die Keime so gefährlich?

Für gesunde Menschen ist etwa MRSA in der Regel ungefährlich. Für immungeschwächte Patienten auf Intensivstationen, Krebskranke, Chirurgie-Patienten oder Menschen mit chronischen Wunden hingegen können multiresistente Erreger zur Gefahr werden und unter anderem Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen. Resistente Erreger sind gegen verschiedene Antibiotika unempfindlich geworden, was die Therapiemöglichkeiten deutlich beschränkt. Zudem dauert es oft mehrere Tage, bis der Erreger überhaupt identifiziert ist.

Wie entsteht eine Antibiotikaresistenz?

Die Resistenz von Bakterien zeigt sich darin, dass das Antibiotikum durch spezifische Transport-Systeme aus der Zelle ausgeschleust wird, bevor es überhaupt wirkt oder aber mit Hilfe von Enzymen ausgeschaltet wird. Die Resistenzen können von Bakterium zu Bakterium schnell weitergegeben werden.

Kann MRSA trotzdem behandelt werden?

Grundsätzlich ja. Obwohl MRSA resistent gegen die meisten Antibiotika ist, gibt es so genannte Reserveantibiotika, die in der Regel nur im Krankenhaus gegeben werden.

Wie werden die multiresistenten Erreger übertragen?

Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt, weshalb die Händedesinfektion eine der wichtigsten Mittel im Kampf gegen die Keime ist. Neben einer strikten Hygiene fordern Experten auch einen maßvollen Einsatz von Antibiotika, um Resistenzen zu verhindern. Infektionen im Krankenhaus werden aber auch dadurch begünstigt, dass immer mehr Patienten mit komplizierten Krankheitsverläufen behandelt werden. (afp)

AFP

Kommentare
05.11.2011
06:49
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #3

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.11.2011
16:58
Das Leid der Infizierten
von meuer4 | #2

Jeder der mit diesen Krankenhauskeimen infiziert ist ist ein Opfer zu viel!!!

Ist Hygiene wirklich so teuer? Ist es die Opfer wert?

Und wie wird mit diesen Infizierten dann umgegangen? Meine Mutter hat 11 Monate auf der Isolierstation gelegen und ist dann elend gestorben (MSRA!!!!)

Kann sich irgendjemand vorstellen, wie es ist 11 Monate isoliert zu sein? Das Klinikpersonal hat sich wirklich gut gekümmert und ich war auch jeden Tag da. Aber sonst ist man halt allein!!!! Allein mit den Symtomen, mit der Angst, mit dem immer schlechter werdenden Gesundheitszustand. (Jeder Straftäter hat das Recht auf soziale Kontakte!)

In der Endphase hat meine Mutter 3 Mal die Woche eine Bluttransfusion erhalten!!!! Das war schlimm!!!!

Noch einmal die Frage:

Ist Hygiene so teuer, dass besser Menschen erkranken und sterben können?
Und sollte man im Krankenhaus so am Personal sparen? Was ist Krankenpflege und wann wird sie zur Krankenverwaltung? Warum ist es gerade in Deutschland so schlimm? Wieso schaffen die Holländer es besser?

Mir fallen noch mehr Fragen ein, aber Antworten auf die ersten wären ein guter Anfang!

04.11.2011
14:07
Todesfälle
von joergel | #1

"Vorsichtige Schätzungen gehen von 7500 bis 15.000 Todesfällen aus. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) beziffert die jährlichen Todesfälle durch Klinikinfektionen hingegen auf bis zu 40.000."
Der Skandal ist, dass diese Zahlen von der Allgemeinheit gar nicht zur Kenntnis genommen werden.
Daran ist auch die Presse nicht unschuldig. Jeder Todesfall bei Schweinegrippe, Vogelgrippe und Konsorten wird groß herausgestellt und propagiert. Obwohl daran weniger Menschen verstorben sind, wie bei der normalen saisonalen Grippe. Da wird richtiggehend Hysterie in der Bevölkerung erzeugt, um der Auflagen- und Einschaltquoten willen.
Aber wenn ein Hygiene-Mißstand in Krankenhäusern seit Jahren regelmäßig bis zu 40000 Tote fordert, von den hunterttausenden Infizierten mit schweren körperlichen Leiden ganz zu schweigen, ist das mal gerade ein Bericht am Rande wert.
Aber nur wenn zufällig mal Säuglinge davon betroffen sind. Denn diese Tatsache könnte ja auch die Auflage steigern...

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