Ärztefehler in Wuppertal - Baby droht zu erblinden
21.02.2012 | 22:03 Uhr 2012-02-21T22:03:00+0100
Wuppertal. Auf der Neugeborenen-Intensivstation der St. Anna-Klinik in Wuppertal ist es zu einem schweren Behandlungsfehler gekommen. Drei Frühgeborenen wurden 1000-fach zu hoch dosierte Augentropfen verabreicht, was zu schweren Verätzungen führte. Ein Baby wird deshalb womöglich sein Augenlicht verlieren.
Es sollte eine Routineuntersuchung sein, die da am 7. Februar in der Wuppertaler St. Anna-Klinik bei drei Frühgeborenen durchgeführt wurde. Um kontrollieren zu können, wie sich die Augen entwickelt haben, wurden den beiden Jungen und dem Mädchen Augentropfen verabreicht, die die Pupillen weiten. Nur: Die Tropfen waren etwa 1000-fach überdosiert und verätzten den Babys die Augen.
Die Kinder fingen sofort an zu weinen. Das Pflegepersonal der Neugeborenen-Intensivstation habe sofort Ärzte hinzugezogen, den Kindern seien die Augen gespült worden, so der Klinikbetreiber. Wie es heißt, stehen bei zwei Babys die Chancen gut, dass sie nur geringe oder keine Schäden an der Sehkraft davontragen. Dem dritten Kind, einem Anfang Januar geborenen Jungen aus Solingen, drohen aber schwere Spätfolgen bis hin zur Erblindung. Er wurde bereits an den Augen operiert, offenbar ohne größeren Erfolg.
Ermittlungen aufgenommen
Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung aufgenommen. „Wir müssen die genauen Umstände klären“, sagte Sprecher Wolf-Tillmann Baumert gestern Abend der NRZ. Es liegen zwei Strafanzeigen vor. Ein Sprecher des Klinikbetreibers betonte, dass die Klinik ihrerseits die Staatsanwaltschaft „informiert“ habe: „Uns liegt sehr an einer objektiven Klärung des Sachverhaltes.“ Man setze alles daran, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholen könne.
Aufgrund eigener Ermittlungen geht die Klinik davon aus, dass eine „Falschübermittlung der Rezeptur unter den behandelnden Ärzten Ursache des Zwischenfalls“ war. Zudem habe es „unvollständige Kontrollprozesse in der zuständigen Apotheke“ gegeben. Nicht gegeben hat es bisher dienstrechtliche Konsequenzen: Wie der Sprecher auf NRZ-Nachfrage sagte, wurde niemand infolge des Vorfalls freigestellt. Die beiden nicht so stark geschädigten Babys werden weiter im St. Anna behandelt. Der Junge aus Solingen liegt in der Helios-Klinik, die Mitbetreiber der Neugeborenen-Intensivstation ist.
10:57
Private Kliniken, dazu gehört übrigens auch Helios, sind in erster Linie Wirtschaftsunternehmen. Sie müssen Gewinn machen, und das nicht zu knapp. Personal ist da ein unschöner Kostenfaktor, den es möglichst klein zu halten gilt. Die betriebswirtschaftliche Kunst ist es, ihn möglichst so runterzufahren, dass der laufende Betrieb gerade so eben nicht zusammen bricht. Immer kutz vorm Chaos.
Das Personal ist damit nicht nur völlig überfodert, sondern es macht auch zwangsläufig Fehler.
Ich denke, wir brauchen wieder mehr Leute im System. Und sollten weg von der Privatisierung elementarer Dinge.
Den verletzten Kindern alles Gute! Auch den "Tätern", die sich sicherlich ganz schlecht fühlen.
09:58
Ich kann nur von Glück sprechen, dass unserem neugeboren Sohn nichts gravierendes passiert ist. Er wurde zwar nicht in der oben genannten Klinik geboren, jedoch habe ich mitbekommen, wieviel Personal - insbesondere in der Nacht - zur Verfügung stand.
Zum aktuellen Fall - da haben ja wohl alle Sicherungsmechanismen versagt bzw. der eine hat sich auf den anderen verlassen usw. Man muss jetzt wirklich abwarten zu welchem Ergebnis die Ermittlungen kommen.
Es gilt jedoch festzuhalten, dass jeder der sich in ein Krankehaus begibt zu einem gewissen Prozentsatz die Chance hat zu sterben oder durch einen Behandlunsgfehler schwer zu erkranken. Woran liegt das - an den unfähigen Politikern die fernab jeder Realität etwas beschliessen. Die Patienten werden mehr und mehr gegängelt und müssen draufzahlen, jedoch verschlechtert sich das Gesundheistsystem zusehends.
Hier kann doch etwas nicht stimmen
07:05
Et darf ja allet nix kosten, wer sich ins Krankenhaus begibt begibt sich in Lebensgefahr, solange er Kassenpatient ist!
Ätzte schauen nun mal nicht mehr wirklich hin wenn se was machen!
06:42
Wirklich schlimm, was da passiert ist! Ich wünsche den Kindern gute Besserung und vor allem keine bleibenden Schäden!
Bevor jetzt aber alle auf die "blöden Schwestern" einhacken möchte ich diese in einem gewissen Rahmen in Schutz nehmen.
Ich war selber mal Krankenpfleger. Ich habe in einem Großklinikum gearbeitet. Wechselnd Nachtschichten, Frühschichten, Spätdienste und Teildienste. Nachts allein zuständig für 40 Patienten, viele Schwerstkrank oder sterbend. Dazu Notfälle, Notaufnahmen etc..
Nur jedes zweite Wochenende frei, und das freie Wochenende sehr oft eingesprungen. D.h. Anruf am eigentlich freien Tag um 04.30 Uhr von der Kollegin der Nachtschicht, da sich jemand krank gemeldet hatte. Und einfach nicht hingehen ist nicht. Man würde dann Patienten oder die Kollegen im Stich lassen und das wird in der Regel mit Mobbing bestraft. Das ganze dann für 1.200 Euro Netto. 250 € davon aus Schichtzulagen. Also gab es im Urlaub oft unter 1.000 netto. So sieht es aus... Leider!
Stimme Ihnen vollkommen zu.
01:38
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