Die wichtigsten Fakten zu umstrittenen PIP-Billig-Implantaten

Ratgeber an unserem Gesundheitstelefon (von li.): Professor Rainer Kimmig, Direktor der Essener Universitätsfrauenklinik, Dr. Oliver Hoffmann, Leiter der plastisch-rekonstruktiven Mammachirurgie, sowie Dr. Bahriye Aktas, Oberärztin mit dem Schwerpunkt Senologie. Foto: Bernd Lauter
Ratgeber an unserem Gesundheitstelefon (von li.): Professor Rainer Kimmig, Direktor der Essener Universitätsfrauenklinik, Dr. Oliver Hoffmann, Leiter der plastisch-rekonstruktiven Mammachirurgie, sowie Dr. Bahriye Aktas, Oberärztin mit dem Schwerpunkt Senologie. Foto: Bernd Lauter
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Was wir bereits wissen
Brustimplantate der Firmen PIP und Rofil stehen im Verdacht, unter Umständen die Gesundheit zu gefährden. Auch in Deutschland gab es die Empfehlung an Frauen, sich die Implantate entfernen zu lassen. Ärzte der Essener Unifrauenklinik beantworten Fragen von besorgten Leserinnen.

Essen.. Die gefährlichen Brustimplantate der französischen Firma PIP sind in Nordrhein-Westfalen an 25 medizinischen Einrichtungen eingesetzt worden. Schwerpunkt ist dabei der Regierungsbezirk Düsseldorf mit neun Kliniken und sechs Arztpraxen. Am Freitag kam die Empfehlung an die betroffenen Frauen, diese Billig-Implantate und die der niederländischen Firma Rofil als Vorsichtsmaßnahme entfernen zu lassen. Um mögliche zukünftige Gesundheitsschäden zu vermeiden, hieß es vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Bei den Implantaten, die mit minderwertigem Industrie-Silikon gefüllt sein können, könne durch „Ausschwitzen“ auch Silikon austreten, wenn die Gel-Kissen keine Risse aufwiesen. Die Verunsicherung unter betroffenen Frauen ist groß. Auch an der Essener Uniklinik wurden Patientinnen mit Rofil- und PIP-Implantaten versorgt. An unserem Gesundheitstelefon haben Ärzte der Klinik Fragen von Leserinnen beantwortet.

Ich habe 2003 ein Rofil-Implantat bekommen. Muss ich mir Sorgen machen?

Das Problem ist, dass Rofil nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte PIP-Implantate unter dem Namen Rofil verkauft hat. Lassen Sie sich über unsere Hotline 0201/723 2346 einen Untersuchungstermin geben. Sie benötigen dazu eine Überweisung Ihres Haus- oder Frauenarztes. Dann können wir das weitere Vorgehen besprechen.

Ich habe gehört, dass ältere Brustimplantate nach einer gewissen Zeit ausgetauscht werden müssen.

Generell ist zu sagen, dass Implantat-Hersteller raten, ihre Produkte nach zehn bis fünfzehn Jahren auszutauschen. Mit einer engmaschigen Kontrolle mit Ultraschall – oder gegebenenfalls per MRT – kann ein Implantat auch etwas länger in der Brust bleiben. Wir haben Patientinnen, die ihre zwanzig Jahre haben. Das ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Ich habe ein PIP-Brustimplantat, das keine Risse hat. Wie schnell muss es raus?

Das muss nicht sofort geschehen. Sie haben schon ein paar Wochen Zeit, um sorgfältig abzuwägen, welche Entscheidung Sie treffen wollen. Denn es gibt auch Frauen, bei denen aus gesundheitlichen Gründen das Risiko einer Operation höher ist, als wenn sie ihre Implantate behalten.

Ich habe mir 2009 Brustimplantate aus kosmetischen Gründen einsetzen lassen. Es sind PIP-Implantate. Ich bin gesetzlich krankenversichert. Wer zahlt das?

Wenn Sie die Implantate aus kosmetischen Gründen haben, werden Sie sich an den Kosten der Entnahme beteiligen müssen. Das regelt das Sozialgesetzbuch. Neue Implantate werden die gesetzlichen Krankenkassen, nach Angaben ihres Spitzenverbandes GKV, nicht bezahlen. Gab es Implantate aus medizinischen Gründen, etwa nach einer Krebs-OP, werden die Herausnahme und auch die neuen Implantate bezahlt. Ein Implantat-Wechsel dauert übrigens etwas über eine Stunde.

Wenn man seine Implantate herausnehmen lässt und keine neuen will, was macht man dann?

Man kann die Implantate herausnehmen. Dann kann der Chirurg das überschüssige Gewebe straffen und damit eine gute Brustform wiederherstellen.

In Frankreich gibt es Frauen, die PIP-Implantate hatten und Krebs bekamen. Gibt es da einen Zusammenhang?

In einer Untersuchung der französischen Gesundheitsbehörden konnte bislang kein Zusammenhang zwischen PIP-Brustimplantaten und Krebserkrankungen nachgewiesen werden.

Ich habe gehört, dass Brustimplantate, nicht nur die von PIP, immer Risiken bergen.

Ja. Ein Implantat ist immer ein Fremdkörper. Implantate sollten jährlich von einem erfahrenen Frauenarzt oder der Klinik, die eine Frau operiert hat, per Ultraschall untersucht werden. Bei Implantaten kann es immer Entzündungen geben. Das Implantat kann sich abkapseln. Ein weiterer Punkt ist, dass eine Mammografie nicht mehr die Bilder liefert, die man ohne Implantate hat. Denn Brustimplantate sind nicht strahlendurchlässig!

2007 war bei mir ein Rofil-Implantat gerissen. Ich bekam ein neues der US-Firma Mentor. Was ist damit?

Mentor-Implantate sind nicht betroffen, ebenso wenig wie die häufig eingesetzten Implantate der amerikanischen Firma Allergan oder der deutschen Firma Polytech. Das sind seit Jahrzehnten bewährte Implantate.

Hotline der Uniklinik Essen

Die Essener Unifrauenklinik hat für Fragen zu Brustimplantaten und für Anmeldungen zu einer Untersuchung Hotlines geschaltet: Tel.: 0201/7232346 ist von montags bis einschließlich freitags von 8-14 Uhr zu erreichen. Die Nummer Tel.: 0201/72385297 ist von montags bis freitags von 8-14 Uhr zu erreichen. Aktuelle Infos über die Brustimplantate findet man auch auf der Webseite der Klinik. Empfehlungen gibt auch der BfArM auf seiner Homepage.