Das aktuelle Wetter NRW 1°C
Prävention

Beim Arbeitsschutz werden psychische Erkrankungen meist ignoriert

25.07.2012 | 14:45 Uhr
Beim Arbeitsschutz werden psychische Erkrankungen meist ignoriert
Psychische Erkrankungen werden bislang beim Arbeitsschutz vernachlässigt.Foto: Thinkstock

München.  Immer mehr Berufstätige leiden an psychischen Erkrankungen wie Burnout oder Depressionen. Doch für den Arbeitsschutz spielt dies bisher kaum eine Rolle. Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke fordert deshalb nun eine Anti-Stress-Verordnung.

Die zunehmenden psychischen Erkrankungen Berufstätiger werden von den für den Arbeitsschutz zuständigen Gewerbeaufsichtsämtern bislang kaum untersucht. Die Gewerbeaufsicht der Länder berücksichtige das Thema psychische Belastungen nur "bei jeder neunzigsten Besichtigung", zitierte die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag aus einer Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

Die bisherigen Konzepte griffen nicht: "Psychische Belastungen sind im Rahmen von Betriebsbesichtigungen nur schwer zu ermitteln." Die Prüfung auf psychische Erkrankungen sei "zeit- und personalaufwendiger", als etwa Grenzwerte bestimmter Stoffe zu ermitteln, heißt es laut Bericht in der der Antwort des Ministeriums weiter. Die zuständigen Länder hätten zudem die Zahl der Beschäftigten in der Arbeitsschutzverwaltung verringert; mit einem weiteren Personalabbau sei zu rechnen. Dies betrachtet das Ministerium nach eigenen Angaben "nicht ohne Sorge".

Grünen-Abgeordnete fordert Anti-Stress-Verordnung

Die Grünen-Abgeordnete Beate Müller-Gemmeke sagte der "Süddeutschen Zeitung", die Antworten der Regierung zeigten eine "traurige Realität". Nötig sei eine Anti-Stress-Verordnung , forderte sie. So bekämen Aufsichtsbehörden und Betriebe das Handwerkszeug an die Hand, um arbeitsbedingten Stress zu reduzieren.

Das Problem der psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz nimmt zu: Laut einer jüngst veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer verdoppelte sich der Anteil der Fehltage wegen Burnouts oder Depressionen seit dem Jahr 2000 in etwa und beträgt derzeit 12,3 Prozent. (afp)

Stressfrei leben

 

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6911811/create

Fotos und Videos
Kunstaugen als Ersatz
Bildgalerie
Prothesen
Schüler gegen Aids
Video
Video
Neues von der Medica 2012
Video
Medizin Messe
Aus dem Ressort
Fast jeder Fünfte Deutsche ist allergisch auf Lebensmittel
Allergien
Beinahe jeder fünfte Deutsche hat eine Lebensmittelallergie und ist so bei der Auswahl der Speisen im Alltag eingeschränkt. Besonders häufig werden Lebensmittelunverträglichkeiten bei Menschen mit höherer Bildung diagnostiziert. Grund hierfür sei, dass diese die Symptome häufiger richtig deuten.
14 Monate Haft für Zahnarzt wegen zu viel gezogener Zähne
Prozess
Ein Zahnarzt ist zu 14 Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er einer Patientin sieben Zähne zu viel gezogen hat. Ein Gericht in Sachsen-Anhalt sprach den 42-Jährigen der Körperverletzung schuldig und verhängte ein zweijähriges Berufsverbot. Insgesamt hatte er der Patientin elf Zähne gezogen.