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Tierversuche

Forscher testen Verhütung für den Mann per Ultraschall

30.01.2012 | 16:29 Uhr
Forscher testen Verhütung für den Mann per Ultraschall
Noch ist es Zukunftsmusik: An männlichen Ratten erforschen Wissenschaftler derzeit, ob Ultraschall wenigstens zeitweise als Verhütungsmittel funktioniert. Foto: Knut Vahlensieck

Durham/Chapel Hill.  Bei Ratten klappt es. Oder besser: Es klappt nicht. Per Ultraschallbehandlung haben es US-amerikanische Forscher geschafft, die Spermienzahl der Männchen so weit herabzusetzen, dass sie zumindest zeitweilig zeugungsunfähig waren. Die Wissenschaftler sehen Chancen für neue Verhütungsmethoden auch für Menschen.

Ultraschall könnte zukünftig möglicherweise als Verhütungsmittel für den Mann eingesetzt werden. Die Schallwellenbehandlung senkt die Spermienzahl und macht Männer so zeitweilig zeugungsunfähig. Das haben US-amerikanische Forscher in Versuchen mit Ratten herausgefunden.

Schon eine zweimalige Behandlung mit einem handelsüblichen medizinischen Ultraschallgerät reichte aus, um die Spermienzahl bei den Tieren unter die kritische Schwelle zu senken. Weder bei den Ratten noch bei bereits früher getesteten Hunden oder Affen seien dabei schädliche Nebenwirkungen eingetreten, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin "Reproductive Biology and Endocrinology".

"Die nicht-invasive Natur des Ultraschalls und seine Effizienz bei der Reduktion der Spermienzahl macht den therapeutischen Ultraschall zu einem vielversprechenden Kandidaten für ein männliches Verhütungsmittel", schreiben James Tsuruta von der University of North Carolina in Chapel Hill und seine Kollegen. Denn ein ideales Verhütungsmittel für den Mann müsse günstig, verlässlich und reversibel sein und wenig Nebenwirkungen besitzen. Der Ultraschall könne sich möglicherweise als ein solches Mittel erweisen.

Nur ein leichtes Wärmegefühl

In ihrem Experiment hatten sie die Hoden von männlichen Ratten 15 Minuten lang rotierenden Ultraschallwellen einer hohen Frequenz ausgesetzt. Diese Prozedur bereite auch beim Menschen keinerlei Schmerzen oder Unannehmlichkeiten, sagen die Forscher. Das hätte sich bereits in Tests mit Prostatapatienten gezeigt. Diese berichteten lediglich von einem leichten Wärmegefühl. Die Ultraschallbehandlung führe zudem zu keiner Gewebsveränderung oder Schäden in den Hoden. Einzig die Spermienproduktion werde gestört.

"Wir benötigen noch weitere Studien, um herauszufinden, wie lange der Effekt anhält, und ob es sicher ist, diese Behandlung auch mehrere Male zu wiederholen", sagen die Forscher. Sollte sich das Verfahren aber in den weiteren Tests bewähren, eröffne dies eine Chance für Männer, sich zukünftig stärker an der Verhütung und Familienplanung zu beteiligen.

Erste Versuche schon vor 40 Jahren

Bereits vor 40 Jahren gab es erste Versuche, die Spermienzahl bei Männern mittels Ultraschall soweit abzusenken, dass diese zeitweilig unfruchtbar wurden. Obwohl die Ergebnisse positiv waren, wurde diese Methode jedoch nicht weiter verfolgt.

Tsuruta und seine Kollegen haben nun diese Möglichkeit erneut aufgegriffen. Sie wollten vor allem feststellen, ob die heute in den Arztpraxen üblichen Ultraschallgeräte als Verhütungsmethode geeignet wären. Männer gelten als zeugungsunfähig, wenn ihre Spermienzahl auf unter zehn Millionen Spermien pro Milliliter Ejakulat sinkt.

In den Versuchen mit Ratten reduzierte eine zweimalige Behandlung mit Ultraschall deren Spermienzahl nach zwei Wochen auf unter zwei Millionen pro Milliliter. Paarten sich die behandelten Rattenmännchen mit Weibchen, wurden diese nicht trächtig. Das belege, dass dieses Verfahren eine Zeugung effektiv verhindern könne, sagen die Forscher. (dapd)

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