Flachwarzen, Dornwarzen, Feigwarzen - Was wirklich hilft

Diese Hexe hätte auch ohne Warze wohl keinen Schönheitspreis gewonnen.
Diese Hexe hätte auch ohne Warze wohl keinen Schönheitspreis gewonnen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die wenigsten sind gefährlich, aber unangenehm sind sie alle. Wer Warzen wirksam bekämpfen will, muss über Wochen konsequent sein oder eine OP wählen.

Witten.. In der Welt der Märchen ist sie eines der Erkennungsmerkmale einer Hexe und oft in Kombination mit Buckel und krummer Nase anzutreffen: die Warze. Dabei leidet die Märchenhexe gar nicht unter einer Warze im medizinischen Sinne, sondern unter einem Basalzellpapillom. Diese altersbedingte Hautveränderung entsteht durch einen gutartigen Tumor, der im Gesicht, an Oberkörper, Handrücken oder den Armvorderseiten auftritt.

Die Virustypen

Wenn der Mediziner hingegen von Warzen, also Verrucae spricht, meint er Hautwucherungen, die von humanen Papillomaviren (HPV) ausgelöst werden. Am weitesten verbreitet sind die gewöhnlichen Warzen, Verrucae vulgares – verursacht von Virustyp 1, 2, 4 und 7. „Die Virustypen bezeichnen die genetischen Varianten eines Virus’“, erklärt der Wittener Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Dr. Volker Harff. Bei HPV sind mittlerweile weit über 100 dieser Varianten bekannt. Als „Hochrisiko-Typen“ gelten laut Deutsches Ärzteblatt nur Typ 16 und 18, die im Verdacht stehen, Gebärmutterhalskrebs und möglicherweise auch Peniskarzinome auszulösen.

Gewöhnliche Warzen

Die gewöhnlichen Warzen mit ihrer verhornten, rauen Oberfläche sind hingegen meist harmlos. Erwachsene sind weniger anfällig für Warzeninfektionen als Kinder – wirklich immun ist niemand. „Die Warzenstruktur ist eine halbherzige Reaktion unseres Immunsystems auf die Virusinfektion“, sagt Volker Harff. Während der Körper manch andere Viruserkrankung mit allen Mitteln bekämpfe, sei er bei Warzen eher nachlässig. „Die Evolution hat hier keine Notwendigkeit gesehen, weil es für die Erhaltung der Art nicht von Bedeutung war.“

Flachwarzen

Eine andere Variante sind die planen Warzen, auch Flachwarzen genannt. Sie werden vom Virustyp 3 ausgelöst und treten bei Kindern und Jugendlichen meist im Gesicht, an Händen und Unterarmen auf, bei Erwachsenen eher im Handrückenbereich. Es sind kleine Knötchen mit einer leicht rauen, manchmal gelblich-braun verfärbten Oberfläche. Solche Warzen stellten weniger ein gesundheitliches als ein soziologisches Problem dar, so Volker Harff. Denn jemandem mit einer oder mehreren Warzen an den Fingern die Hand zu geben, empfänden die meisten Menschen als unangenehm. Dabei brauche es für eine Infektion immer einen Schaden an der Haut, wie einen Schnitt oder Riss, durch den die Viren die schützende Oberhaut überwinden könnten. „Durch das Handgeben kommt es nicht zu einer automatischen Übertragung.“

Gesundheit Medizinisch problematisch würden die Warzen jedoch dann, wenn sie an den Nägeln auftreten, und in die Nagelbildungszone einwachsen. „Ist diese einmal zerstört, kann sie sich nicht mehr regenerieren.“ Die Folge: verkrüppelte Nägel.

Dornwarzen

Auch Dornwarzen an den Fußsohlen, verursacht von Virustyp 1, 2 und 4 können für den Betroffenen zu einer schmerzhaften Angelegenheit werden. Durch das auf ihnen lastende Körpergewicht sind sie dauerhaft erhöhtem Druck ausgesetzt und wachsen dornartig in die Haut hinein. Um den Schmerz zu vermeiden, verändern Betroffene ihre Körperhaltung. Gerade bei Kindern in der Wachstumsphase kann das zu Knie-, Hüft- oder Wirbelsäulenproblemen führen. Eine weitere Form von Warzen im Fußbereich sind die Mosaikwarzen, die sich in „flächigen Beeten, zum Beispiel über die gesamte Ferse“ ausbreiten.

Schwimmbadwarzen

Neben den Basalzellpapillomen hat noch eine andere als Warze bezeichnete Hauterkrankung nichts mit den Papillomaviren zu tun: Mollusken, auch Schwimmbadwarzen genannt. „Hier erfolgt eine Infektion der Haut mit Pockenviren“, so Volker Harff. Allerdings sind nicht die bösartigen Seuchenerreger verantwortlich, sondern eine andere Virenfamilie. Die Ansteckung geschieht über das Schwimmbadwasser und kann die gesamte Haut betreffen. Die normalen Fußwarzen werden oft im Schwimmbad über den Fußboden übertragen. Die Haut an den Füßen ist durch das gechlorte Wasser aufgeweicht, ihre Barrierefunktion ist geschwächt, was sie empfindlicher macht.

Feigwarzen

Viele Menschen empfinden Warzen als peinliche Angelegenheit, besonders gilt das jedoch für die im Genital- und Analbereich auftretenden Feigwarzen oder Condylome, meist hervorgerufen durch Virustyp 6 oder 11. Die gutartigen rötlichen oder braunen Wucherungen sind etwa stecknadelkopfgroß und werden vorrangig durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. Ihre Behandlung kann schwierig sein, weil der Arzt insbesondere bei intravaginalem Befall oder Befall des Analkanals nicht erkennen kann, ob noch andere als die sichtbar veränderten Zellen betroffen sind. Außerdem sind in diesem Bereich keine so „radikalen“ Behandlungskonzepte wie an anderen, unempfindlicheren Körperstellen möglich.

Die Behandlung

Abgesehen von den Condylomen sind Warzen nicht zwingend behandlungsbedürftig. Einige können sogar von selbst wieder verschwinden, was allerdings mitunter einige Jahre dauert. Eine wirksame Behandlung verlangt vor allem nach Konsequenz – und das über viele Wochen: Mehrmals täglich müssen die betroffenen Körperstellen zum Beispiel mit Salicylsäure oder anderen speziellen Mitteln betupft werden. Hinzu kommt das regelmäßige Abtragen der auf diese Weise aufgeweichten Haut. Das werde oft nur halbherzig gemacht, so Volker Harff, „die Menschen sind nun mal bequem“. Effektiver ist oft das operative Entfernen der Warzen, wozu auch Laser eingesetzt werden.

Die Vereisung, etwa mit Stickstoff, hält er als Behandlung zu Hause nicht für sinnvoll. „Der Stickstoff ist in diesen Mitteln nicht kalt genug.“ Eine ergänzende (und nicht von den Krankenkassen bezahlte) Therapie sei die Behandlung mit Infrarotlicht, das die Durchblutung verbessern und die Viren inaktivieren soll.