Deutsche Hospiz-Stiftung kritisiert Kompromiss zu Organspenderecht
24.11.2011 | 14:44 Uhr 2011-11-24T14:44:27+0100
Berlin. Um mehr Menschen zu einer Organspende zu bewegen, soll in Zukunft die Bereitschaft der Bürger zu diesem Schritt regelmäßig abgefragt werden. Die Deutsche Hospiz-Stiftung kritisiert diese Einigung von Bundesregierung und Fraktionen jedoch. Bundesweit warten rund 12.000 Patienten auf ein Spenderorgan.
Für Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, gibt es neue Hoffnung. Nach monatelangem Ringen haben Fraktionen und Bundesregierung am Donnerstag den Streit über das Organspenderecht beigelegt, wie Union und SPD mitteilten. Der Bundestag soll in der ersten Jahreshälfte 2012 entscheiden. Ziel ist eine Erhöhung der Bereitschaft der Bürger zur Organspende.
Kritik an der Einigung kam von der Deutschen Hospiz-Stiftung. Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) und sein SPD-Kollege Frank-Walter Steinmeier hatten vor drei Wochen in einem persönlichen Gespräch vereinbart, einen neuen Anlauf zu versuchen. Für Steinmeier ist dies auch ein persönlich wichtiges Anliegen. Der SPD-Politiker hatte im August 2010 seiner Ehefrau Elke Büdenbender eine Niere gespendet und eine mehrwöchige Auszeit aus der Politik genommen.
Versicherte sollen "regelmäßig" befragt werden
Am Donnerstagmorgen trafen sich die Fraktionschefs mit Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) . Auch die Fachpolitiker der fünf Fraktionen waren dabei. Sie sollen bis Ende des Jahres einen fraktionsübergreifenden Gruppenantrag erarbeiten, der von allen Fraktionschefs mitgetragen und unterzeichnet wird. Im ersten Halbjahr 2012 soll der Bundestag dann über das novellierte Transplantationsgesetz entscheiden.
Der Einigung zufolge soll Bereitschaft der Bürger zur Organspende "regelmäßig" abgefragt werden, etwa mit dem Versand der Versichertenkarte. Auch solle die Bereitschaft "mit einer höheren Verbindlichkeit abgefragt werden". Dies solle "mit so viel Nachdruck wie möglich" geschehen, jedoch "ohne eine Antwort zu erzwingen oder Sanktionen auszuüben", wie es in der Erklärung der Fachpolitiker heißt.
Lange Warteliste
Steinmeier und Kauder zeigten sich zufrieden mit der Einigung. Viele Menschen warteten auf eine Lösung, erklärte der SPD-Fraktionschef. Der Gruppenantrag solle den gesetzgeberischen Nachdruck schaffen, damit Menschen entscheiden, ob sie Organspender sein wollen oder nicht. Auf Zwang werde aber verzichtet. Kauder sagte "Spiegel Online": "Mit dieser neuen Regelung wird eine wichtige Voraussetzung geschaffen, dass die Zahl der Organspenden in Deutschland steigen wird."
Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation warten rund 12.000 Menschen bundesweit auf ein Spenderorgan. Im Jahr 2010 wurden bundesweit 5.083 Organe transplantiert. Pro Jahr sterben der Stiftung zufolge rund 1.000 Patienten , weil nicht rechtzeitig ein Spenderorgan zur Verfügung steht.
Mehr Aufklärung und Transparenz nötig
Die Deutsche Hospiz-Stiftung kritisierte den Kompromiss. Stiftungsvorstand Eugen Brysch erklärte in Berlin, die Bürger regelmäßig nach ihrer Bereitschaft zur Organspende abzufragen, löse die Probleme nicht.
Es werde keine Wirkung zeigen, die Anzahl der Ausweisträger zu erhöhen. Das habe keinen Einfluss auf die tatsächliche Anzahl der Organspender. Tatsächlich sei mehr Aufklärung und Transparenz nötig. (www.dso.de) (dapd)
14:59
Der Flop dieses "Kompromisses zum Organspenderecht" ist vorprogrammiert.
Warum garantiert man nicht den Spendern, falls einmal selbst auf der Organ-Warteliste, einen Bonus? Nur so kann man die Zahl der Spendenwilligen erhöhen.
10:26
..sollte man die Bevölkerung aufteilen, hatte ich mal irgendwo aufgeschnappt. Und auf der anderen Seite die, die keine Organe spenden wollen und deshalb auch keine Organe im Krankheitsfall bekommen sollen.
Stattdessen soll jetzt regelmäßig (Jährlich? Monatlich? Wöchentlich? Oder...?) nachgefragt werden, ob jmd bereit ist, sein Organe nach seinem Tod zu spenden. Also, wenn DAS jetzt nicht die Akzeptanz für Organspende erhöht, dann heiße ich Meier :-)
21:57
Von mir gibts nichts
18:23
Ich habe den Film "Fleisch" noch sehr gut in Erinnerung. Diese Fiktion wurde stellenweise zur Realität. Ich weiß, es ist albern solch ein Film dennoch in Verbindung zu bringen was sich im Laufe der Jahre, sagen wir mal, weltweit in diesem Zusammenhang zugetragen hat. Aber,..... mir ist es mulmig wenn ich so ein Ding in der Tasche habe, einen Unfall habe, und sich doch herausstellen könnte, das ich dann zum Ersatzteillager werde. Wenn ich echt tot bin ist mir das so ziemlich wurscht was die mit mir machen, siehe Bestattungskosten. Apropo Bestattungskosten, wenn Teile von einem fehlen müßten doch die Bestattungskosten sinken, sind ja nicht alle Teile vorhanden, oder?
16:35
Wenn ich die Worte "Nachdruck" und "Sanktionen" lese, wird mir schlecht. Wie soll denn dieser Nachdruck aussehen? Wenn ich nicht zum Organspender werden will, ist das meine Sache, Punkt aus. Klar, kann auch ich einmal sehr krank werden, alles bekannt. Aber diese Ausdrucksweise erinnert mich an Schreiben vom Arbeitsamt.