17 Tote: Grippewelle trifft besonders oft gesunde Erwachsene

7300 Fälle von Grippe sind dem Robert-Koch-Institut seit Oktober gemeldet worden, rund 2400 waren es allein in der ersten Februarwoche. Bisher passe der Impfstoff, sagen Experten.
7300 Fälle von Grippe sind dem Robert-Koch-Institut seit Oktober gemeldet worden, rund 2400 waren es allein in der ersten Februarwoche. Bisher passe der Impfstoff, sagen Experten.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
  • Mindestens 17 Menschen sind laut dem Robert-Koch-Institut in dieser Saison bereits an Grippe gestorben
  • Die aktuelle Grippewelle trifft Menschen mittlerer Altersgruppen häufiger und schwerer als in den Vorjahren
  • Ärzte sollten Patienten zwischen 15 und 59 nun verstärkt im Fokus haben

Berlin.. Die aktuelle Grippewelle trifft nach ersten Erkenntnissen Menschen mittlerer Altersgruppen häufiger und schwerer als in den Vorjahren. Ursache sei wohl die aktuelle deutliche Dominanz des erst seit 2009 zirkulierenden Virus A(H1N1)pdm09, sagte die Influenzaexpertin des Robert Koch-Instituts (RKI), Silke Buda, der Deutschen Presse-Agentur. „Das Virus scheint auch bei jüngeren Erwachsenen und Personen ohne chronische Vorerkrankung mehr schwere Krankheitsverläufe zu verursachen als das A(H3N2)-Virus, das im Vorjahr verbreitet war.“

Influenza Mindestens 17 Menschen sind nach Angaben des RKI in dieser Saison bereits an Grippe gestorben. Die tatsächliche Zahl der Todesfälle könne jedoch nur geschätzt werden, erklärte eine Sprecherin am Donnerstag. Nicht alle mit Influenza im Zusammenhang stehenden Todesfälle könnten als solche erkannt und labordiagnostisch bestätigt werden. Zudem würden dem RKI Todesfälle nur sporadisch übermittelt. Schwere Verläufe seien dennoch relativ selten und der Impfstoff passe bisher, sagte Silke Buda. Ärzte müssten Patienten zwischen 15 und 59 nun verstärkt im Fokus haben.

Schweinegrippe dominiert die Saison

Auch international sei vermehrt von schweren Influenza-Fällen auf Intensivstationen berichtet worden, sagte Buda. In den näher bestimmten Fällen habe es sich vor allem um das H1N1-Virus gehandelt, das vielen noch unter dem Namen Schweinegrippe bekannt sein dürfte. Fachleute halten den Begriff jedoch für irreführend: „Es hört sich so an, als handle es sich um ein Virus, das auch bei Schweinen zirkuliert“, sagte Buda. Das sei aber nicht der Fall bei der Kombination, die beim Menschen 2009 die Pandemie auslöste. H1N1 wird genauso übertragen wie andere Viren: durch Tröpfchen beim Niesen oder Sprechen zum Beispiel.

Karneval Auch wenn das H1N1-Virus für das Immunsystem des Menschen noch relativ neu ist, so betonte Buda, dass es auch in den Vorjahren stets kursierte. In der Saison 2014/2015 etwa lag der Anteil an den Influenza-Infektionen bei 15 Prozent. In dieser Saison sind es bisher 70 Prozent. Das muss aber nicht so bleiben. Möglicherweise verbreite sich die Influenza vom Typ B noch stärker, die bisher etwa 23 Prozent der Fälle ausmacht. „Bei Influenza B ist es häufig so, dass der Anteil im Verlauf der Saison noch ansteigt“, sagte Buda.

Rund 2400 bestätigte Grippefälle in der ersten Februarwoche

Ob das so ist, wollen Experten auch wegen der Passgenauigkeit der Grippe-Impfstoffe im Auge behalten: Denn die aktuell zirkulierende B-Linie ist in den am weitesten verbreiteten Dreifachimpfstoffen nicht enthalten. Diese B-Linie sei aber auch „nicht brandneu“ für die Bevölkerung, sagte Buda. Um etwas über die Wirksamkeit des Impfstoffs zu sagen, müssten Studien abgewartet werden.

Gesundheit Knapp 2400 labordiagnostisch bestätigte Fälle von Influenza sind dem RKI in der ersten Februarwoche übermittelt worden, rund 7300 sind es seit Oktober 2015. Die Meldedaten spiegeln nur einen Bruchteil des tatsächlichen Geschehens wieder, weil nicht alle Patienten mit Grippesymptomen auf Influenza getestet werden. Influenza beginnt meist abrupt mit Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber, bevor Halsschmerzen oder Husten einsetzen. Die Viren, die Influenza beim Menschen auslösen, verändern sich genetisch von Saison zu Saison. (dpa/epd)