Cannabis hilft möglicherweise doch nicht bei Multipler Sklerose

Bisher gingen Forscher davon aus, dass ein bestimmtes Cannabis-Präparat die Leiden von MS-Patienten lindern kann. Die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend bewiesen, heißt es jetzt in einer medizinischen Fachzeitschrift.
Bisher gingen Forscher davon aus, dass ein bestimmtes Cannabis-Präparat die Leiden von MS-Patienten lindern kann. Die Wirksamkeit ist aber nicht ausreichend bewiesen, heißt es jetzt in einer medizinischen Fachzeitschrift.
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Was wir bereits wissen
Eine zeitlang wurde angenommen, dass Cannabis die Beschwerden von Multiple-Sklerose-Patienten lindern kann. Eine medizinische Fachzeitschrift zweifelt die Studien zur Wirksamkeit jetzt aber an: Die Versuchsreihen seien zu kurzfristig angelegt und die Zahl der Versuchspersonen teils zu gering.

London.. Eine Auswertung medizinischer Studien stellt die Wirksamkeit eines Cannabis-Präparats für an Multipler Sklerose (MS) erkrankte Patienten in Frage. Bisherige Studien über das auch in Deutschland zugelassene Medikament Sativex könnten die Wirksamkeit des Präparats nicht ausreichend beweisen, heißt es in einem am Mittwoch in der britischen Fachzeitschrift "Drug and Therapeutics Bulletin" veröffentlichten Aufsatz. Die in den Studien enthaltenen Beweise seien "sehr mager", schreibt der Herausgeber der Fachzeitschrift, James Cave. Es sei daher sogar "erstaunlich", dass Sativex, das Muskelkrämpfe von MS-Patienten lindern soll, eine Zulassung erhalten habe.

Versuche waren oft zu kurz angesetzt

So hätten Versuche oft nur eine Dauer von wenigen Wochen gehabt. Untersuchungen über die Langzeitwirkung des Medikaments des britischen Pharmakonzerns CW Pharmaceuticals fehlten dagegen. In einigen Studien sei zudem die Zahl der Versuchspersonen nicht ausreichend gewesen. In zwei Untersuchungen hätten die Versuchspersonen mehr als die empfohlene Tagesdosis des Sprays erhalten.

Eine vom Untersuchungsdesign und von der Zahl der Teilnehmer her nicht zu beanstandende Studie habe keine deutliche Verbesserung der Symptome gezeigt. CW Pharmaceuticals wies die Angaben der kritischen Studien-Auswertung zurück. "Wichtige Elemente" der klinischen Studien seien von den Autoren offenbar nicht verstanden worden.

Kontrollbehörden in 22 Staaten hätten die Tests nicht beanstandet. Weltweit leiden mehr als eine Million Menschen unter Multipler Sklerose, bei der das eigene Immunsystem die Schutzhülle von Nervenzellen zerstört. Typisch für die Krankheit sind Muskelkrämpfe. (AFP)