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Organspende

Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung

25.05.2012 | 11:12 Uhr
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
Foto: dapd

Berlin.   Bürger in Deutschland müssen sich künftig mehr Gedanken über eigene Organspenden machen. Der Bundestag hat dazu an diesem Freitag mit Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt. Die Deutsche Hospiz-Stiftung reagiert enttäuscht.

Nach jahrelangen Debatten hat der Bundestag eine Neuregelung zur Organspende auf den Weg gebracht. Mit breiter Mehrheit verabschiedete das Parlament am Freitag einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Entscheidungslösung. Jeder Bürger über 16 Jahre wird künftig von seiner Krankenkasse per Brief regelmäßig Informationen zum Thema Organspende erhalten. Zudem wird jeder aufgefordert, zu erklären, ob er nach seinem Tod Organe spenden will. Die Entscheidung bleibt aber nach wie vor freiwillig.

Verabschiedet wurde zudem mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP ein Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Transplantationsgesetzes. Damit werden die etwa 1350 Kliniken mit Intensivstationen verpflichtet, einen Transplantationsbeauftragten zu berufen. Dieser soll die Organspenden besser koordinieren und Angehörige potenzieller Spender beraten.

Grüne und Linke warnen vor Datenzugriff durch die Krankenkassen

Zuvor hatten die Abgeordneten im Bundestag nochmals rund anderthalb Stunden in sehr sachlicher Atmosphäre über den Gesetzentwurf debattiert. Redner aller Fraktionen machten dabei deutlich, wie wichtig es ist, die Menschen regelmäßig mit dem Thema Organspende zu konfrontieren. Dadurch solle erreicht werden, dass sich die Bürger stärker als bisher mit dem Thema Organspende auseinandersetzen und die Zahl der dringend nötigen Organspenden steigt. Zugleich wurde deutlich gemacht, dass keinerlei Zwang ausgeübt werde.

Grüne und Linke machten allerdings auch ihre Vorbehalte gegen Details des geänderten Transplantationsgesetzes deutlich. Sie forderten unter anderem mehr Transparenz und Kontrolle bei der Organisation der Organspenden, die in Deutschland von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) koordiniert wird.

Kritik von Hospiz-Stiftung

Zudem lehnten sie es aus Datenschutzgründen ab, die Organspendebereitschaft künftig auch auf der elektronischen Gesundheitskarte zu dokumentieren. Dies soll in einigen Jahren möglich sein, allerdings nur mit Zustimmung der Versicherten. Vertreter von Grünen und Linken erklärten, die Kassen dürften keinen Zugriff auf die Daten haben.

Die Deutsche Hospiz-Stiftung reagierte enttäuscht auf den Beschluss: "Mehr Werbung wird es das zentrale Problem der Bevölkerung nicht lösen können", erklärte Vorstand Eugen Brysch. Die Zahl der Organspendeausweise hab sich laut Brysch seit 1996 nicht wesentlich erhöht, obwohl das Organspende seitdem deutlich stärker in der Öffentlichkeit thematisiert würden. Lösung könnte laut Brysch nur eine zentrale Koordination sein, bei der "die Funktionen der privaten Organisationen wie der Bundesärztekammer, der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der niederländischen Stiftung Eurotransplant unter parlamentarische Kontrolle und Führung" gestellt würden.

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Kommentare
27.05.2012
19:45
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von favorit | #16

Was bei der öffentlichen Diskussion m.E. zu kurz kommt ist die Tatsache, dass viele Kliniken sich aus Kostengründen nicht am Transplantationssystem beteiligen. Was nutzt ein Organspende-Ausweis in der Tasche wenn das Krankenhaus, in das ich vielleicht zufällig eingeliefert werde, nach meinem Tod die Spendenbereitschaft ignoriert?
Mich wundert, dass die Krankenkassen hier nicht mehr Druck machen, wenn man die enormen Kosten (z.B. 3-mal wöchentlich Dialyse) bedenkt, die man durch zusätzliche Spenderorgane einsparen könnte.

27.05.2012
09:59
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von Pit01 | #15

Sollte jeder für sich entscheiden, da braucht es keine Gesetze. Doch warum auch 16 jährige, also noch nach Gesetz unmündige entscheiden sollen, bzw. befragt werden, ist mir schleierhaft.

26.05.2012
19:45
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von asterlawisster | #14

Gesetze Verbote Gebote Erlasse Anweisungen Regeln Befehle

Das ist alles soooooo deutsch - es k**** mich nur noch an.

Erst einmal ist das Vertrauen in die Ärzte herzustellen, ich erinnere an billiges Silikon, minderwertige Hüftgelenk-Prothesen, ungewollte Lebensverlängerung durch Magensonden, Fallpauschalen usw usw

3 Antworten
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von Catman55 | #14-1

Ein wahres Potpourri an Kritiken, die sie da haben. Haben sie schon einmal über eine Patientenverfügung nach gedacht? Da nehmen sie den Ärzten und ihren Verwandten eine falsche Entscheidung ab. Wer möchte auch schon an medizinischen Apparaten am "Leben" erhalten bleiben und langsam dahinsiechen bis er letztendlich doch stirbt.

