Das Geheimnis von Weihrauchharz, Manuka-Honig und Kava-Kava

Jede Kultur kennt ihre eigenen Gesundheitsgeheimnisse. Im arabischen Raum ist Weihrauch beispielsweise ein bewährtes Mittel gegen Magenschmerzen.
Jede Kultur kennt ihre eigenen Gesundheitsgeheimnisse. Im arabischen Raum ist Weihrauch beispielsweise ein bewährtes Mittel gegen Magenschmerzen.
Foto: Getty Images
Im Oman soll Weihrauch bei Magenschmerzen helfen, in Neuseeland werden mit Honig Wunden desinfiziert. Was steckt wirklich hinter solchen Geheimwaffen?

Essen.. Was bei uns in der Kirche qualmt, gilt in Arabien als ein bewährtes Mittel gegen Magengrimmen – das lernte die Autorin im Oman über den Weihrauch. In diesem Land startete ihre zweimonatige Reise rund um die Welt, darunter Stationen in Thailand, Kambodscha und Neuseeland. Jede Kultur hat ihre Besonderheiten – auch im Hinblick auf Hausmittel, die der Gesundheit förderlich sein sollen. Jede Kultur hat ihre Besonderheiten – auch im Hinblick auf Hausmittel, die der Gesundheit förderlich sein sollen. Den medizinischen Hintergrund einiger dieser Gesundheitsgeheimnisse erklärt Dr. Linda Tan, Leiterin des Düsseldorfer Zentrums für Naturheilkunde und Schmerztherapie.

Weihrauch bei Entzündungen

Wohlduftende Schwaden umwabern jeden, der in Muscat – der Hauptstadt des Sultanats Oman – in den Souk (Basar) kommt: Vor vielen Lädchen stehen Schälchen aus Ton oder Metall, in denen kleine qualmende Quaddeln auf glimmender Kohle liegen. Dabei handelt es sich um das Harz der Weihrauchbäume, auch Boswellia genannt. Von ihnen gibt es mehr als 20 Sorten, aus deren Stämmen Harz in den unterschiedlichsten Qualitäten quillt. Die Omani erzählen: Das Harz minderer Qualität dient geräuchert dem guten Geruch, die besseren Qualitäten werden gekaut oder in Wasser aufgelöst. Ein morgendlicher Schluck aus der Wasserflasche, in der ein Stück Weihrauch seine Wirkung entfaltet hat, soll gegen Magenschmerzen helfen. Ein Test ergibt: Das Weihrauchharz schmeckt nach herben Kräutern, ätherischen Ölen und klebt an den Zähnen.

Wissenschaftler des Fraunhofer Instituts für Verfahrenstechnik und des Instituts für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Uni Erlangen-Nürnberg haben sich mit der Verwendung von Weihrauch und seinen Wirkungen beschäftigt. Michaela Mertens, Wissenschaftlerin am Fraunhofer Institut, schreibt dazu: „Wird er äußerlich angewendet, soll er wund- und geschwürheilend wirken, Entzündungen im Augenbereich heilen und bei Brustdrüsenschwellungen stillender Frauen helfen. Innerlich angewendet soll er bei Gedächtnisschwäche, Migräne und Kopfschmerzen und Entzündungen im Bereich der Atemwege helfen.“ Auch wird ihm Wirksamkeit bei Magenschleimhautentzündung, -geschwüren oder bei der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn nachgesagt. Dies ist zum Teil in klinischen Studien erwiesen.

Dr. Linda Tan, die ihre Patienten mit bewährter Schulmedizin aber auch Verfahren aus der europäischen und chinesischen Naturheilkunde behandelt, verordnet Tabletten oder Kapseln mit Weihrauch und verschiedenen Kräutern (unter anderem Myrrhe) als ergänzende Hilfe bei entzündlichen Erkrankungen wie Arthritis. „Wir wissen aus der indischen und chinesischen Medizin, dass auf diese Weise das Blut bewegt werden soll, um die feuchte Hitze der Entzündung aus dem Körper zu bringen“, sagt Linda Tan.

Manuka-Honig gegen Herpes

In Neuseeland machte die Autorin ganz neue Erfahrungen mit Honig, den man sich sonst nur aufs Brot gestrichen oder in den Tee geträufelt hat: Berühmt ist dort der Manuka-Honig, der laut Dr. Linda Tan viele antivirale Substanzen enthält.

Der Grund: Die neuseeländischen Bienen gewinnen ihn aus dem Nektar der Südseemyrte (Manuka), einem besonderen Baum. Die Ureinwohner des Landes, die Maori, haben bereits traditionell Blätter, Rinde und den Honig genutzt, um damit Wunden zu desinfizieren und ihre Heilung voranzutreiben.

Den Honig sollen sie gegen Erkältungen, Blasenentzündungen und andere Infektionen eingenommen haben. Inzwischen wird er in klinischen Studien erforscht und es gibt medizinische Präparate auf Manuka-Basis, die auch in Deutschland bei schwer heilenden Wunden eingesetzt werden. Dr. Linda Tan ist allerdings skeptisch, ob dadurch nicht die Bakterienflora empfindlich gestört wird und empfiehlt ihn höchstens gegen Lippenherpes und sogenannte Aphten, Entzündungen der Mundschleimhaut. „Dafür muss es auch kein teurer Honig aus Neuseeland sein, sondern man kann auch ein zertifiziertes, nicht gepantschtes Produkt deutscher Imker nutzen.“

Kava-Kava zur Entspannung

In einer Markthalle von Nadi, der fünftgrößten Stadt der Fidschi-Inseln, türmen sich an den Ständen knorrige Wurzeln. Mancher bietet sie gleich zerrieben zu Pulver an und füllt dieses in beliebig große Tütchen ab. Es ist Kava oder Kava-Kava, eine Pfefferart, die man auch Rauschpfeffer nennt. Die Fidschi-Einwohner rühren das Wurzelpulver der Kava-Pflanze in einer großen Schale mit Wasser an, dann sprechen sie vom „Schmutzigen Wasser“. Bei fröhlichen Zusammenkünften der Dorfeinwohner der Inseln kursieren abends die Kokosnuss-Schalen mit dem bitter schmeckenden Kava-Getränk. Ein Dorfbewohner sagt: „Wir geben es sogar schwangeren Frauen, damit sie gut schlafen können – und die Kinder später auch.“

Naturheilkunde-Expertin Linda Tan erklärt: „Kava wirkt beruhigend, harmonisierend auf die Psyche und entspannt die Muskeln.“ Auch in Europa sei Kava lange Zeit bei Angstzuständen gegeben worden, dann allerdings vom Markt genommen worden. Linda Tan: „Untersuchungen ergaben, dass die Enzymwerte der Leber unter Kava-Einfluss gestiegen waren – sicher eine Frage der Menge, die man davon nimmt.“ Trotzdem: Linda Tan empfiehlt zur Muskelentspannung, etwa bei chronischen Spannungskopfschmerzen oder Migräne, Präparate mit Pestwurz (Petasites).