Das aktuelle Wetter NRW 9°C
Neurowissenschaft

Forscher lassen Ratten über Elektroden im Hirn kommunizieren

05.03.2013 | 11:45 Uhr
Forscher lassen Ratten über Elektroden im Hirn kommunizieren
Forscher haben Laborratten über zwei Kontinente hinweg kommunizieren lassen - per Hirnelektroden.

Paris.  Über zwei Kontinente hinweg haben Forscher Ratten kommunizieren lassen - per Elektronen im Hirn der kleinen Nager. Über eine Internetverbindung wurden Impulse von Hirn zu Hirn gesendet. So konnten die Ratten einfache Aufgaben gemeinsam lösen - und die Forscher mit der Art der Verbindung verblüffen.

Ratten, die durch Elektroden in ihren Köpfen miteinander verbunden sind, können über Kontinente hinweg miteinander kommunizieren und gemeinsam einfache Aufgaben lösen. Dies ergab ein Experiment, das der Neurobiologe Miguel Nicolelis vom Institut für Neurowissenschaften im brasilianischen Natal mit Kollegen von der Duke-University im US-Bundesstaat North Carolina vornahm. Die Studie wurde am Donnerstag in der Fachzeitschrift "Nature Scientific Reports" veröffentlicht.

Der Untersuchung zufolge hatte das Forscherteam in Brasilien Ratten zunächst beigebracht, eine einfache Aufgabe zu erfüllen: Um etwas Wasser zu bekommen, mussten sie auf einen Hebel drücken, wenn über diesem eine kleine Lampe aufleuchtete. Anschließend pflanzten die Forscher den Tieren winzige Elektroden in den Teil des Gehirns , der Körperbewegungen steuert, und stellten via Internet eine Verbindung zwischen den Elektroden von jeweils zwei räumlich getrennten Ratten her.

Verbindung funktioniert in beide Richtungen

Die erste Ratte löste die Aufgabe, die sie gelernt hatte, problemlos. In dem Moment, in dem sie den Hebel drückte, wurde ihre Hirntätigkeit in elektrische Impulse verschlüsselt. Diese wurden simultan dem Gehirn der Partner-Ratte übermittelt. Für sie gab es keine Lampe, die ihr den richtigen Hebel anzeigte. Sie war daher völlig auf die Signale ihres Partners angewiesen. Dank dieser Signale hätten die Ratten in 70 Prozent der Fälle die Aufgabe richtig gelöst, versicherten die Forscher.

Die Verbindung funktioniert nach ihren Angaben sogar in beide Richtungen: Wenn sich eine Ratte täuschte, verstärkte die andere die Signale, um sie deutlicher zu machen - und der Empfänger drückte häufiger auf den richtigen Hebel. Wie der "Entschlüssler" es schaffe, die Signale seines Artgenossen zu verstehen und sie in seinem eigenen Hirn umzusetzen, liege aber noch im Dunkeln, räumte Nicolelis ein.

Ein biologischer Computer

"Wir haben eine funktionelle Verbindung zwischen zwei Gehirnen hergestellt und auf diese Weise ein Superhirn geschaffen", fasste der Forscher das Experiment zusammen. In einem nächsten Schritt könnten die Gehirne mehrerer Ratten mit Hilfe von Elektroden miteinander verbunden werden. Dadurch würde eine Art "biologischer Computer" entstehen - ein interaktives Hirn-Netzwerk.

Nach Überzeugung des Neurobiologen könnte das Experiment eines Tages auch Menschen zugute kommen, etwa Gelähmten beziehungsweise Patienten mit dem sogenannten Locked-in-Syndrom , bei dem Menschen bei Bewusstsein, aber körperlich fast vollständig gelähmt sind. (afp)



Kommentare
Aus dem Ressort
Studie beklagt überteuerte Arzneien ohne Zusatznutzen
Medikamente
Die Techniker Krankenkasse (TK) hat an die Ärzte appelliert, bei ihren Verschreibungen stärker auf den Kosten-Nutzen-Faktor von Arzneimitteln zu achten. Nach einer von der TK unterstützten Studie der Uni Bremen könnten jährlich Milliarden Euro gespart werden. Die Wirkung rechtfertige oft die hohen...
DAK meldet weniger Krankschreibungen im ersten Halbjahr 2014
Bericht
Laut DAK haben sich deutsche Arbeitnehmer in der ersten Hälfte des Jahres seltener krankgemeldet als noch im Vorjahr, waren aber durchschnittlich länger krank. Als Grund für diesen Rückgang sehen die Experten vor allem verminderte Zahlen bei Atemwegserkrankungen wie Husten oder Bronchitis.
Der Saisonstart für die jährliche Grippeimpfung steht an
Influenza
Ab September kann die alljährliche Grippeimpfung aufgefrischt werden. Der Impfstoff braucht etwa 10 bis 14 Tage, damit ein adäquater Schutz vorhanden ist. Für Senioren und Allergiker gibt es sogar spezielle Seren. Zudem gibt es auch ein Serum, welches vor dem Influenza-B-Virus schützt.
Beachvolleyball als ideales Ganzkörper- und Ausdauertraining
Gesundheit
Kurze Sprints, Hechten nach dem Ball und erschwertes Laufen im Sand. Beim Beachvolleyball kann man seinen ganzen Körper ideal trainieren und tut zugleich unbewusst etwas Gutes für seine Ausdauer. Doch die Gefahr sich zu überfordern ist laut Experten mitunter sehr groß.
Was Frauen über eine gesunde Scheidenflora wissen sollten
Gynäkologie
Es brennt, es juckt und der Geschlechtsverkehr ist mitunter schmerzhaft: Eine trockene Scheide kann für betroffene Frauen eine echte Qual sein. Doch solche Beschwerden lassen sich oft von vornherein verhindern. Wir klären Frauen auf und geben Tipps, wie sie die Flora ihrer Scheide erhalten können.
Umfrage
In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

In Hagen und Berlin gab es am Dienstag Ebola-Verdachtsfälle. Beide bestätigten sich nicht. Fürchten Sie sich trotzdem vor der Krankheit?

 
Fotos und Videos