Altersdepression wird laut Experten schlecht versorgt
21.02.2012 | 11:45 Uhr 2012-02-21T11:45:00+0100
Aachen. Ältere Menschen mit Depressionen werden nach Ansicht eines Experten schlecht versorgt. Der Aachener Unimediziner Frank Schneider warnt: „Es gibt eine ganz klare Versorgungslücke bei der Psychotherapie im Alter.“
Die Menschen werden immer älter. Und gerade ältere Menschen haben ein hohes Risiko depressiv zu werden. Doch das Gesundheitssystem sei nicht ausreichend vorbereitet, warnt Frank Schneider, der Leiter der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Aachen.
Unter anderem gebe es kaum spezialisierte Psychotherapeuten für ältere Patienten mit Depressionen. Zudem hätten niedergelassene Haus- und Fachärzte nicht genügend Zeit und Mittel, um die Betroffenen angemessen behandeln zu können.
Wegen des demografischen Wandels steige aber der Bedarf an entsprechenden Angeboten. Darauf sei Deutschland nicht ausreichend vorbereitet. „Auch bei uns im Klinikum in Aachen wird das Durchschnittsalter der Patienten immer höher“, sagte der Experte.
Schneider fordert auch mehr Forschungsanstrengungen in diesem Feld. Ein Problem seien etwa die Wechselwirkungen von Antidepressiva mit anderen Medikamenten. „Viele ältere Menschen nehmen Medikamente wegen Problemen mit dem Herzen, dem Blutzucker, dem Kreislauf oder dem Blutdruck und dann auch noch ein Antidepressivum“, sagte Schneider. Es sei aber noch nicht genügend darüber bekannt, was geschehen könne, wenn solche Mittel gleichzeitig eingenommen würden.
Depression durch soziale Isolation und körperliche Gebrechen
Schneider fordert daher, es müsse ein Deutsches Gesundheitszentrum für psychische Erkrankungen aufgebaut werden.
Gerade ältere Menschen hätten ein hohes Risiko depressiv zu werden. Häufig hingen solche Erkrankungen mit sozialer Isolation, körperliche Gebrechen und Mangelernährung zusammen. Eine große Rolle könne auch der Verlust des Lebenspartners spielen.
Schneider ist seit 2003 Direktor der Klinik für Psychiatrie Psychotherapie und Psychosomatik im Universitätsklinikum Aachen. Bis 2010 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN). (dapd)
17:15
von AntonC | #1
Vielleicht haben die Kinder-Enkelkinder die Alten abgeschoben.
Erst nachdenken dann Schreiben.
Ich bin 83 habe 3 Kinder und 8 Enkelkinder,die in allen Himmelsrichtungen verstreut Leben.Was Nu...Anton
Depressiv werden die alten,die so etwas Lesen müssen.
15:37
Entgegen #1 schützen Kinder nicht vor jeglichen altersbedingten Entwicklungen.
Die Kinder sind entweder zu weit weg gezogen wegen der Arbeit oder haben keine Zeit, weil sie für knappes Geld mehr arbeiten müssen als in früheren Jahren.
Wie viele Enkel von Ruhrgebietlern sind heute in Süddeutschland?
Und die Angehörigen von älteren Menschen mit Gebrechen (sind ja nicht alle) werden depressiv, wenn sie das Elend von z.B. Demenz miterleben.
12:21
Das Hauptrisiko dürfte, der Artikel deutet das ja auch mit der Formulierung "wegen des demografischen Wandels an" bei den Menschen liegen, die auf Kinder und damit auch Enkelkinder verzichtet haben und nun einsam an Depressionen leiden. Das ist schlimm, war aber vorhersehbar. Da stellt sich nun auch die Frage, warum die Krankenkassen nun die Folgen von Lebensfehlentscheidungen finanzielle tragen sollen.