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Bandscheibenfalle Wiesn - Ärzte warnen vor Rückenleiden

28.09.2012 | 08:45 Uhr
Orthopäden warnen vor bestimmten Fahrgeschäfte auf der Wiesn. Schausteller halten dies für lächerlich.Foto: Uwe Lein

München  Die orthopädische Fachgesellschaft Wirbelsäulenliga warnt vor Fahrgeschäften auf dem Oktoberfest, da diese starke Rückenschmerzen oder auch Bandscheibenvorfälle verursachen können. Die Schausteller finden diese Analyse einfach nur lächerlich.

Sie heißen Skater, High Energy, Break Dancer oder Parkour: Wer auf dem Münchner Oktoberfest in diese Fahrgeschäfte einsteigt, wird kräftig durchgeschüttelt und kann eine Mordsgaudi erleben. Und später vielleicht Höllenqualen, warnt die orthopädische Fachgesellschaft Wirbelsäulenliga.

Deren Vorstand Reinhard Schneiderhan marschierte am Donnerstag über die Wiesn, um auf die nach seiner Einschätzung risikoreichsten Attraktionen hinzuweisen. Dem Mediziner zufolge steigt zur Oktoberfestzeit die Zahl der Patienten mit Rückenleiden deutlich an. Bis zu 20 Prozent mehr Menschen kämen wegen akuter Beschwerden in die Münchner Orthopädie-Praxen und Notfall-Ambulanzen. Ein Grund sei die fehlerhafte und leichtsinnige Benutzung von Fahrgeschäften, meist nach dem Besuch im Bierzelt. Alkohol vermindere die Reaktionsfähigkeit und die Muskulatur könne nicht mehr richtig angespannt und koordiniert werden.

Vier Monate Krafttraining empfohlen

Die Diagnosen reichen laut Schneiderhan von einfachen Muskelverspannungen über massive Stauchungen bis hin zu Schleudertraumen und sogar schweren Bandscheibenvorfällen. 80 Prozent der Oktoberfest-bedingten Rückenschmerzen träten an der Halswirbelsäule auf.

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Der Mediziner rät, sich mindestens vier Monate lang mit Krafttraining auf die Wiesn vorzubereiten. Schneiderhan zufolge kann die "Bandscheibenfalle Oktoberfest" rasch in Fahrgeschäften zuschnappen, in denen der Körper schnellen Drehbewegungen und ruckartigen Richtungsänderungen ausgesetzt ist. Der Orthopäde traute sich sogar ein Ranking der gefährlichsten Karussells zu, nachdem er 20 von ihnen selbst getestet hatte. Auch die Erfahrungen anderer Fahrgäste seien in seine Analyse eingeflossen, berichtet der Doktor, der seine Bewertung allerdings nicht mit einer Statistik belegen kann. 

Lächerliche Analyse

Im Fahrgeschäft High Energy etwa seien "viele Bewegungen nicht vorhersehbar und wirken wie Peitschenhiebe auf den Oberkörper", warnt Schneiderhan. Ihm gefällt auch nicht, dass die Beine frei hin und her baumeln. Das ist auch beim Karussell Skater so, das "brutal für Hals- und Lendenwirbelsäule" sei und damit nach Darstellung von Schneiderhan das höchste Risiko für Rückenpatienten aufweise. Weil der Körper ständig vor- und zurückschlage, bestehe "die Gefahr eines Schleudertraumas wie bei einem Auffahrunfall".

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Den betroffenen Schaustellern schmeckt die Bewertung freilich nicht. Der Betreiber des Skaters, Siegfried Kaiser, betont, dass es sein Fahrgeschäft seit 15 Jahren auf der Wiesn gebe. In dieser Zeit hätten Benutzer noch nie über Rückenprobleme geklagt, sagt der 62-Jährige. Er selbst fahre regelmäßig mit dem Skater, trotz seines Alters. Die Analyse Schneiderhans nennt er "zweifelhaft" und "absolut lächerlich". "Der Doktor will sich nur profilieren", schimpft Kaiser. Der Schausteller verweist auch auf die großen roten Warnschilder am Kassenhäuschen und am Geländer. Darauf heißt es klar: Menschen mit Wirbelsäulen- oder Bandscheibenschäden dürfen nicht mitfahren. (dapd)



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