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Ernährung

Ernährungsexperten halten "Functional Food" für überflüssig

15.06.2012 | 11:45 Uhr
Ab Dezember könnte Schluss sein mit Gesundheitsversprechen auf Lebensmitteln. Durch eine EU-Verordnung dürfen nur noch Hinweise auf die Produkte, deren Wahrheitsgehalt wissenschaftlich bestätigt ist. Foto: Foodwatch

Berlin.   Eine Margarine, die den Cholesterinspiegel senkt? Werbeversprechen über gesundheitsfördernde Eigenschaften müssen ab Dezember wissenschaftlich belegt werden, zumindest wenn es nach der EU geht. Ernährungsexperten warnen ohnehin vor einer Überschätzung dieses sogenannten "Functional Food". Viel wichtiger sei eine ausgewogene Ernährung.

Viele Lebensmittelhersteller bewerben ihre Produkte mit einem Gesundheitsversprechen: Margarinen sollen den Cholesterinspiegel senken , Joghurts die Darmflora unterstützen und probiotische Milchdrinks die Abwehrkräfte stärken. Ab Dezember könnte damit endgültig Schluss sein. Durch eine EU-Verordnung dürfen nur noch Hinweise auf die Lebensmittel, deren Wahrheitsgehalt wissenschaftlich bestätigt ist .

"Vielen Lebensmitteln werden bisher vorschnell oder pauschal gesundheitsfördernde Eigenschaft zugesprochen", kritisierte die Ernährungs-wissenschaftlerin Isabelle Keller von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) im dapd-Interview. Oft fehle der wissenschaftliche Beweis für die versprochene Wirkung.

Auch Verbraucherschutzorganisationen wie Foodwatch bemängeln dies als eine Form der Irreführung. "Der versprochene, wirkliche Gesundheitsnutzen tritt oft nicht ein, viele Produkte machen nicht gesünder", sagte Anne Markwardt von Foodwatch.

Wirkung muss durch Studien belegt sein

Besserung verspricht die sogenannte Health-Claims-Verordnung der EU. Sie verbietet es den Herstellern, ihre Produkte mit Hinweisen zu kennzeichnen, die nicht wissenschaftlich belegt sind. "Ab Dezember ist man absolut sicher: Wenn etwas auf dem Lebensmittel draufsteht, ist die Wirkung auch in Studien belegt", sagte Ernährungsexpertin Keller. Sie rechnet damit, dass sich der Markt bis Ende des Jahres noch stark bewegen wird und eine Form der Bereinigung einsetzt, dass also nicht belegbare Hinweise verschwinden.

Foodwatch kürt die dreisteste Werbelüge

Foodwatch ist da skeptischer: "Die absurdesten Versprechen dürfen zwar nicht mehr benutzt werden, 80 Prozent der eingereichten Claims sind abgelehnt worden", sagte Markwardt. Erlaubt bleibe aber der Hinweis, dass Vitamin C das Immunsystem unterstützt und Calcium gut für die Knochen ist, "was natürlich stimmt, zuckrige Frühstücksflocken aber auch nicht gesünder oder ausgewogener macht. Aber genau das will die Industrie mit solchen Claims suggerieren".

Funktionelle Lebensmittel statt ausgewogener Ernährung?

Ernährungswissenschaftlerin Keller warnt ohnehin vor einer Überschätzung solcher Lebensmittel, die einen gesundheitsfördernden Nutzen über den natürlichen Nährwert hinaus haben sollen. "Functional Food ist keine Garantie für eine ausgewogene Ernährung. Ernährungsfehler lassen sich nicht durch den Verzehr solcher Lebensmittel beseitigen", sagte die Expertin. Wer einen hohen Cholesterinspiegel habe, könne nicht allein auf eine Margarine vertrauen.

Vielmehr sei in der Regel eine ganzheitliche Ernährungsumstellung und eine Änderung des Lebensstils mit mehr Sport und Bewegung erforderlich. Wer sich ausgewogen ernähre, könne viel für seine Gesundheit tun . "Wenn ich mir angewöhne, zu Hause Rapsöl als Standardöl zu verwenden, habe ich so etwas wie ein natürliches, funktionelles Lebensmittel", sagte Keller.

Gesunde Ernährung

Pflanzenöle und auch fettige Seefische wie Makrele, Lachs und Hering seien beispielsweise von Natur aus reich an Omega-3-Fettsäuren, denen eine positive Wirkung auf die Blutfettwerte zugeschrieben werde. Keller empfiehlt, die zehn DGE-Regeln der Ernährung zu beachten. Ein vielseitiges Essen mit reichlich Getreideprodukten und Kartoffeln, täglich Obst und Gemüse sowie Fett, Zucker und Salz in Maßen fördert demnach die Leistung und das Wohlbefinden. "Funktionelle Lebensmittel sind somit überflüssig. Kein Mensch braucht sie, um sich gesund zu ernähren", sagte Markwardt. (dapd)



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