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Forscher befürchten mehr Krebsfälle weltweit durch Fukushima

19.07.2012 | 08:46 Uhr
Forscher befürchten mehr Krebsfälle weltweit durch Fukushima
Forscher haben simuliert, welche Auswirkungen die Fukushima-Katastrophe auf die Gesundheit der Menschen weltweit haben könnte.Foto: dapd

Stanford.  Nach der Atomkatastrophe von Fukushima könnten im Extremfall laut einer amerikanischen Forschergruppe weltweit bis zu 1300 Menschen mehr an Krebs sterben. Dies widerspricht der Prognose des UN Science Committee on the Effects of Atomic Radiation. Diese sagt keine global spürbaren Effekte voraus.

Durch die Atomkatastrophe von Fukushima könnten im Extremfall weltweit bis zu 1300 Menschen mehr an Krebs sterben. Bis zu 2.500 weitere könnten neu an Krebs erkranken - die meisten von ihnen in Japan. Das zeigt ein Computermodell, mit dem US-amerikanische Forscher erstmals errechnet haben, welche globalen gesundheitlichen Folgen das nukleare Desaster vom 11. März 2011 nach sich ziehen wird.

Die nun errechneten Werte hätten zwar enorme Spannbreiten, sie stünden aber in klarem Widerspruch zu Aussagen beispielsweise des UN Science Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR), berichten die Forscher im Fachmagazin "Energy and Environmental Science".

Zusätzliche 130 Krebstote weltweit

"Es gibt einige Gruppen, die gesagt haben, es würde keine globalen Effekte geben", erklärt Studienleiter Mark Jacobson von der kalifornischen Stanford University. Auch das UN-Komitee habe vorausgesagt, es werde keine ernsthaften Gesundheitsfolgen durch die freigesetzte Strahlung geben. Die jetzt ermittelte Rate von zukünftigen Toten und Krebskranken sei zwar außerhalb Japans tatsächlich sehr niedrig, aber nicht null.

Katastrophe in Japan

Als beste Näherung kamen die Forscher auf rund zusätzliche 130 Krebstote weltweit. Die Spanne reicht dabei von 15 bis 1300 Todesfällen, wie die Wissenschaftler berichten. Diese kämen noch zu den rund 600 Menschen dazu, die bereits im Rahmen der Evakuierung und der Notfallmaßnahmen im Atomkraftwerk gestorben seien.

Japan hat die meisten Betroffenen

Bei den zu erwartenden Krebserkrankungen liege der Mittelwert bei 180 Fällen, mit einer Spannbreite von 24 bis 2.500 Fällen. Wie die Forscher berichten, liegen die durch Fukushima zu erwartenden Krebstoten und Erkrankungsraten damit um eine Größenordnung niedriger als nach dem Atomunfall von Tschernobyl.

Die mit Abstand meisten Betroffenen gebe es unter den Bewohnern Japans, sagen die Forscher. Auf dem asiatischen Festland und in Nordamerika seien die gesundheitlichen Folgen dagegen sehr gering. So prognostizieren die Wissenschaftler für die USA nur 0,2 bis 6,3 zusätzliche Todesfälle und zwischen 0,3 und 15 Krebserkrankungen.

Auswirkungen für Europa extrem gering

Für Europa liegen die Werte noch niedriger. Hier ergab die Simulation 0,17 bis 4,8 zusätzliche Krebstote und 0,3 bis 11 Krankheitsfälle. "Das trägt sicher dazu bei, die Befürchtungen zu zerstreuen, dass die Fukushima-Katastrophe gravierende weltweite Auswirkungen haben könnte", betont Erstautor John Ten Hoeve von der Stanford University.

Den Hauptgrund für die vergleichsweise geringen globalen Folgen sehen die Forscher darin, dass der größte Anteil des radioaktiven Materials ins Meer gespült wurde. Nur 19 Prozent der freigesetzten radioaktiven Elemente seien über dem Land niedergegangen, berichten sie.

Relativ hohe Spannbreiten

In Japan habe auch die schnelle Evakuierung und das Anbauverbot für Getreide, Obst und Gemüse in belasteten Gebieten dazu beigetragen, dass nicht noch mehr Menschen radioaktiv kontaminiert wurden.

Video
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Für ihre Studie hatten die Forscher ein 3D-Atmosphärenmodell genutzt, um die Ausbreitung von radioaktivem Cäsium-137, Jod-131 und Cäsium-134 von Fukushima aus zu simulieren. Die damit ermittelten Belastungswerte speisten sie in ein medizinisches Modell ein, über das sie die krebsauslösende Wirkung der jeweiligen Kontaminierung abschätzten.

Da die Belastung durch verseuchte Nahrung und Wasser nur näherungsweise bestimmt werden konnte, erhielten die Wissenschaftler für ihre Ergebnisse relativ hohe Spannbreiten. (dapd)

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