Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Silikonbusen-Skandal

Erstmals Klinik und Chirurg wegen PIP-Implantaten verurteilt

08.02.2012 | 12:23 Uhr
Erstmals Klinik und Chirurg wegen PIP-Implantaten verurteilt
Hunderttausende Frauen weltweit haben die gefährlichen PIP-Brustimplantate erhalten.Foto: AP

Madrid.   Im Skandal minderwertige Brustimplantate der französischen Firma PIP gibt es ein erstes Urteil: Ein spanisches Gericht verurteilte eine Klinik und einen Schönheitschirurgen zur Zahlung von Schadenersatz an eine Ex-Patientin. Die Frau hatte die Billig-Implantate 2001 erhalten. 2008 rissen sie.

Im Skandal um minderwertige Brustimplantate der französischen Firma PIP ist in Spanien ein erstes Urteil gefallen. Ein Gericht in Madrid sprach einer Patientin eine Schadenersatzzahlung in Höhe von 7455 Euro zu, weil sie vor dem Einsetzen der Silikoneinlagen nicht ausreichend über das Risiko informiert worden sei. E

in Schönheitschirurg und eine Klinik in Madrid waren in dem Fall die Beklagten. Die französische Firma PIP hatte bei ihren Brustimplantaten jahrelang medizinisches Silikongel durch billigeres Industriesilikon ersetzt. Weltweit wurden die Kissen hunderttausenden Frauen eingesetzt, in Deutschland sollen etwa 10. 000 Frauen betroffen sein.

Zusammenhang von PIP-Implantaten und Krebs nicht bewiesen

Video
Marseille, 27.01.12: Im Skandal um minderwertige Brustimplantate ist PIP-Gründer Jean-Claude Mas am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach dem Verhör konnte der 72-Jährige das Gerichtsgebäude gegen eine Kaution von 100.000 Euro verlassen.

Die Einlagen rissen häufiger und werden für Entzündungen verantwortlich gemacht. Ein Zusammenhang mit 20 Krebsfällen in Frankreich ist allerdings bisher nicht bewiesen. In Madrid urteilte das Gericht nun, dass der Schönheitschirurg und die Klinik ihrer "Informationspflicht" nicht nachgekommen seien. In den Informationen, die die Patientin vor dem Eingriff erhalten habe, sei "in keiner Weise auf die Möglichkeit von Rissen der Implantate hingewiesen" worden. Dies sei aber bei solchen Operationen ein Risiko, selbst wenn die PIP-Prothesen sich nicht als defekt herausgestellt hätten.

Die Frau war im April 2001 operiert worden, im März 2008 riss eines der Implantate. Die französischen Behörden hatten erst im März 2010 wegen der Unregelmäßigkeiten bei PIP Alarm geschlagen und diese Silikoneinlagen verboten. In einem bisher einzigartigen Aufruf hatten die Behörden in Frankreich rund 30.000 Frauen empfohlen, sich die PIP-Silikonkissen vorsichtshalber wieder entfernen zu lassen.

Der Empfehlung schloss sich Anfang Januar auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) für Deutschland an. Im südfranzösischen Marseille liegen mehr als 2500 Klagen von Frauen im Zusammenhang mit dem PIP-Skandal vor. (afp)

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6327945/create

Aktuelle Fotos und Videos
Es ist wieder Pollenzeit
Video
Allergien
WAZ-Medizinforum Diabetes
Bildgalerie
WAZ-Medizinforum
Stars mit dem HI-Virus
Bildgalerie
Aids
Schalke gegen Hoffenheim
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
Organspende
Bürger in Deutschland müssen sich künftig mehr Gedanken über eigene Organspenden machen. Der Bundestag hat dazu an diesem Freitag mit Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt. Die Deutsche Hospiz-Stiftung reagiert enttäuscht.
Mülheim kommt auf 210.156 Krankentage im Jahr
Medizin
Trauriger Rekord für die Stadt Mülheim: Die Stadt kommt auf 210.156 Krankentage im Jahr. Damit ist der Krankenstand hier deutlich höher als im Umland. Das liegt auch daran, dass psychische Erkrankungen hier besonders hartnäckig sind.