Die Schwarze Johannisbeere ist eine Vitamin-C-Bombe

Die rote Johannisbeere ist zwar süßer als ihre schwarze Schwester, enthält jedoch nur einen Bruchteil an Vitamin C. Foto: Arne Poll
Die rote Johannisbeere ist zwar süßer als ihre schwarze Schwester, enthält jedoch nur einen Bruchteil an Vitamin C. Foto: Arne Poll
Was wir bereits wissen
Unsere Serie „Gesund von A bis Z“ gibt in loser Folge in 26 Artikeln quer durch das Alphabet Tipps zur Gesundheit. Heute: Im Kampf um den höchsten Vitamin-C-Gehalt siegt die schwarze Johannisbeere klar über die rote. Königin der Beeren bleibt aber die Erdbeere.

Essen.. Wer beim Roulette auf Farbe setzt, hat die Wahl zwischen Rot und Schwarz. Der Spieler legt sich fest. Der Zufall entscheidet. Wer am Obststand auf die Schälchen mit Johannisbeeren schaut, steht oftmals vor selbiger Farbwahl. Doch welche Entscheidung ist die gesündere? Rot oder Schwarz? Marianne Rudischer, Ernährungsmedizinische Beraterin bei der Barmer GEK in Wuppertal, sieht schwarz.

Schwarz siegt über Rot

„Die Schwarze Johannisbeere ist eine wahre Vitamin-C-Bombe. Sie enthält fast fünfmal so viel wie die Rote Johannisbeere.“ Bereits eine Hand voll der schwarzen Beeren deckt den halben Tagesbedarf an Vitamin C. Darüber hinaus weist ihr Fruchtfleisch einen höheren Eisengehalt aus und ihre Kerne enthalten einen größeren Ballaststoffanteil. Neben Holunderbeeren lässt sich bei der Schwarzen Johannisbeere das höchste Aufkommen an Kalium nachweisen. Der einzige Haken an der Beere findet sich im Geschmack. „Die Roten Johannisbeeren schmecken süßlich, die schwarzen herb, vielen Menschen zu herb.“ Tipp: „Wem die schwarzen Beeren aus der Hand nicht schmecken, der könnte mit ihnen einen Kuchen backen, zum Beispiel eine Johannisbeeren-Krümeltorte. Zwischen die Streusel wird ein Schälchen Johannisbeeren gegeben, das nimmt schnell den herben Beigeschmack.“

Doch das ist lang nicht das einzige Rezept mit Schwarzen Johannisbeeren. Sie harmonieren zu Wildgerichten, werden in Pfannkuchen mit serviert und bilden die Grundlage bei der Herstellung von Cassis. Die Roten Johannisbeeren werden zur Zubereitung von roter Grütze verwendet, als Füllung für Quarktorten benutzt und in einer Cumberlandsoße verarbeitet. „Streng genommen müsste man auch die Weißen Johannisbeeren erwähnen, die ähneln aber den roten und sind obendrein seltener erhältlich“, sagt Marianne Rudischer. Mit der Ernte für Johannisbeeren wird in der Regel um den 24. Juni begonnen. „Dem Johannitag, ihm verdankt die Johannisbeere ihren Namen.“

Stachelbeeren trumpfen mit Vitamin A

Beeren enthalten reichlich Pektin und hohe Mengen an Gerbstoffen, die leicht antibakteriell wirken können. „Heidelbeeren oder Blaubeeren werden getrocknet und aus ihnen oder ihren Blättern Tee hergestellt, der gegen Durchfall eingesetzt wird.“ Die Blätter der Brombeeren finden sich durch ihren hohen Gerbstoffgehalt oft als Inhaltsstoffe in Tees oder Spülungen gegen Halsschmerzen oder Zahnfleischbluten. Stachelbeeren trumpfen mit Vitamin A, außerdem regen ihre Fruchtsamen die Darmtätigkeit ähnlich wie Leinsamen an. Cranberries werden bei Harnwegsinfektionen eingesetzt. Wie Preiselbeeren enthalten sie viele sekundäre Pflanzenstoffe. „Die Aromastoffe und natürlichen Farbstoffe wie das Schwarz in der Johannisbeere scheinen nach dem heutigen Forschungsstand eine gesundheitliche Wirkung zu haben“, sagt Marianne Rudischer.

„Eine Lanze möchte ich für die Holunderbeere brechen. Ihr Fruchtfleisch weist von allen Beerensorten den höchsten Vitamin-A- und Eisengehalt auf“, sagt Marianne Rudischer. Heißer Holundersaft hilft gegen Erkältung und Heiserkeit. „Mein Tipp ist: Zwei Drittel Holundersaft, ein Drittel Apfel- oder Birnensaft. Dann schmeckt der Saft nicht so herb. Auch Holunderbeermarmelade kann mit Äpfeln und Birnen gekocht werden.“ Doch bei der Beere sei auch Vorsicht geboten. „Die Holunderbeere sollte man nie roh essen, das kann Brechreiz verursachen.“ Also, ab in den Kochtopf mit der Beere. „Alle anderen Beerensorten können bedenkenlos roh, aber gründlich gewaschen, gegessen werden. Wenn es frische Beeren gibt, sollten die immer gegenüber einem Saft oder einer Marmelade bevorzugt werden. Denn zur Herstellung von Saft und Marmelade werden die Beeren erhitzt, wodurch Vitamin C zerstört wird.“

200 Gramm Erdbeeren decken den Vitamin-C-Tagesbedarf

Die Königin unter den Beerenfrüchten ist die Erdbeere. „Sie schmeckt nicht nur ausgezeichnet, 200 Gramm Erdbeeren decken auch den gesamten Tagesbedarf an Vitamin C ab. Das einzig schlechte an Erdbeeren ist höchstens zu viel Schlagsahne dazu.“ Dekoriertipp: Auf eine große Platte dick Zucker streuen, die Erdbeeren mit Kelch waschen, gut trocknen lassen und im Anschluss in das weiße Zuckerbett stecken. „Das sieht toll aus. Was bei Besuch auch staunende Augen hervorruft, ist die Erdbeere mit dem Grün oben dran zur Hälfte in Kuvertüre einzutauchen. Das schmeckt nicht zu süß, weil die Kuvertüre herber ist als Schokolade.“ Beim Kauf rät Marianne Rudischer zu Beeren aus der Region. „Sie sind weniger mit Schadstoffen belastet. Erdbeeren sind sehr empfindlich und nur zwei, drei Tage haltbar. Das heißt, stammen sie aus Marokko oder Spanien, kann der Verbraucher davon ausgehen, dass sie vor dem Transport behandelt wurden, damit sie ihn überstehen.“

Doch wann ist die Zeit reif für Beeren? „Das ganze Jahr über. Im Frühsommer gibt es die ersten Erdbeeren, dann kommen die Johannisbeeren, die Stachelbeeren, Brom- und Heidelbeeren, danach die Holunderbeeren“, sagt Marianne Rudischer. „Der Beerenkreislauf der Natur sorgt dafür, dass der Mensch zu jeder Jahreszeit die richtigen Vitamine und Mineralstoffe bekommt, die er braucht.“