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Ärztepräsident setzt nach Organ-Skandal auf Vieraugenprinzip

10.08.2012 | 17:55 Uhr
Ärztepräsident setzt nach Organ-Skandal auf Vieraugenprinzip
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery wirbt um Vertrauen in die Organspende - trotz des Skandals.Foto: dapd

Berlin.  Nach dem Organspende-Skandal ist das Vertrauen in die Transplantationsmedizin erschüttert. Wie kommt man da wieder raus? "Maximale Transparenz", sagt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery im Interview. Die Forderung nach einem saftigen Gehaltsplus für Ärzte hält er für "absolut gerechtfertigt."

Für die Transplantationsmedizin ist der Organspendeskandal in Regensburg und Göttingen ein Desaster, sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery. Im Interview mit der WAZ Mediengruppe spricht er über die Konsequenzen und fordert außerdem einen engen Rahmen für die Präimplantationsdiagnostik.

Herr Montgomery, würden Sie ohne Bedenken noch Organe von Angehörigen zur Spende freigeben?

Frank Ulrich Montgomery: Sicher! Meine Familie und ich haben Spenderausweise. Ich bin nach wie vor zutiefst davon überzeugt, dass man mit der Spende Leben spenden kann. Etwas Schöneres gibt es nicht. Außerdem: Was soll ich mit meinen Organen im Himmel?

Wie lange wird es dauern, bis der Imageschaden bei der Organspende behoben ist?

Montgomery: Das kann niemand sagen. Die Vorfälle in Regensburg und Göttingen sind ein Desaster für die Transplantationsmedizin. Es ist viel Vertrauen kaputt gegangen. Dies können wir nur durch maximale Transparenz wieder herstellen.

Der Patientenbeauftragte Zöller sagte, der Organspendeskandal werde viele Menschenleben kosten. Teilen Sie diese Befürchtung?

Montgomery: Die Formulierung ist drastisch, aber im Kern richtig. Jedes Jahr sterben 1000 Menschen, die auf der Warteliste stehen. Wenn künftig noch weniger Organe zur Verfügung stehen, dann befürchte ich, dass noch mehr sterben werden.

Nun soll das Mehraugenprinzip kommen. Ist damit Manipulation künftig ausgeschlossen?

Montgomery: Ich denke ja. Es verhindert, dass man im Alleingang Daten manipulieren kann.

Auch das beschleunigte Vermittlungsverfahren soll auf den Prüfstand . Wie soll es künftig funktionieren?

Montgomery: Das Verfahren war als Sonderfall gedacht, um zu verhindern, dass Organe verloren gehen. Es darf nicht zum Regelfall werden. Wir prüfen, wie wir es durch präzisere Regeln wieder eindämmen können. Wir müssen genauer als bisher festlegen, wann ein Organ potenziell gefährdet ist. Das kann sein, wenn der Spender alt, krank oder dick war. Auch beim Empfänger muss man genauer beschreiben, wann er für ein solches Organ infrage kommt.

Der Skandal in Regensburg war lange bekannt. Wie erklären sie sich, dass die Behörden offenbar nicht grundlegend eingegriffen haben?

Montgomery: Ich habe keine Erklärung. Ich kann nur feststellen, es hätte den Fall Göttingen nicht gegeben, wenn man in Regensburg konsequent gehandelt hätte.

Was macht Sie so sicher, dass die Vorfälle in Regensburg und Göttingen nicht die Spitze des Eisbergs war?

Montgomery: Wir haben selber lange Zeit nicht glauben können, dass ein Mediziner an dieser Stelle über so viel kriminelle Energie verfügen kann. Ich möchte aber auch auf die hohe Qualität bei Transplantationen und das große Engagement der allermeisten Ärzte hinweisen. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir keine weiteren Fälle finden werden. Aber angesichts von 4000 Transplantationen im Jahr kann man nie und nimmer die Hand für alles und jeden ins Feuer legen.

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Kommentare
12.08.2012
21:13
Vieraugenprinzip ist methodisch falsch eingeordnet
von frosstrubin | #4

Vier Augen hatten der beschuldigte Chefarzt und sein Oberarzt. Das Vieraugenprinzip wird sachlich falsch eingeordnet. Es dient der...
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2012-08-10 17:55
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