Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Forschung

Der Blinddarm hat womöglich doch eine wichtige Funktion

24.02.2013 | 08:45 Uhr
Der Appendix, besser bekannt als Wurmfortsatz, könnte entgegen der verbreiteten Meinung doch eine wichtige Funktion haben.Foto: Getty Images

Essen.  Schon sein Name zeigt, wie wenig man ihm zutraut: Der Wurmfortsatz (oder Blinddarm) pflegt das Image eines nutzlosen Würmchens, das völlig bedeutungslos am Ende des Darms herumhängt. Doch US-Forscher wollen in einer Studie jetzt das Gegenteil herausgefunden haben: Der Blinddarm hat womöglich doch eine wichtige Funktion.

Seinen "schlechten Ruf" hat der Wurmfortsatz des Blinddarms Charles Darwin zu verdanken: Der Evolutionstheoretiker hatte die These geäußert, der Appendix sei der verkümmerte Rest eines größeren Organs, das seine Funktion inzwischen verloren habe. Er wertete dies als einen Beweis für die Entwicklung der Arten.

Wissenschaftler wiesen jetzt in einer Studie nach, dass sich der Appendix bei verschiedenen Säugetieren mehr als 30 Mal unabhängig voneinander entwickelt hat - zu häufig, als dass es ein Zufall gewesen sein könnte.

Wurmfortsätze entwickelten sich unabhängig

Die Forscher um die Evolutionsbiologin Heather Smith von der Midwestern-Universität in Glendale im US-Staat Arizona und der Mediziner William Parker von der Duke-Universität verglichen 361 Säugetiere, darunter 50 Arten, die einen Appendix besitzen. Die biologische Entwicklung bei diesen 50 Arten, fanden sie heraus, verlief zumeist so unterschiedlich, dass sich in mindestens 32 Fällen, wenn nicht sogar in 38, die Wurmfortsätze unabhängig voneinander herausbildeten.

Der Analyse zugrunde lag ein Vergleich unter anderem des Ernährungsverhaltens, des Verdauungssystems oder des Sozialverhaltens. Die Arbeit wurde in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Comptes Rendus Palevol" veröffentlicht. Nach Einschätzung der Autoren der Studie ist dies der bislang stärkste Beweis dafür, dass der Appendix nicht überflüssig ist, sondern eine Funktion im Körper erfüllt. Welche, ist allerdings noch unklar.

Appendix als Schutzraum für Darmbakterien?

Parker hatte in einer Studie 2007 die These aufgestellt, dass der enge Schlauch am Ende des Blinddarms ein Rückzugsgebiet - eine Art Schutzraum - für Darmbakterien ist. Dort suchten sie Schutz im Falle von Infektionen wie Durchfallerkrankungen. Sei die Infektion überstanden, verbreiteten sie sich wieder im Darmsystem.

Diese These sei plausibel, sagte der Kinderarzt Indi Trehan vom Institut für öffentliche Gesundheit der Washington-Universität in St. Louis, der sich mit dem Thema Darmbakterien bei Menschen mit Unterernährung beschäftigt hat. Dafür spreche zum Beispiel die Lage des Appendix im Körper.

Zweifel an der Schutzraum-These

Der Evolutionsbiologe Randolph Nesse von der Universität von Michigan äußerte sich zurückhaltender: Zwar klinge die "Schutzraum"-These nachvollziehbar, erklärte er, gab aber zu bedenken, dass nur 50 von mehr als 360 in der Studie berücksichtigten Säugetieren einen Appendix besäßen. "Es erstaunt, warum so eine Eigenschaft mit einer solchen Funktion nicht allgemein verbreitet ist", betonte er. (dapd)

Ein Gang durch die Organe

 



Kommentare
Aus dem Ressort
Mein Kind hat sich vergiftet – So helfe ich
Notfall-Tipps
Jährlich müssen in Deutschland etwa 94 000 Kinder wegen einer Vergiftung behandelt werden, so die Zahlen des Bundesinstituts für Risikobewertung. Und die Zahl steigt. Beim Giftnotruf NRW gehen mitunter 30 Anrufe pro Stunde ein. Wir erklären, wie Sie helfen können
Ärzte in Sorge - mehr Kinder vergiften sich im Haushalt
Ärzte-Alarm
Kinderärzte schlagen Alarm: In den vergangenen Monaten hat die Zahl der Vergiftungsfälle zugenommen, mehr Kinder mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Nach Auskunft der Giftnotrufstelle Nordrhein-Westfalen in Bonn gehen an manchen Tagen inzwischen bis zu 30 Notrufe in der Stunde ein.
WG für Intensivpflege-Patienten in Hövel ist bezugsfertig
Sozialprojekt
Die erste Wohngemeinschaft für auf Intensiv- und Beatmungspflege angewiesene Menschen im gesamten Hochsauerlandkreis wird in Kürze ihre ersten Bewohner aufnehmen. Nach umfangreichen Aus- und Umbaumaßnahmen ist die in Sundern-Hövel beheimatete Einrichtung offiziell eröffnet worden.
Japanerinnen werden weltweit am ältesten
Lebenserwartung
Japaner haben laut Statistik die weltweit höchste Lebenserwartung. Das zeigen Zahlen des japanischen Gesundheitsministerium, aber auch der Weltgesundheitsorganisation - zumindest bei Frauen. Männer liegen in punkto Lebenserwartung um sechs Jahre zurück. Die Ältesten finden sich ebenfalls in Asien.
Gesund an Bord - Medizinische Versorgung auf der Kreuzfahrt
Schiffsreise
Kreuzfahrten werden immer beliebter. Doch die steigende Anzahl an Passagieren auf begrenztem Raum birgt gesundheitliche Risiken. So können sich an Bord Infektionskrankheiten wie Grippe oder das Noro-Virus schnell verbeiten. Mediziner verraten, worauf Reisende achten sollten.
Umfrage
Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?

Die Bundesregierung erwägt, Arzttermine zentral zu vergeben , um lange Wartezeiten zu verhindern. Eine gute Idee?

 
Fotos und Videos