Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Studie

Antibiotika helfen nicht bei Nasennebenhöhlen-Entzündung

15.02.2012 | 08:45 Uhr
Antibiotika helfen nicht bei Nasennebenhöhlen-Entzündung
Antibiotika werden oft bei Erkältungen verschrieben, dabei wirken sie dagegen kaum.Foto: Dirk Bauer

Chicago  Antibiotika helfen kaum gegen eine akute Erkältung mit Entzündung der Nasennebenhöhlen. Eine Studie belegt: Das Antibiotikum Amoxicillin lindert die Symptome nicht stärker als ein Placebo. Trotzdem verschreiben viele Ärzte bei Erkältungen Antibiotika.

Antibiotika helfen kaum gegen eine akute Erkältung mit Entzündung der Nasennebenhöhlen - auch dann nicht, wenn diese von Bakterien verursacht wird. Zwar greifen viele Ärzte gegen die sogenannte Rhinosinusitis zum Rezept, die Einnahme des Antibiotikums Amoxicillin lindert die Symptome aber nicht stärker als ein Placebo . Das belegt eine Studie US-amerikanischer Forscher.

Weder am dritten Tag noch am zehnten Tag der Behandlung habe es statistisch signifikante Unterschiede im Befinden der Patienten gegeben, berichten sie im Fachmagazin "Journal of the American Medical Association". "Damit gibt es nun zahlreiche Belege aus Studien, dass Patienten mit akuter Rhinosinusitis wenig bis gar keinen Vorteil von einer Antibiotikabehandlung haben", schreiben Jane Garbutt und ihre Kollegen von der Washington University in St. Louis. Dennoch werde die antibiotische Therapie bei einer Erkältung weiterhin von vielen Patienten erwartet und von vielen Ärzten verschrieben.

Antibiotika werden zu häufig verschrieben

Das ist auch in Deutschland der Fall: Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) suchen alljährlich 12,2 Millionen Menschen in Deutschland wegen einer Rhinosinusitis einen Arzt auf. In 70 bis 90 Prozent der Fälle würden dabei Antibiotika verschrieben - obwohl Antibiotika laut den offiziellen Leitlinien nur bei schweren Verläufen verabreicht werden sollen. Angesichts der Bedrohung der öffentlichen Gesundheit durch Antibiotikaresistenzen sei dies eine bedenkliche Tatsache, meinen Garbut und Kollegen.

Ein zu häufiger und unsachgemäßer Einsatz von Antibiotika gilt als eine der Hauptursachen für die Bildung resistenter Keime. Diese sind gegen gängige Antibiotika immun und können so nicht mehr mit den herkömmlichen Mitteln bekämpft werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist es sinnvoll, zunächst die Entwicklung einer Erkältung abzuwarten, bevor man ein Antibiotikum verschreibt. Das werde so auch schon von Gesundheitsbehörden empfohlen. Erst wenn dann nach längerer Zeit keine Besserung eintrete, könne eine Behandlung mit Antibiotika unter Umständen hilfreich sein.

Medikament wirkt nicht besser als Placebo

Eine Gruppe erhielt zehn Tage lang drei Mal täglich 500 Milligramm des Antibiotikums Amoxicillin, die andere eine ähnlich aussehende, wirkstofflose Tablette - ein Placebo. Keiner der Patienten wusste, welcher Gruppe er angehörte. Alle Patienten durften nach Belieben symptomlindernde Mittel nutzen, beispielsweise Nasentropfen oder fiebersenkende Medikamente. Nach drei Tagen wurde der Zustand aller Patienten untersucht, zudem befragten die Forscher am dritten, siebten und zehnten Tag der Behandlung die Patienten nach ihren Symptomen und den beobachteten Besserungen. Weder am Anfang noch am Ende der Behandlung habe man Unterschiede im Befinden der beiden Patientengruppen festgestellt, berichten die Forscher.

Auch in punkto Fehltagen von der Arbeit, Dauer der Krankheit oder Rückfallquote hätten beide Gruppen nahezu gleich abgeschnitten. Nur am siebten Tag differierten die Ergebnisse leicht: 74 Prozent der mit Antibiotika behandelten Patienten berichteten von einer leichten Besserung der Symptome. In der Placebogruppe waren es 56 Prozent. (dapd)

Facebook
 
Kommentare
15.02.2012
12:39
Antibiotika muss man sich nicht mehr verschreiben lassen,
von holmark | #3

es genügt ein halbes Hähnchen zu essen...

15.02.2012
11:50
Antibiotika helfen nicht bei Nasennebenhöhlen-Entzündung
von dumper | #2

Ich mache es nach Großmutters Rezept,eine Schüssel kochend heißes Wasser , 1-2 Esslöffel Salz unterrühren und dann mit einem Handtuch über den Kopf über der Schüssel den Dampf inhalieren. Das ganze je nach schwere 2-3 X täglich .Vorher noch mit einem Nasenspray dafür sorgen das die Schleimhäute abschwellen und spätestens nach 4-5 Tagen bessert sich das Befinden.

15.02.2012
10:45
Antibiotika helfen nicht bei Nasennebenhöhlen-Entzündung
von joergel | #1

Wer mal eine richtige Nasennebenhöhlen-Entzündung mit den entsprechenden unerträglichen Kopfschmerzen hatte, weiß die angeblich unwirksamen Antibiotika zu schätzen. Vor allem wenn er damit eine Nasen-OP mit dem sogenannten "Durchstechen" und anschließenden Nasenspülungen vermeiden kann.

Es ist zwar richtig, dass Antibiotika bei einer Erkältung keine Rolle spielen und bei einer Erkältung sind auch meistens die Nasennebenhöhlen in Mitleidenschaft gezogen. Aber deshalb Antibiotika generel als unwirksam bei einer Nasennebenhöhlen-Endzündung zu bezeichnen, ist schlicht falsch. Dazu gibt es bei diesem Krankheitsbild zuviele Erscheinungsformen - und bei einigen sind Antibiotika sehr wohl hochwirksam...

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6350280/create

Aktuelle Fotos und Videos
Es ist wieder Pollenzeit
Video
Allergien
WAZ-Medizinforum Diabetes
Bildgalerie
WAZ-Medizinforum
Stars mit dem HI-Virus
Bildgalerie
Aids
Schalke gegen Hoffenheim
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Bundestag stimmt für neue Organspende-Regelung
Organspende
Bürger in Deutschland müssen sich künftig mehr Gedanken über eigene Organspenden machen. Der Bundestag hat dazu an diesem Freitag mit Mehrheit einem Gesetzentwurf zugestimmt. Die Deutsche Hospiz-Stiftung reagiert enttäuscht.
Mülheim kommt auf 210.156 Krankentage im Jahr
Medizin
Trauriger Rekord für die Stadt Mülheim: Die Stadt kommt auf 210.156 Krankentage im Jahr. Damit ist der Krankenstand hier deutlich höher als im Umland. Das liegt auch daran, dass psychische Erkrankungen hier besonders hartnäckig sind.