Auch Kinder profitieren von minimalinvasiver Chirurgie

Viele chirurgische Eingriffe bei Kindern lassen sich auch minimalinvasiv durchführen.
Viele chirurgische Eingriffe bei Kindern lassen sich auch minimalinvasiv durchführen.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Minimalinvasive Eingriffe bei Kindern sind häufig viel weniger belastend für den Körper als konventionelle Verfahren. Wann die Methode helfen kann.

Dortmund.. Müssen Kinder operiert werden, sind besonders viele Sorgen und Ängste im Spiel. Eltern möchten sich gar nicht ausmalen, wie ein Chirurg mit scharfem Skalpell große Schnitte auf dem winzigen Kinderbauch setzt, um beispielsweise an der Niere operieren zu können. Auch wenn eine solche „offene Operation“ in vielen Fällen noch immer notwendig ist – mancher Eingriff lässt sich heute schon bei Kindern minimalinvasiv, also mit vergleichsweise kleinen Schnitten durchführen.

Was bedeutet minimalinvasive Chirurgie?

Je nach Krankheitsbild nutzen Mediziner die minimalinvasive Chirurgie (MIC) immer häufiger. „In den letzten zehn Jahren hat sich die Technik stark verfeinert“, sagt Dr. Andreas Leutner, Direktor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie am Klinikum Dortmund. In der Regel seien die Schnitte bei der MIC nur einen halben Zentimeter groß, bei Säuglingen etwa drei Millimeter. „Es gibt sogar schon Instrumente, die nur zwei Millimeter große Schnitte benötigen und extrem biegsam sind.“

Neue Verfahren in der Entwicklung In der Regel wird ein erster Schnitt am Bauchnabel gesetzt, anschließend wird CO2 in die Bauchhöhle gepumpt, damit die winzige Kamera eingeführt werden kann. Je nachdem, wo operiert wird, müssen dann ein bis zwei weitere Schnitte gesetzt werden. Dabei kann minimalinvasiv nicht nur geschnitten und genäht werden – auch der Verschluss von Gefäßen ist möglich, oder die Zerkleinerung und Entnahme von Gewebe.

Noch dauern viele minimalinvasive Eingriffe etwas länger als die konventionellen Operationen – doch die Entwicklung schreitet rasant voran. Auch die Medizintechnik mache hier Fortschritte, so Leutner, „es werden ständig neue Instrumente und spezielle Clips entwickelt, um die Möglichkeiten zu erweitern.“

Welche Vorteile hat die MIC?

Wegen der kleinen Schnitte ist die Operation weniger belastend als herkömmliche Verfahren. „Die Zugangstraumata sind geringer, ebenso die Schmerzen nach der Operation“, sagt Andreas Leutner. Infolgedessen verheilen die Wunden schneller und die Krankenhausaufenthalte können deutlich verkürzt werden: So hat der Chirurg kürzlich ein Baby operiert, dem ein abgekapseltes Stück Lunge entfernt werden musste. „Das überschüssige Gewebe wurde im Körper zerkleinert und über einen sogenannten Bergebeutel entfernt – so konnte das Kind schon nach wenigen Tagen wieder nach Hause.“

Operationen Schließlich sind auch die wesentlich kleineren Narben ein klarer Vorteil. Und Mediziner schätzen die MIC noch aus einem ganz praktischen Grund: „Dank der Kamera hat man eine sehr gute Übersicht“, sagt Leutner. „Die ganze Bauchhöhle lässt sich so gut inspizieren.“

Gibt es auch Nachteile?

Sofern die MIC korrekt und im Rahmen ihrer Möglichkeiten angewandt wird, habe sie kaum Nachteile, sagt Leutner. „Es ist natürlich eine andere Art zu operieren, die man üben und an die man sich gewöhnen muss.“ Schließlich entfällt die Möglichkeit, das Gewebe abzutasten. Doch die Operateure werden an speziellen Modellen geschult, bevor sie erstmals auf diese Weise operieren dürfen.

Tritt während der OP eine starke Blutung auf, stößt die MIC allerdings an ihre Grenzen: Die Sicht über die Kamera verschlechtert sich. Daher gilt es vorher gut abzuwägen, welche Methode angewandt wird. „An erster Stelle steht die Sicherheit des Patienten“, sagt Leutner, „mögliche Komplikationen müssen beherrschbar sein.“

Was kann mit der MIC operiert werden?

In der Kinderchirurgie werden mit der MIC typischerweise Eingriffe im Bauch- und Brustraum vorgenommen, zum Beispiel Nieren-, Magen- oder Blasen-OPs, sowie Behandlungen des Darms, der Gallenblase oder Lunge. Doch auch Organe außerhalb der Bauchhöhle können minimalinvasiv operiert werden, beispielsweise die Schilddrüse.

Kinderklinik In Einzelfällen wird die MIC auch schon bei Neugeborenen eingesetzt, zum Beispiel bei Dünndarmverschlüssen. „Es ist aber etwas ganz anderes, am wachsenden Organismus zu operieren“, so Leutner. „Abgedroschen, aber wahr: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“ Sie haben andere Krankheitsbilder, andere Symptome und müssen dementsprechend auch anders therapiert werden, angefangen schon bei der OP-Vorbereitung und der Narkose.

Bei welchen Erkrankungen ist die MIC nicht möglich?

Bei Patienten mit großen Tumoren sollte nach wie vor besser offen operiert werden, sagt Andreas Leutner. Zwar deute sich eine Entwicklung der MIC auch in diese Richtung an, noch sei von einem minimalinvasiven Eingriff bei solchen Krankheitsbildern eher abzuraten.

Bei machen Erkrankungen aber, etwa beim Leistenbruch, könnten die Eltern nach ausführlicher Aufklärung durch den Arzt wählen, ob ihr Kind minimalinvasiv oder offen operiert werden soll. „Es gibt Krankheitsbilder, bei denen kein Verfahren eindeutig besser ist – da müssen dann die Vor- und Nachteile abgewogen werden.“