Und die Sache mit dem billigen Sikon. War das nicht ein Lieferant, der sich damit bereichert hat? Nicht immer sind Ärtzte schuld. Oft schon.

Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von Catman55 | #14-2

Übrigens können sie auch in der Patientenverfügung ebenfalls aufnehmen lassen, dass sie keine Organe spenden möchten. Falls sie Angst haben sollten, man könnte ihre Spendeausweis übersehen.

Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von 1980yann | #14-3

Wodurch fühlen Sie sich denn gegängelt?
Welchem Zwang fühlen Sie sich denn unterworfen?

Sie werden um eine Entscheidung gebeten, und wenn Sie die nicht treffen, werden Sie vielleicht noch mal gefragt ... aufdringlich ist irgendwie anders ...

26.05.2012
18:26
Arglistige Täuschung
von wohlzufrieden | #13

Nach bisher unbestätigten Meldungen, wird der neue Spendenausweis jedem Hartz IV Antragsteller, mit "Ja" ausgefüllt, übergeben in der Arge. Arglistig...

1 Antwort
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von 1980yann | #13-1

Ihre Hetzerphantasien als Meldung zu bezeichnen, grenzt an Hochstapelei.

26.05.2012
16:13
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von 1980yann | #12

@10
Selbstverständlich ist es wichtig, dass jeder einen Organspendeausweis hat!
Allerdings ist Ihnen wohl nicht klar, wie so ein Ausweis aussieht!
http://www.dso.de/uploads/tx_dsodl/Organspendeausweis.pdf
Man kann selbstverständlich auch NEIN ankreuzen ... ein Organspendeausweis heißt nicht, dass der Besitzer Organspender ist, sondern nur, dass der Besitzer selbst eine Entscheidung getroffen hat, die er im Falle eines schweren Unfalls mit Hirntod als Folge, seinen Angehörigen erspart.

26.05.2012
09:39
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von wohlzufrieden | #11

Ja, von Spenden verstehen Politiker was...

26.05.2012
07:26
Steter Tropfen höhlt den Stein
von bion | #10

Das Gesetz klingt nach Ächtung all derer, die in Zukunft keinen Organspendeausweis mit sich tragen.
Lieben Sie ihren Nächsten? -Ja- Dann brauchen sie einen Spendeausweis. -Den will ich aber nicht.- Dann lieben Sie auch nicht Ihren Nächsten und wollen sein Leben nicht retten, Sie Unmensch.-
Dann kommt die Rhetorik: Falls Sie mal in die Lage geraten, dann...
Das Gesetz soll uns ein schlechtes Gewissen einreden, dazu ist aber ein Gesetz nicht da; Alle 2 Jahre wird die Frage erneut gestellt, sogar an Minderjährige.

25.05.2012
19:51
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von Gauck | #9

Unter dem Vorwand der Nächstenliebe das große Geschäft.





1 Antwort
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von Catman55 | #9-1

Müssig ist es, zu fragen, woher sie die Erkenntnis haben?

25.05.2012
19:44
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
von gatagorda | #8

Warum muss in Deutschland alles so kompliziert werden. Es gibt doch eine viel einfachrere Loesung des Problems: Jeder, der volljaehrig ist und zu Lebzeiten nicht ausdruecklich einer Organspende widerspricht, ist automatisch Spender, so fern seine Organe brauchbar sind. Bei Minderjaehrigen entscheiden die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten.

25.05.2012
16:16
Gehirwäsche, Bevormundung
von matrix666 | #7

"Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Entscheidungslösung."
allein das wirkt schon abstossend.
Die Organspende, wie der Namen sagt, ist eine Spende, eine Tat aus eigener Überzeugung und ist eine freiwillige Entscheidung und nicht vom Gesetz bestimmt.

Eugen Brysch hat Recht: "Mehr Werbung wird es das zentrale Problem der Bevölkerung nicht lösen können". Der Bürger fühlt sich dadurch verar... und im wahrsten Sinne des Wortes ausgenommen....und zwar per Gesetz!

1 Antwort
"Gesetzentwurf zur Einführung der sogenannten Entscheidungslösung."
von Catman55 | #7-1

Das wirkt nur darum auf Manche abstoßend, weil sie nicht bereit sind über ihr Ableben nach zu denken. Und nicht zur Spende wird dieses Gesetz gebaut sondern zur Entscheidungsnachricht. Ähnlich der Bundes-, Landes- und Kommunalwahl, zu der sie auch regelmäßig benachrichtigt werden. Es wird eine neue "Bürgerpflicht".

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