Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Krebsforschung

Forscher erleichtern die Suche nach neuen Krebsmitteln

30.03.2012 | 08:45 Uhr
Forscher erleichtern die Suche nach neuen Krebsmitteln
Eine neue Enzyklopädie der Krebszell-Linien erleichtert künftig die Suche nach neuen Krebsmitteln.Foto: ddp

London.  Eine neu geschaffene Enzyklopädie für Krebszell-Linien ermöglicht in Zukunft individuellere Therapiemöglichkeiten. Mit den dort gesammelten Daten, sollen sich Krebs-Erkrankungen stringenter bekämpfen lassen. Es handelt sich hierbei um die erste zentrale Datenbank zu Krebserkrankungen.

Eine neue Enzyklopädie der Krebszell-Linien erleichtert künftig die Suche nach neuen Krebsmitteln. Der bereits knapp 1.000 Zell-Linien umfassende Katalog enthält umfangreiche Daten zum Erbgut und der Genaktivität der Krebszellen und informiert über ihre Sensibilität gegenüber 24 gängigen Wirkstoffen. Mit diesen frei verfügbaren Daten können Krebsforscher gezielter als bisher feststellen, welche Krebstypen auf welche Therapien ansprechen. Dadurch ließen sich Tests an neuen Krebsmitteln beschleunigen, berichtet das internationale Forscherteam im Fachmagazin "Nature".

Die Enzyklopädie ebnet aber auch den Weg zu einer personalisierten Krebsmedizin - einer auf die individuelle genetische Veranlagung des Patienten zugeschnittenen Therapie. "Wir glauben, dass die Cancer Cell Line Encyclopedia (CCLE) Entdeckungen in der gesamten Gemeinde der Krebsforscher katalysieren wird", sagt Todd Golub, Krebsgenetiker der Harvard Medical School in Boston und Mitautor der Studie. Die ersten Schritte für diesen Katalog seien nun getan. Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler mehr als 50.000 genetische und molekulare Merkmale der Krebszelllinien analysiert und zusammengetragen. Speziell entwickelte Algorithmen halfen ihnen dabei, die gewaltigen Datenmengen zu katalogisieren.

Zentraler Katalog fehlte bisher

Rund 1.200 kommerziell erhältliche Krebszell-Linien bilden den Grundstock der Krebsforschung. Die in Kultur gezüchteten entarteten Zellen vermehren sich unendlich lange weiter und können daher jederzeit für Experimente genutzt werden. Bisher gab es allerdings kein zentrales Verzeichnis, in dem Forscher nachschauen konnten, welche genetischen Eigenheiten oder Wirkstoffresistenzen die jeweilige Zell-Linie besitzt.

Erwischen sie einen für ihren Teststoff unsensiblen Zelltyp, kann dies zum Scheitern des Versuchs führen - obwohl sich der Wirkstoff möglicherweise gegen einen anderen Krebstyp durchaus bewährt hätte. "Wenn wir dieses Wissen im Vorhinein haben, kann das die Erfolgsrate bei der Suche nach neuen Krebsmitteln erhöhen", sagt Levi Garraway, einer der beiden Studienleiter vom Dana-Farber Cancer Institute der Harvard Medical School in Boston. So könnte man in klinischen Studien die Krebszellen von Patienten analysieren und dann in der Enzyklopädie nachschauen, ob sie für ein Arzneimittel empfänglich seien. Man könnte dadurch auch verhindern, dass ein Krebspatient eine Chemotherapie erhält, die gegen seinen spezifischen Krebstyp ohnehin nicht hilft.

Enzyklopädie muss weiter ergänzt werden

Die nächste Herausforderung sei es nun, die Informationen in der Enzyklopädie weiter zu ergänzen, sagen die Forscher. Noch habe man erst für rund die Hälfte der 947 erfassten Zelllinien Daten zur Wirkstoffsensibilität. Die zeitgleich ebenfalls in "Nature" erschienenen Ergebnisse einer zweiten Forschergruppe könnten dazu beitragen, dies zu ändern. Die Wissenschaftler hatten mit einem anderen Verfahren die Sensibilität von rund 600 Krebszelllinien gegenüber 130 Wirkstoffen geprüft. Auch sie stießen auf Biomarker, die bei der Suche nach wirksamen Krebsmitteln helfen könnten. (dapd)


Kommentare
Aus dem Ressort
Ärzte fühlen sich unzureichend auf HIV-Beratung vorbereitet
Umfrage
Eine Umfrage in Deutschland ergab, dass sich Ärzte nicht ausreichend auf eine HIV- oder Aids-Beratung vorbereitet fühlen. Der Großteil gab zu, keine kompetenten Auskünfte über die tödliche Krankheit geben zu können. Eine Änderung ist in Anbetracht steigender Infektionszahlen dringend nötig.
Hautkrebs-Operationen in fünf Jahren deutlich gestiegen
Melanome
Die Zahl der Hautkrebs-Operationen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, 2012 mussten über 90.000 Patienten stationär behandelt werden. Insgesamt waren Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Zu viel Sonne ist eine der Hauptursachen, die andere ist nicht beeinflussbar.
Eine Frage der Abwägung - Fakten zum Mammografie-Screening
Brustkrebs
Ein Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs ist nicht unumstritten. Um eine Entscheidung über eine Teilnahme an diesem Verfahren zu treffen, sollten Frauen sich genau informieren. Wir geben einen Überblick über die Vor- und Nachteile der Vorsorgeuntersuchung.
Sanfte Handgriffe können bei Babys Verspannungen lösen
Entspannung
Die Zeichen von Babys zu verstehen, ist für Eltern nicht immer leicht, gerade dann, wenn das Neugeborene permanent schreit. Häufig ist Stress die Ursache für das Schreien. Doch mit bestimmten Handgriffen können Eltern ihrem Baby helfen, besser zu entspannen.
Ebola - Einer der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt
Epidemie
In Guinea ist im vergangenen März die erste Ebola-Epidemie ausgebrochen und wütet seither in Westafrika. Das Ebola-Virus ist besonders gefürchtet, denn es gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Je nach Ausbruch sterben 25 bis 90 Prozent der Patienten daran.
Umfrage
Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

Bei Paketdiensten herrschen vielfach üble Arbeitsbedingungen für Beschäftigte. Das haben Kontrollen von Behörden ergeben. Welche Reaktionen erwarten Sie?

 
Fotos und Videos