Das aktuelle Wetter NRW 24°C
Brustimplantate

Chef der Implantats-Firma PIP wieder auf freiem Fuß

31.10.2012 | 08:45 Uhr
Der Chef der Implantats-Firma PIP wurde bis zur Gerichtsverhandlung im Frühjahr frei gelassen.Foto: dapd

Avignon.  Der Gründer der französischen Firma PIP, Jean-Claude Mas, ist wieder auf freiem Fuß. Der 73-Jährige muss sich jedoch im Frühjahr wegen schweren Betrugs vor Gericht verantworten. Seine Firma hatte gesundheitsgefährdende Brustimplantate auf den Markt gebracht und Hunderttausende davon verkauft.

In der Affäre um hunderttausende gesundheitsgefährdende Brustimplantate ist der Gründer der französischen Firma PIP wieder auf freiem Fuß. Ein Richter ordnete die Freilassung des 73-jährigen Jean-Claude Mas unter Auflagen am Montag an, am Nachmittag konnte er dann das Gefängnis verlassen.

Mas muss sich im Frühjahr wegen schweren Betrugs vor Gericht verantworten. Der 73-Jährige war seit Anfang März wegen der defekten Implantate in Untersuchungshaft. Sichtlich abgemagert und müde verließ er am Montag die Haftanstalt in Pontet im südlichen Département Vaucluse.

Mehr als 2300 mutmaßliche Opfer

Er sei wegen der Haft "ruiniert", sagte er vor rund 20 Journalisten. "Ich bin nichts mehr." Seinen Auflagen entsprechend muss sich Mas nun unter anderem regelmäßig bei der Polizei melden und seine Bewegungsfreiheit wurde eingeschränkt.

Philippe Courtois, der mehr als 2300 mutmaßliche Opfer des Skandals vertritt, sagte, es gebe noch immer ein Fluchtrisiko, er vertraue aber auf die Arbeit der französischen Justizbehörden. "Die Opfer fühlen sich in ihrem eigenen Körper eingesperrt", erklärte er zudem. Die Frauen würden es daher nur "normal finden", wenn er ebenfalls eingesperrt würde.

Fahrlässige Körperverletzung

Mas hatte zugegeben, seit 1995 drei Viertel seiner Prothesen illegal mit einem Billig-Gel gefüllt zu haben, das er mit einem eigentlich für Industrieprodukte bestimmten Silikon zusammenmixte. Er hatte jedoch versichert, dass seine Produkte nicht gesundheitsgefährdend gewesen seien. Gegen ihn laufen auch Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Video
Marseille, 27.01.12: Im Skandal um minderwertige Brustimplantate ist PIP-Gründer Jean-Claude Mas am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Nach dem Verhör konnte der 72-Jährige das Gerichtsgebäude gegen eine Kaution von 100.000 Euro verlassen.

Weltweit tragen hunderttausende Frauen, auch in Deutschland , die Billig-Prothesen, die auffällig oft rissen und für Entzündungen verantwortlich gemacht werden. In Frankreich wurden zudem bisher 20 Krebsfälle bei Frauen mit PIP-Implantaten registriert. Einen Beweis, dass die Verwendung des Billig-Silikons dafür verantwortlich ist, gibt es bisher aber nicht.

Schärfere Kontrollen

Gesundheitsbehörden in aller Welt hatten den betroffenen Frauen empfohlen, sich die Billig-Implantate entfernen zu lassen. Die PIP-Implantate konnten dank eines EU-Zertifikats vermarktet werden, das der TÜV Rheinland erteilte. Rechtzeitig vor den stets vorher angekündigten TÜV-Kontrollen ließen Mitarbeiter der inzwischen abgewickelten Firma aber kompromittierende Unterlagen und ganze Container mit dem Billig-Silikon verschwinden, wie Mas in einem Polizeiverhör zugab.

Als Konsequenz aus dem Skandal will die EU schärfere Kontrollen von Medizinprodukten einführen. (afp)


Kommentare
31.10.2012
10:11
Chef der Implantats-Firma PIP wieder auf freiem Fuß
von unfassbar | #1

Schade, dass dieser Verbrecher alterstechnisch keine lange Haftstrfe überleben wird.

Aus dem Ressort
Heil- und Gewürzpflanze - Frischen Knoblauch auf Wunde legen
Heilpflanze
Knoblauch ist gesund - das ist allgemein bekannt. Doch nicht nur als Nahrungsmittel kann Knoblauch heilen. Die Pflanze hilft auch bei äußerer Anwendung. Legt man Knoblauch-Scheiben auf offene Wunden, so desinfizieren sie diese. Auch bei Zahnfleischentzündungen hilft die Heilpflanze.
Infektionen mit Rotaviren im Sauerland gestiegen
Gesundheit
Rotaviren sind die häufigsten Durchfallerreger im Säuglings- und Kleinkindalter weltweit. Auch Senioren ab 60 Jahren und Menschen mit schwachem Immunsystem können die Erreger treffen. Mit bisher 104 gemeldeten Erkrankungen ist in diesem Jahr im Sauerland ein ähnliches Ergebnis zu erwarten wie 2013.
Gesundheitskarte - Pannenprojekt oder digitale Revolution?
eGK
Teuer, kompliziert, nutzlos? Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) macht bisher viel Ärger. Doch auf die Versicherten und Ärzte rollt eine Welle neuer Möglichkeiten zu. Ab Ende 2015 sollen etwa Adresse und Versichertenstatus auf der Karte online überprüft werden können.
Autismus Therapie Zentrum Mülheim setzt Video-Behandlung ein
Autismus
Die so genannte Marte Meo-Behandlung wurde ursprünglich für Autisten entwickelt, ist aber auch in vielen anderen Therapiefeldern einsetzbar, zum Beispiel auch bei jungen Müttern. Fortbildungen zum Therapeuten werden im Autismus Therapie Zentrum in Mülheim angeboten.
Gelsenkirchener Klinik bekommt neuen Chefarzt der Neurologie
Krankenhaus
Es ist die einzige stationäre Neurologie in Gelsenkirchen, die Prof. Claus Haase jetzt an den Evangelischen Kliniken übernommen hat. Der 47-Jährige will die Stroke Unit für Schlaganfallpatienten samt Früh-Reha weiter stärken. Und auch sonst hat der Facharzt für Neurologie noch viel am Klinikum vor.
Umfrage
S-Bahnen in NRW sollen bald wieder mit Außenwerbung auf den Zügen herumfahren. Was halten Sie davon?
 
Fotos und Videos