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Brustkrebs

Die Mammographie versagt bei Frauen mit dichtem Brustgewebe

16.09.2012 | 08:45 Uhr
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Die Mammographie versagt bei Frauen mit dichtem Brustgewebe
Eine Frau lässt ein Mammographie-Bild von sich machen.Foto: Monkey Business Images

Washington/Frankfurt.   Die Mammographie hilft, Brustkrebs möglichst früh zu erkennen. Allerdings liefert das Verfahren bei dichtem Brustgewebe keine eindeutigen Ergebnisse. Experten fordern daher ergänzende Untersuchungen, um den betroffenen Frauen Klarheit zu verschaffen, ob ihr Befund tatsächlich unauffällig ist.

Mit der Mammographie dem Brustkrebs auf der Spur: So früh wie möglich soll mit der Röntgenuntersuchung eine Erkrankung erkannt werden, so dass die Heilungschancen maximal sind. Allerdings stößt das Verfahren an Grenzen - wenn die Dichte des Brustgewebes zu groß ist, verliert das Bild an Aussagekraft. Deshalb verlangen jetzt immer mehr US-Staaten, dass die Frauen nach einer Mammographie über ihre Brustdichte aufgeklärt werden, um dann eventuell weitere Diagnostik wie Ultraschall einzufordern.

Nach Connecticut, Texas und Virginia führte New York diesen Sommer die Auskunftspflicht ein. Frauen mit dichter Brust - also weniger Fett- und mehr Drüsen- und Bindegewebe - haben einerseits ein größeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Andererseits lassen sich Knötchen nicht so leicht auf dem Röntgenbild erkennen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Dichte in der Regel ab. Insgesamt haben die meisten Frauen relativ durchmischtes Gewebe, nur bei zehn Prozent gehen die Radiologen nach Angaben des Amerikanischen Radiologie-Kollegs von fast vollständigem Fettgewebe aus, bei weiteren zehn Prozent von extrem dichtem Gewebe.

Ein Problem für Ärzte und Patienten

Anlass für die neuen Regelungen in den USA war ein Aufschrei von Krebspatienten, die empört waren über die fehlende Information, dass ihr dichtes Brustgewebe erste Anzeichen von Tumoren verborgen haben könnte und ihre Mammographie-Bilder daher fälschlicherweise als unauffällig galten.

Die Frage allerdings lautet: Was fangen Frauen mit der Information an? Eigentlich müssten ihnen weitere Untersuchungen wie Ultraschall angeboten werden. Doch die sind nicht standardisiert und lösen außerdem immer wieder falschen Alarm aus und führen zu unnötigen Biopsien. "Wir bewegen uns in einem Graubereich", beklagt Otis Brawley von der Amerikanischen Krebsgesellschaft.

Fehlende Qualitätssicherung

Ähnlich sieht es in Deutschland aus. Als unbefriedigend beschreibt Professor Ingrid Schreer, Spezialistin für Mammodiagnostik, die Lage. Informationen über die höhere Brustdichte sollte jede betroffene Frau erhalten, zusammen mit der Empfehlung, eine ergänzende Ultraschall- und Tast-Untersuchung durchführen zu lassen, erklärt sie. Solche weitere Diagnostik unterliege jedoch keiner Qualitätssicherung. Die Frauen wüssten nicht, wie erfahren und spezialisiert der untersuchende Arzt sei.

"Viel besser wäre es, den Frauen mit hoher Gewebe-Dichte im Rahmen des deutschen Mammographie-Screenings eine ergänzende Sonographie anzubieten", fordert sie. Das aber werde bisher von der Kooperationsgemeinschaft Mamographie-Screening abgelehnt. Das deutsche Screening-Programm, das von den Krankenkassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen getragen wird, sieht für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre eine kostenlose Mammographie-Untersuchung zur Früherkennung von Brustkrebs vor.

Neue Empfehlungen in ein bis zwei Jahren erwartet

Karla Kerlikowske von der Universität von Kalifornien, die sich seit langem mit dem Zusammenhang von Gewebedichte und Brustkrebs beschäftigt und sich damit in der Fachwelt einen Namen gemacht hat, sucht derzeit in einer groß angelegten Studie nach der besten Möglichkeit, wie Frauen mit großer Brustdichte am besten untersucht werden sollten. "Ich hoffe, dass wir in einem oder zwei Jahren vernünftige Empfehlungen vorlegen können", sagt sie. Ihre gute Nachricht derweil: Die - möglicherweise später entdeckten - Tumoren bei Frauen mit dichter Brust sind offenbar nicht aggressiver oder schwerer zu behandeln als solche in weichem Gewebe. Das ergab eine kürzlich im "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlichte Untersuchung, bei der Kerlikowske mitwirkte. (dapd)

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