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1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert

20.09.2011 | 13:35 Uhr
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
In Tiermast-Betrieben wird in großem Umfang Antibiotika verfüttert, um Krankheiten bei Schweinen, Rindern, Kälbern und Geflügel zu stoppen. Archiv-Foto: dapd

Essen.Obwohl der Einsatz von Antibiotika zur Leistungssteigerung von Zuchtvieh verboten ist, sind 2010 rund 1000 Tonnen verbraucht worden. Kritiker vermuten, dass das Verbot umgangen wird, indem Antibiotika als Arznei eingesetzt werden.

In Tiermast-Betrieben wird in großem Umfang Antibiotika verfüttert, um Krankheiten bei Schweinen, Rindern, Kälbern und Geflügel zu stoppen. 2010 wurden dort nach Schätzungen der Bundesregierung rund 1000 Tonnen verbraucht. Das gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Regierung spricht von einem „bedeutenden Problem“, da Antibiotika bei einem unachtsamen Einsatz in der Tierzucht in die Nahrung des Menschen gelangen und beim ihm eine Resistenz gegen hochwirksame Arzneien auslösen kann.

Zuletzt hatte es im Frühsommer bei der Suche nach dem Ehec-Erreger eine Debatte über die zunehmende Antibiotika-Resistenz in der Bevölkerung gegeben. Weil die Gefährlichkeit des Resistenz-Keimes MRSA , durch den jährlich bis zu 7000 Menschen sterben, bekannt ist, ist die Verfütterung von Antibiotika zur Leistungssteigerung von Zuchtvieh seit 2006 EU-weit verboten. Der Einsatz als Arznei ist allerdings weiterhin erlaubt.

Verdacht, dass das Verbot umgangen wird

Bei Kritikern gibt es jetzt den Verdacht, dass das Verbot auf diese Weise umgangen wird. In einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag bestätigt das Ernährungsministerium „Schätzzahlen“, wonach Schweine in Deutschland pro Jahr 5,9 mal jährlich mit entsprechenden Medikamenten behandelt werden, Rinder 2,5 und Kälber 2,3 mal. Niedersächsische Untersuchungen, die „nicht repräsentativ“ seien, besagten, dass auch Masthähnchen im Lauf ihres im Schnitt 32-tägigen Lebens 2,3 mal Antibiotika verabreicht wird. Niedersachsen habe weitere Untersuchungen eingeleitet. Auch in NRW wird ermittelt, wie stark Antibiotika in der Tierzucht als Arznei eingesetzt wird.

Das Ernährungsminsterium bestätigt zudem mehrere Studien der Bundesanstalt für Risikobewertung. So ermittelte die Bundesanstalt, dass 2010 32 Prozent der Proben von Putenfleisch mit dem gefährlichen, Resistenz auslösenden Keim MRSA durchseucht waren. Schon 2009 habe die Behörde in 290 Schweinemastbetrieben den Stallstaub untersucht und in 52 Prozent dieser Betriebe MRSA-Bestandteile gefunden. Betriebe mit ökologischen Haltungsformen waren keimfrei. Die Regierung zitiert zudem eine Untersuchung des bundeseigenen Robert Koch-Instituts, wonach Landwirte aus Betrieben, die Antibiotika einsetzen, selbst zu 86 Prozent mit dem MRSA-Keim infiziert sind.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung und die Bundestags-Grünen drängen darauf, dass den Gesundheitsbehörden genauere und regionalisierte Daten über den Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht übermittelt werden. Die Bundesregierung lehnt dies bisher mit Hinweis auf den Datenschutz ab, weil behandelnde Tierärzte schnell identifiziert werden könnten.

Dietmar Seher

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Kommentare
21.09.2011
11:01
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von hermannfocke | #18

Die Antibiotika-Anwendungen in der intensiven Nutztierhaltung, gemeinhin als Massentierhaltung bezeichnet, sind eines der größten Geheimnisse in Bundesrepublik. Nach meinen Recherchen als ehemaliger Veterinäramtsleiter in Südoldenburg, der Region mit der größten Nutztierdichte in Europa, komme ich zu teilweise noch wesentlich höheren Daten als in dem o.a. Artikel der WAZ. So werden z.B.im Gegensatz zu den Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums bei Masthähnchen in zahlreichen Fällen nicht nur 2,3 Antibiotika-Behandlungen durchgeführt, sondern wie in meinem Buch Die Natur schlägt zurück - Antibiotikamissbrauch in der intensiven Nutztierhaltung und Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt. dokumentiert wird, werden in zahlreichen Fällen mehr als das Doppelte eingesetzt.Angemerkt sei, dass jede Behandlung sich über mehrere Tage erstreckt. Also: 1 und 2 zusammenzählen.
Dr. Hermann Focke Ltd. Veterinärdirektor i. R.

21.09.2011
03:04
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von DasLenchen | #17

Es muss doch möglich sein, in Deutschland auch Nicht-Bio zu konsumieren. Bio ist nun einmal teurer und ich würde es mir leisten, wenn ich könnte. Obst/Gemüse: Pestizide. Eier: Diaoxin. Getreide: Genmanipuliert. Fisch: Überwischung. Fleisch: Antibiotika und unmenschliche Produktion. Milch: unnatürliche Hochleistungskühe. Von in Deutschland geangelten, in SriLanka gepuhlten und wieder in Deutschland verkauften Krabben reden wir mal gar nicht. Und auch Bio: Bioäpfel aus Neuseeland in unseren Supermärkten? Macht keinen Sinn. Frage, was kann ich noch, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen essen?

20.09.2011
23:42
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von karlosdallos | #16

Ich wette, von der Leyens Blagen kriegen Bio-Fleisch vom Feinsten

20.09.2011
23:26
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von Cindy1404 | #15

Mit Raffgier und Lobbyismus wird in Deutschland auf Kosten der Gesundheit sehr viel Geld verdienst.
Und das mit schlampiger Gesetzgebuung.

20.09.2011
22:40
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von Moeppkenbrot | #14

Soylent Green für alle!

20.09.2011
22:40
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von holmark | #13

Wozu brauchen wir dann eigentlich noch eine Grippeschutzimpfung? ;o)

20.09.2011
18:52
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von Andreas45141 | #12

alle in den knast

20.09.2011
18:11
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von hoax | #11

#8

Nicht überall wo Bio drauf steht, ist auch Bio drin. Das ist leider so. Wenn Sie nicht gerade bei Ihrem Fleischer des Vertrauens oder beim Bauern von nebenan ihre Kost beziehen, können Sie sich bei nichts sicher sein, was das angeht.

20.09.2011
17:42
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von kopo | #10

@8:Im grunde genommen haben Sie recht.Aber es gibt in unserer Gesellschaft leider Leute,die sich das absolut nicht leisten können.Manchmal habe ich den Eindruck,dass gesunde Lebensmittel nur für Reiche erschwinglich sind.

20.09.2011
17:10
1000 Tonnen Antibiotika an Tiere verfüttert
von Dayu | #9

......... seitdem esse ich kein Schwein mehr ...... ich rauche es!

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